NoveliqaVerträgt sich Liebe wirklich auf einen Vertrag? / Eine dunkle Erinnerung :0%
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Chapter 6

Eine dunkle Erinnerung

Die Stille im Penthouse schien förmlich in Lea hineinzukriechen, als sie die schwere Tür hinter sich schloss. Ihr Herz hämmerte so laut, dass sie den pochenden Rhythmus auf ihren eigenen Minutenzeiger zu projizieren schien. Das Flimmern der Straßenlaternen warf fahrige Schatten an die Wände – eine zitternde Parallele zu dem, was in ihr tobte.

Jeder Atemzug fühlte sich wie ein Seitenhieb an, scharf, unnachgiebig. Ihre Finger umklammerten den Brief, die Kanten vom Drücken leicht eingerissen. Die Worte, die darauf standen, hatten sich in ihr Gedächtnis eingebrannt wie ein Brandmal. Die Maske von Alexander, die sie bislang in großen Broschaften und glänzenden Gala-Abenden gesehen hatte, wackelte bedrohlich auf seinen Fundamenten.

Doch in dieser Nacht war es nicht Lea, die von Unruhe geplagt wurde.

Auf dem obersten Stockwerk des gläsernen Towers zeichnete die Dunkelheit den Silhouetten eines Mannes scharfe Konturen. Alexander Stern. Die Verderbtheit seiner eigenen Gedanken wirkte schwerer als alle schwere Stoffe seines Anzugs, die er gegen die Kälte der Nacht trug.

Seine Augen waren geschlossen, doch das Zittern seines Körpers verriet, dass der Schlaf ihn längst verlassen hatte. Sein Gesicht verzog sich, als kämpfe er gegen eine unsichtbare Macht, die ihn in Kapitulation zwingen wollte.

Einkeilung einer Erinnerung.

Das Büro seiner Kindheit – kühl, von grellem Neonlicht erhellt. Ein Schrei, der zwischen den kahlen Wänden widerhallte, überschlug sich. Ein Mädchen, kaum älter als zehn, mit verschmiertem Make-up unter zerzausten Haarsträhnen, wimmerte in einer Ecke. Ein Mann mit harten, unverkennbar bekannten Zügen beugte sich vor, seine Stimme eisig, fast ohne Mitgefühl.

„Du darfst niemals Schwäche zeigen, Alexander.“

Die Worte bohrten sich in ihn wie scharfes Glas, während die Stimme seines Vaters harsch und unerbittlich war.

Jetzt, hier in der Gegenwart, reckten sich Alexander die Hände zitternd vor das Gesicht. Die Knochen knirschten so leise, dass es wie das Knistern trockener Blätter im Herbstgarten klang. Aus den Falten seiner Haut drangen die Schatten jener Qualen hervor, die er so lange in sich vergraben hatte.

Sein Atem ging schneller. Der Raum fühlte sich unerträglich klein an, als würde das Gewicht all dieser Lasten ihn zermalmen.

Plötzlich riss er die Augen auf.

Die Dunkelheit in ihnen funkelte wild, wie Feuer, das drohte alles zu verschlingen.

Dort, in dieser gnadenlosen Nacht, lag das Geheimnis begraben – das Geheimnis, das er um keinen Preis der Welt gelüftet wissen durfte.

Warum hatte er Lea überhaupt so nah an sich herangelassen? Warum hatte dieses junge, lebhafte Wesen seine Mauern einreissen können?

„Es ist vorbei“, flüsterte er mit rauer Stimme, halb zu sich selbst, halb zur Leere. Doch seine Hände ballten sich zu Fäusten, als wolle er das Vergangene zerschmettern.

Ein harter Rhythmus klopfte an die Tür.

Alexander erstarrte. Das Pochen schien unaufhörlich, wie der Herzschlag seines inneren Feindes.

Eine Stimme. Kalt und kontrolliert.

„Sir, Sie wurden gesucht.“

Die Worte fielen wie ein Urteil.

Langsam löste er seine Hände vom Gesicht, blickte in die Nacht hinaus. Die Stadt schlief nicht – sie wartete.

Sein Atem verlangsamte sich, doch das Feuer in seinen Augen erstickte nicht.

Was verbarg seine düstere Vergangenheit wirklich?