NoveliqaZwischen Rache und Verlangen: Das Spiel um zweite Chancen / Nähe zwischen Bitterkeit und Verlangen :0%
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Chapter 8

Nähe zwischen Bitterkeit und Verlangen

Kapitel 8 Nähe zwischen Bitterkeit und Verlangen

Das Herz klopfte rhythmisch laut in Emilias Ohren, warf Schatten vor ihre Augen, die noch immer auf die Silhouette gerichtet waren, die sich ihr so plötzlich genähert hatte. Lukas. Sein Atem lag schwer in der kühlen Nachtluft, vermischte sich mit dem leicht feuchten Duft von Asphalt und kaltem Beton. Jeder seiner Schritte hatte sich geerdet, sicher und doch zögerlich, als suchte er nach einem winzigen Spalt zwischen dem, was gewesen war, und dem, was nun unausweichlich naht.

Emilia spürte, wie die Spannung in ihrem Nacken sich knirschend verfing. Es war mehr als nur der Schock seines unerwarteten Erscheinens – es war die Last all der unausgesprochenen Worte, der Funken, der zwischen ihnen geflogen war und sich ausbreitete wie Öl auf einer Wasseroberfläche.

„Du…“ Ihre Stimme war rau, gebrochen fast, und trotzdem schwang ein Ton mit, der weder ganz Feindschaft noch Wärme einfing. Ein Drahtseilakt zwischen Ablehnung und Erinnerung.

Lukas biss die Lippen zusammen, die Schultern kaum sichtbar nach unten gesunken. „Ich weiß, du willst nichts von mir hören. Und doch stehe ich hier.“

Seine Worte wirkten wie ein sanfter Schlag ins Gesicht – verletzt, ehrlich, und doch unendlich schwer. Emilia schluckte, wollte sich abwenden. Doch irgendetwas in ihrer Brust hielt sie zurück, als hätte ihr eigenes Herz eine Erinnerung festgehalten, die sie längst begraben glaubte.

„Du hast mich verraten.“ Die Worte kamen scharf, wie Splitter aus Glas, die sich in seinen Blick bohrten.

Seine Augen flackerten, ein Moment von Schmerz blitzte hindurch. „Ich habe versucht, dich zu schützen.“

„Schützen?“ Ihr Lachen war bitter, rauchig. „Indem du die Wahrheit versteckst und mich in die Dunkelheit stürzt?“

Ein Flimmern von Verzweiflung huschte über Lukas’ Gesicht, nur einen Wimpernschlag lang. Dann räusperte er sich, machte einen Schritt vorwärts, der Raum zwischen ihnen löste sich kaum. „Weißt du denn, was ich durchmachen musste? Die Schuld, die an mir hängt wie eine schwere Kette?“

Emilia wollte wegsehen, die Worte in der Stille zerbröseln lassen, doch der scharfe Blick, der sie fesselte, hielt sie fest wie ein unsichtbares Band.

„Du hast mich zerstört“, hauchte sie, während Tränen ihre Wangen kühl hinabrollten. Nicht mehr aus Trauer, sondern aus der brennenden Erkenntnis, dass alles, was sie sich aufgebaut hatte, auf einem Fundament aus Lügen ruhte.

Doch dann, mitten in diesem Feuerwerk aus Bitterkeit, spürte sie plötzlich diesen anderen Funken. Einen Funken, der längst in der Asche geschlummert hatte, verborgen hinter Mauern aus Vorsicht und Schmerz. Die Nähe von Lukas, der warme Duft seiner Haut vermischte sich mit ihrem eigenen Puls, so nah, dass ihr Atem wie ein Flüstern an seinem Hals entlang strich.

Sein Blick verengte sich, tiefer, intensiver – eine Mischung aus Bedauern und Verlangen. Ohne zu fragen, ohne zu zögern, legte er behutsam eine Hand an ihre Wange, seine Finger kalt und gleichzeitig so lebendig gegen ihre Haut.

Emilias Körper erstarrte einen Moment lang. Dann – wie von unsichtbaren Fäden gezogen – neigte sie den Kopf, als suche sie Antwort in diesem zögerlichen Berühren.

„Vielleicht…“ Seine Stimme brach, kaum mehr als ein rauer Hauch. „Vielleicht warst du immer der Grund, warum ich es nicht ertragen konnte, dich gehen zu lassen.“

Der Abstand zwischen ihnen schmolz dahin, als hätte die Zeit ihre eigenen Gesetze vergessen. Ihre Lippen fanden sich, tasteten sich schüchtern, fordernd, zuerst zögerlich, dann forschender.

Das Prickeln auf Emilia’s Haut wurde von einem Mal zu einem lodernden Feuer, das all die Dunkelheit in ihr zu vertreiben drohte. Sie spürte, wie alte Mauern zusammenbrachen, Stück für Stück – ein wildes Durcheinander aus Schmerz und Begierde.

Doch kaum hatten sie sich verloren in diesem Kuss, diesem Moment, riss Lukas abrupt seine Lippen von ihren. Seine Stirn legte sich in tiefe Falten, und sein Blick verfinsterte sich schlagartig.

„Du darfst nicht vergessen,“ flüsterte er mit rauer Stimme, „was draußen auf dich wartet. Nicht alles, was wie Liebe aussieht, ist Rettung. Manchmal ist es der Tod.“

Sein Atem zerriss die Luft zwischen ihnen, die Warnung hing wie ein schwerer Nebel im Raum. Emilia konnte spüren, wie ihre Brust sich zusammenzog, zwischen Verlangen und Angst zerrissen.

Noch ehe sie antworten konnte, hallte plötzlich ein scharfes Geräusch in der Ferne – das Reifenquietschen eines Autos, das hastig in eine dunkle Straße abbog.

Beide fuhren herum, die Sinne gespitzt, das Adrenalin schoss durch ihre Adern wie giftiges Wasser.

Lukas trat einen Schritt zurück, sein Blick suchte die Schatten, in denen jetzt mehr lauerten als nur Nacht.

„Wir sind nicht allein.“

Emilia schluckte schwer. Die Nähe, der Kuss, die aufbrechenden Gefühle – alles verdichtete sich nun zu einem gefährlichen Pulverfass.

Kurz blitzte ein halbes Lächeln über ihre Lippen – wild und trotzig. „Dann sollten wir wohl besser herausfinden, wer das Spiel wirklich spielt.“

Hinter ihnen knarrte eine Tür. Ein kalter Windstoß zog auf.

Die Dunkelheit wartete. Und mit ihr die Wahrheit.