NoveliqaVerwundete Herzen im Schatten des Verrats / Verwirrende Verbündete :0%
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Chapter 9

Verwirrende Verbündete

Kapitel 9 Verwirrende Verbündete

Der Raum schien zu atmen, jeder Schatten schien sich zu dehnen, als Felix sich langsam von der Tür entfernte. Sein Blick war messerscharf, doch irgendetwas darin ließ Lena erstarren. Nicht Angst. Eher eine Mischung aus Misstrauen und verblüffter Hoffnung.

Er trat ein paar Schritte auf sie zu. Die Luft zwischen ihnen knisterte vor unausgesprochenen Worten.

„Ich weiß, dass du nicht glaubst, dass ich dir helfen will“, sagte Felix mit einem so leisen Tonfall, dass es beinahe ein Geständnis war.

Lena biss sich auf die Lippe und funkelte ihn an. „Warum sollte ich? Du warst immer mein Feind. Deine Familie steht für alles, wovor ich mich fürchte.“

Felix lachte bitter, doch seine Augen blitzten kurz auf wie ein eingeklemmtes Tier. „Genau deshalb werde ich dich schützen. Nicht aus Freundschaft. Nicht aus Altruismus. Sondern weil deine Feinde auch meine sind – wenn auch aus anderen Gründen.“

Die Stille zwischen ihnen zog sich wie ein unsichtbares Seil. Lena spürte, wie ein kühler Hauch an ihrem Nacken entlangfuhr. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr Herz schneller schlug, und doch wollte sie es nicht. Sie musste sich beherrschen – ließ sich nicht von diesen widersprüchlichen Gefühlen lenken.

„Du willst also ein Bündnis?“, fragte sie, während ihre Stimme eine Spur von Skorpionstich enthielt.

Felix nickte knapp. „Ja, ein Zweckbündnis. Du brauchst Informationen, die ich habe. Ich will, dass du am Leben bleibst – und die Wahrheit ans Licht bringst. Am Ende gewinnen wir beide.“

Lena schloss die Augen für einen kurzen Moment, als die Worte zwischen ihnen wie ein unscharfes Netz lagen. Sie konnte spüren, wie ihr Verstand gegen den Impuls ankämpfte, doch das Gift des Misstrauens war tief.

„Was willst du im Gegenzug?“, flüsterte sie scharf.

Sein Lächeln schmolz dahin, wurde ganz ernst. „Deine Loyalität ist kein Thema. Nicht jetzt. Aber ich will, dass du nicht vergisst, wer wir beide wirklich sind – und wer wir für andere sein müssen.“

Ein Schauder kroch Lena über den Rücken. Es war, als hätte er ihr direkt ins Herz gesprochen – und doch in einer fremden Sprache.

„Deine Hilfe hört sich teuer an, Felix. Du bist nicht hier, um zu retten, was ich bin. Du bist hier, um zu verhindern, dass alles auffliegt.“ Ihre Augen brannten vor Zorn. „Oder hast du Angst, dass dein eigenes Kartenhaus zusammenbricht?“

Er reagierte nicht sofort. Ein kurzer Zug am Ärmel seines Jacketts, als würde er sich auf eine Lüge vorbereiten. „Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber ich bin nicht dumm, Lena. Ich weiß, dass wir mehr verbindet als trennt.“

Lena öffnete die Augen und sah ihn an, so wie man einen Wolf mustert, der unter den Schafen weilt.

„Sag es mir ehrlich: Willst du mich retten oder vernichten?“

Felix trat einen Schritt näher, seine Stimme war seidenweich und doch scharf wie ein Skalpell. „Ich will, dass du lebst. Aber nicht umsonst.“

Ein knisterndes Geräusch ertönte plötzlich – das Klicken eines Schlosses. Die Haustür öffnete sich von selbst einen Spaltbreit, und ein Schatten fiel in den Flur. Lena erstarrte.

„Wer ist da?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Felix war kaum schneller. Ein scharfer Blick, ein Griff nach der Handtasche auf dem Tisch. „Das bekommst du gleich zu sehen.“

Der Schatten bewegte sich einen Schritt ins Licht – eine Gestalt, die Lena nicht erwartet hatte.

„Felix ...?“, flüsterte sie wie eine Frage und zugleich ein Befehl.

Felix grinste kalt. „Von wem willst du lieber beschützt werden? Von einem Freund – oder einem Feind?“

Der Fremde trat näher – und in seinen Augen lag ein kaltes Funkeln, das jeden Zweifel auslöschte.

Lena spürte, wie ihre Knie weich wurden. Die Falle schloss sich.

Doch wen würde sie wählen? Den Mann, der ihr den Tod bringen könnte – oder den, der ihr Leben retten wollte, obwohl sie ihm nichts schenkte?

Die Worte blieben ihr im Hals stecken.

Das Risiko war größer als alles, was sie bisher kannte.

Und doch – dieses riskante Bündnis war vielleicht ihre einzige Chance.

Ein letzter Blick auf Felix, dann der Schatten im Zimmer.

Lena wusste: Sie musste entscheiden.

Und zwar jetzt.

Ende Kapitel 9.