Chapter 3
Kapitel 3 Die dunkle Flamme entzündet sich
Emilia presste die Hände gegen die kühle Wand des schmalen Treppenhauses, ihre Finger suchten Halt in der rauen Betonoberfläche, die sich eisiger anfühlte als die Ängste, die ihr durch Mark und Bein krochen. Der letzte Atemzug der Dunkelheit lag noch schwer in ihrer Lunge, als der hallende Schlag ihrer Schritte durch das verlassene Gebäude widerhallte. Jeder Schritt entgegnete ihrem zitternden Herzschlag.
Ihre Gedanken wirbelten, wirr und ungebändigt. Lukas Weber – das Gesicht, das ihr unaufhörlich erschienen war, wenn die Nacht hereinbrach, und doch schwebte hinter seinem Blick eine Wand, kalt und undurchdringlich wie Glas. Sie hatte mehr gesehen, mehr gespürt als Worte es fassen konnten: Verrat, der wie ein giftiger Schatten ihre Welt vergiftete. Aber heute, hatte sie geschworen, würde sie nicht länger die Opferrolle spielen.
Im Halblicht ihrer kleinen Mietwohnung, wo der muffige Geruch altes Holz und kaltem Rauch durch die Ritzen der Fenster zog, kauerte Emilia vor dem wackeligen Schreibtisch. Auf ihr Verlangen, die Wahrheit zu durchdringen, hin hatte sie eine Spur gefunden – ein altes Terminal, das Lukas scheinbar übersehen hatte. Die Informationen dort würden Antworten bringen – oder noch größerer Qual offenbaren.
Sie zog den Laptop hervor, der auf dem blanken Holz düster leuchtete und das blasse Licht auf ihre gebrochenen Gesichtszüge warf. Der Bildschirm flackerte kurz, dann öffnete sich ein Ordner, idiotensicher getarnt unter dem Namen „Privat“.
Die Hände schwitzten, die Finger zitterten, als sie die Dateien durchkämmte: Rechnungen, Chatschnipsel, Sprachnachrichten. Aber dann – ein Klick, ein Bild öffnete sich.
Dort stand er. Lukas, lächelnd, die Arm um eine Frau gelegt, deren Gesicht sie nicht kannte. Die Details waren klar: Sie trug ein atemberaubendes Kleid, ihre Augen funkelten verschlagen. Ein kleines Café vor dem Hintergrund, das geschäftige Leben einer anderen Welt.
Ein eisiger Stich bohrte sich in Emilias Magen. Wer war sie? Warum hatte Lukas sie nie erwähnt? Und vor allem: Was verbarg sich hinter diesem geheimnisvollen Lächeln?
Sie lehnte sich zurück, der Stuhl gab ein leises Knarzen von sich. Der Raum schien enger, die Luft schwer und erstickend.
„Lukas… was hast du nicht erzählt?“
Das Geräusch an der Tür ließ sie zusammenzucken. Ihr Herz setzte einen Schlag aus, bevor es wild zu rasen begann.
Langsam stand sie auf, jeder Muskel in ihrem Körper angespannt wie eine gespannte Saite. Der Vorhang bewegte sich kaum merklich im Wind, als die Dämmerung die Schatten in ihrem kleinen Refugium länger werden ließ.
Emilia unterdrückte den Drang, den Laptop zuzuschlagen. Der Bildschirm zeigte weiterhin das Foto, die dunkle Flamme erst hatte sie entfacht, nun loderte sie hoch – brennend, unaufhaltsam.
Ein Gedanke schoss wie ein Blitz durch ihren Kopf: Wenn Lukas vor einem Verrat geflohen war, wie viele Masken trug er? Und wenn die Wahrheit so tief verborgen lag – würde sie es wirklich ertragen können?
Die Dämmerung fiel in ihr Zimmer, kroch wie eine schwarze Hand über die Wände. Und Emilia wusste: Dies war erst der Anfang ihres Spiels.
Dann, mitten in der Stille, ertönte ein leises, aber bestimmtes Klopfen an der Tür. Das Spiel hatte begonnen—und diesmal gab es kein Zurück.