NoveliqaZwischen Rache und Verlangen: Das Spiel um zweite Chancen / Vertrauter oder Feind? :0%
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Chapter 4

Vertrauter oder Feind?

Kapitel 4 Vertrauter oder Feind?

Das Klopfen bohrte sich durch die Stille wie ein Messer in alte Narben. Emilia spürte, wie der Raum um sie herum plötzlich enger wurde — die Luft schwer und elektrisch geladen. Jeder Herzschlag schlug ihr gegen die Schläfen, als würde sich ihr Schädel innendrin verdrehen.

Eine zweite, festere Klopfsalve setzte ein. Nicht bedrohlich, aber bestimmt. Unnachgiebig.

Emilia presste die Hand gegen die Brust. Ihr Atem schlug kurz und flach, als hätte jemand einen eisigen Griff um ihr Herz gelegt. Ihre Finger zitterten leicht, kalt trotz des erstickenden Schwitzens an ihrer Stirn. Sie konnte nicht vorhersagen, wer hinter dieser Tür stand — Freund oder Feind, Retter oder Verräter.

„Wer ist da?“, rief sie noch, ihre Stimme ein Flüstern, das kaum über den Türspalt drang.

Keine Antwort. Nur das unebene Pochen der Hingabe — oder des drohenden Verrats.

Sie schleppte sich zur Tür, die Füße fühlten sich an, als wären sie plötzlich in Beton eingegossen. Die Hand umschloss langsam den Türgriff, die Nägel bohrten sich schmerzhaft in das Holz.

Draußen, im Flur, lag der Geruch von Regen und Asphalt; das diffusen Licht der Straßenlaterne ergoss sich durch kleine Fenster. Schatten verwehten an der Wand.

Und dann öffnete sie die Tür.

Dort stand er.

Simon.

„Emilia,“ sagte er leise, als hätte er sich mit jedem Wort durch eine Wand aus Schweigen graben müssen. Seine Augen glänzten im schwindenden Licht, das unausgesprochene Gewicht zwischen ihnen lastete schwer. Er trug einen abgewetzten Mantel, der seine erschöpfte Gestalt kaum verbarg.

„Ich hoffe, ich störe nicht“, fuhr er fort, aber Emilia bemerkte die Spannung in seiner Stimme, das Unsichtbare, das sich wie Frost zwischen den Worten legte.

Sie starrte ihn an, ihre Lippen zu einem trockenen Strich gepresst. Simon. Der Mann, den sie einst für einen Bruder gehalten hatte. Der, der verschwunden war, als sie ihn am meisten gebraucht hatte. Der, dessen Schweigen ihr mehr wehgetan hatte als jede Lüge.

„Was willst du hier, Simon?“, fragte Emilia, ihre Stimme fest, aber ein Zittern verriet ihr inneres Chaos.

Er trat einen Schritt näher, die Hände nervös vergraben in den Taschen. „Ich habe von allem gehört. Von Lukas. Von dem, was passiert ist.“

Emilias Augen verengten sich. „Du hast zugehört? Oder du hast gespürt, dass ich eine Gefahr werde, die du nicht kontrollieren kannst?“

„Nein“, sagte er schnell, sein Blick suchte den ihren, „Ich will dir helfen. Ich will nicht, dass du das alleine durchstehst.“

Für einen Moment war da nur dieses ehrliche Bekenntnis zwischen den Schatten — und dann die lähmende Kälte der Unsicherheit.

Emilia wollte ihm glauben. Sie wollte die Hoffnung spüren, die Simon plötzlich wie einen Faden zwischen ihnen spinnen wollte. Aber da war die Stimme tief in ihr, die zweifelte. Zu viele Male war sie enttäuscht worden. Zu viele Male hatten Menschen um sie getanzt — nur um ihr am Ende ins Kreuz zu fallen.

„Sag mir, warum ich dir vertrauen soll“, flüsterte sie, ihre Stimme scharf wie ein Rasiermesser.

Simon schluckte, seine Augen suchten nach einer Antwort, die schwer zu finden war. „Weil ich der Einzige bin, der die Wahrheit kennt. Und ich habe lange genug geschwiegen.“

Ein Schatten huschte über sein Gesicht. „Und weil du nicht die einzige bist, die kämpft. Ich kämpfe auch. Für dich.“

Emilia spürte, wie ein Funken Hoffnung in ihr aufflackerte und sofort von einem kalten Windstoß der Warnung ausgeblasen wurde.

„Dann sag mir die Wahrheit, Simon. Jetzt. Oder verschwinde.“

Seine Stille schrie lauter als jedes Wort. Das Knistern unverhohlener Spannung wuchs.

In diesem Moment vibrierte Emilias Telefon, die Displaybeleuchtung flackerte nervös in der Dunkelheit. Eine Nachricht von einem unbekannten Absender.

Sie hob das Gerät. Die Worte darin brannten wie Feuer auf der Haut:

„Vertraue niemandem. Nicht einmal ihm.“

Emilias Blick schoss zu Simon, der sie da mit einem Blick musterte, der mehr sagte als tausend Worte: Krieg — Freund oder Feind, Vertrauter oder Verräter.

Sie öffnete den Mund zu einer Antwort, doch verfangen nur ein leises Keuchen, als die Tür hinter Simon langsam ins Schloss fiel.

Die Frage brannte in ihrer Brust wie ein düsteres Flammenspiel.

War Simon gekommen, um sie zu retten—oder um sie endgültig zu zerstören?