NoveliqaVerwundete Herzen im Schatten des Verrats / Erste Funken trotz Feindschaft :0%
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Chapter 6

Erste Funken trotz Feindschaft

Kapitel 6 Erste Funken trotz Feindschaft

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Der Griff an Felix’ Schulter war fest, zog ihn unerwartet scharf zurück. Sein Herz schlug einen Takt schneller, doch der trotzig aufgestellte Blick, der sonst sofort zu einer Kampfansage wurde, blieb diesmal starr unter dem schweren Mantel der Überraschung stehen.

„Lena“, flüsterte eine raue Stimme, die eher Erleichterung als Zorn verriet.

Er fuhr herum und blickte ihr direkt in die Augen, die im spärlichen Schimmer der Laternen funkelten – falsch, verletzlich und unverkennbar wachsam. Lena. Sie stand so dicht, dass er ihren Atem auf der Haut spürte. Kein Zufall, kein schnöder Raubzug in dunkler Stunde. Nein, das war eine Konfrontation, der sie beide nicht entkommen konnten.

Lena schob ihm die Hand von der Schulter. Ihre Stimme war kaum lauter als ein Hauch, doch jedes Wort schnitt wie ein Skalpell: „Ich hätte dich erkennen müssen. Wo denkst du hin, Felix?“

Er biss die Zähne zusammen, wütend auf sich selbst, auf sie, auf alles. „Und du? Schwimmst du nicht normalerweise auf der sicheren Seite? Warum bist du hier?“

Sie zuckte mit den Schultern, und eine düstere Melancholie legte sich über ihr Gesicht. „Weil ich wissen muss, was du wirklich verbirgst.“

Felix verzog die Lippen zu einem bitteren Lächeln. „Du glaubst, ich verbirg’ etwas?“ Er tat einen Schritt zurück, um Raum zu schaffen, als würde eine unsichtbare Angst sie umarmen. „Das Geheimnis, das wir beide tragen, Lena... es ist schwerer zu tragen, als du ahnst.“

„Dann sag es mir“, forderte sie, ihr Blick bohrte sich scharf in seinen Schädel.

Das Knistern zwischen ihnen war greifbar, ein Spannungsbogen, zerrissen zwischen Feindschaft und der verborgenen Ahnung von etwas anderem – etwas Verletzlichem. Vielleicht sogar Vertrautem.

Felix hielt ihren Blick, seine Stimme wurde ruhiger, fast brüchig. „Du hast meinen Vater nie gesehen. Nicht so, wie ich ihn kannte.“

Lena schluckte, die Glocke tiefer Erinnerungen hörte sie jetzt laut und bedrückend schlagen. „Ich will es hören, Felix.“

Sein Blick glitt zur Seite, als ob er im Schatten der Straße das Gespenst seiner Vergangenheit jagte. „Er war kein Held. Ja, er hatte Macht – aber sein Leben war geprägt von Verlusten, von Verrat. Und die Narben, die er hinterließ... sie brennen noch immer unter meiner Haut.“

Eine Pause, in der die Luft dicker wurde, fast zu schwer zum Atmen.

Lena trat einen Schritt näher, obwohl ihr Instinkt ihr sagte, Abstand zu halten. „Du und ich – wir sind mehr verwundet als unbesiegt. Vielleicht... suchen wir beide nur nach Erlösung.“

Felix’ zwielichtige Miene verwandelte sich für einen kurzen Moment. Der Schleier der Härte, der ihn umgab, wackelte. „Vielleicht“, flüsterte er, „aber ob wir sie finden, das ist eine andere Frage.“

Da, mitten in der Stille, ein Rascheln. Ein Schatten bewegte sich in der Ferne. Felix machte eine blitzschnelle Bewegung, griff in seine Tasche – und zog nicht sein Messer, sondern den USB-Stick hervor.

„Was hast du auf diesem Ding, Felix?“, fragte Lena mit plötzlich nach Aufmerksamkeit heischender Stimme.

Felix presste seine Lippen zusammen, sein Blick wurde dunkel, als er den USB-Stick eng umklammerte. „Mehr Schmerz, als ich dir sagen kann.“

Sie nahmen beide einen letzten langen Blick miteinander auf. Zwischen ihnen schwebte der unausgesprochene Schwur, dass nichts mehr so bleiben würde wie zuvor.

Doch dann, just in diesem Augenblick, erhellte ein grelles Licht die Straße – das Scheinwerferlicht eines vorbeifahrenden Autos, das ihre Gestalten in harte Schatten zerriss.

Als das Licht wieder verschwunden war, sprach Felix mit einer Stimme, die kaum mehr als ein raues Knistern war: „Du weißt nicht, wer ich wirklich bin. Und was ich bereit bin zu opfern.“

Lena antwortete nicht, nur die Handytasche in ihrer Jacke drückend, bereit für das, was noch kommen würde.

Der Wind schnitt kalt durch die Gasse. Und hinter den aufgesetzten Masken brodelte mehr, als beide zugeben wollten.

Verbirgt Felix mehr Schmerz, als er zeigt?

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Ende Kapitel 6