NoveliqaVertrag mit dem Schattenmillionär / Das leise Kribbeln :0%
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Chapter 3

Das leise Kribbeln

Der erste Frost des Abends schlich sich in das große Fenster hinter Adrian, als Elena noch immer regungslos auf dem mit Seide gedeckten Stuhl saß. Das Glas reflektierte kaum das elektrische Blau seiner Augen, die auf die Stadt hinabstarrten, als seien die Lichter unten nur winzige Funken in einem unergründlichen Meer.

Ein schwerer Atemzug entwich ihr, während sie die Kälte in ihren Fingerspitzen spürte – das leise Kribbeln, das nicht nur vom sinkenden Thermometer kam. Der Raum schien plötzlich so groß und leer, trotz der kostbaren Möbel und der schimmernden Kronleuchter, die im Dämmerlicht tanzten. Adrian rückte einen Schritt zu ihr, und der Schatten, den er warf, berührte fast ihre Schulter.

„Warum bleibst du so still?“ Seine Stimme war rau, als hätte er sie seit Stunden im Hals festgehalten.

Elena schluckte, tastete nach Worten, doch stattdessen ließ sie einen kurzen Blick zu ihm schweifen. Er stand dort, in dunklem Anzug, die Krawatte leicht gelockert, die Hände fast unsichtbar in den Taschen vergraben. Die Mauer aus Arroganz schien an diesem Abend Risse zu bekommen, die nur sie sehen konnte.

„Ich...“ Ihre Stimme brüchig, tastete nach Boden unter den Füßen. Es war kein Blick voller Furcht, eher Neugier und… einer winzigen Spur Hoffnung. „Vielleicht... ist es nur das erste Mal. Alles hier ist neu für mich.“

Adrian schnaubte leise, ein Ton, fast ein Lachen, das im Raum widerhallte und sofort wieder verglühte. „Das erste Mal endet selten so, wie man es sich wünscht.“

„Aber vielleicht…“ Ihre Hände umklammerten den Stoff ihres Rocks. „Vielleicht sind wir nicht nur Vertragspartner. Nicht nur Schatten und Zahlen.“

Ein scharf geschnittener Zug in Adrians Augen. Ein Flackern. Und dann ein Schritt näher. Nicht bedrohlich, sondern vorsichtig, wie jemand, der etwas Wertvolles nicht zerbrechen will.

Sein Atem war warm an ihrem Ohr, als er sagte: „Du hast mehr Mut, als ich erwartet hatte, Elena.“

Sie drehte sich halb zu ihm, ihr Herzschlag stolperte in der stillen Luft zwischen ihnen. Die Distanz, die er so konsequent gewahrt hatte, verringerte sich um Millimeter. „Was fühlst du, wenn du bei mir bist?“

Er zögerte, und das war das Erschütterndste. Der scheinbar unerschütterliche Mann, der das Imperium mit eiserner Faust führte, war keine unnahbare Statue, sondern ein Mensch, der etwas verbarg, das tiefer ging als Macht und Erbe.

Adrian senkte den Blick. „Das darf niemand wissen. Nicht einmal ich selbst glaube daran.“

Elena spürte, wie die Rinde seines Herzschlags sich zeigte. Ein ehrliches, wenn auch gefährliches Flackern. Sie wollte danach greifen, es festhalten, doch da war die Mauer wieder – nur diesmal nicht ganz so fest wie zuvor.

„Wenn das stimmt, dann bist du nicht so kalt, wie du vorgibst,“ flüsterte sie, fast unhörbar. „Vielleicht bist du nur… verletzt.“

Ein leiser Seufzer entwich ihm, dann eine Bewegung, so schnell, dass sie kaum folgen konnte: Seine Hand strich über den Rücken ihres Halses, ein kaum bemerkbares Streicheln, das sie in elektrische Spannung versetzte. Das Kribbeln wurde zum Pochen.

„Pass auf dich auf, Elena“, murmelte er. „In diesem Spiel sind wir beide Opfer und Spieler zugleich.“

Ein Klopfen an der Tür riss sie aus diesem Moment. Der Klang hallte durch die Stille und ließ sie beide erstarren.

Adrian trat zurück, seine Augen blitzten kurz auf, bevor er die Tür öffnete. Die Schatten hinter ihm verschmolzen mit dem Zwielicht des Flurs.

Elena stand, ihre Beine leicht zittrig. Sie fragte sich, ob das gerade wirklich passiert war – dieses fast zarte Band, das sich durch die Stille geschlichen hatte. Ob hinter Adrians kühler Maske mehr lauerte, als sie je zu hoffen gewagt hatte.

Und dann spürte sie es: Die Frage, die unausgesprochen zwischen ihnen hing.

Verbirgt Adrian Keller Gefühle, die er selbst nicht zu fassen wagt?