NoveliqaVertrag der Verlockung: Liebe auf den ersten Deal / Nächtliche Enthüllungen :0%
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Chapter 7

Nächtliche Enthüllungen

Der schwere Atem hing zwischen ihnen wie ein unsichtbares Gewicht, dessen Präsenz trotz der kühlen Loft-Atmosphäre drückend war. Selina starrte auf die raumhohen Fenster; der Berliner Nachthimmel lag schwarz, gesprenkelt mit den Sternen der Stadtlichter, die wie kleine Flammen in der Dunkelheit flackerten. Aber ihr Inneres war finsterer als jede Nacht.

„Du fühlst dich gefangen, nicht wahr?“ Die Stimme von Alexander klang kaum mehr als ein Schatten eines Versuchs, Nähe herzustellen. Er stand nicht weit von ihr entfernt, die Hände locker in den Taschen seiner Anzughose vergraben, sein Blick fest auf die Straße gerichtet, als suchte er dort irgendwo die Antwort.

Selina drehte sich langsam zu ihm um. Ihre Augen, rot vom unausgesetzten Kampf mit Tränen und Sorge, suchten nach warer Wärme in seinem Gesicht. „Gefangen“ war ein zu milder Begriff. Gefangen, zerbrochen, verloren. Alles gleichzeitig. Sie biss sich auf die Lippen, spürte das anfängliche Stocken ihrer Stimme: „Ich weiß nicht, wie lange ich das noch ertragen kann. Dieses Theater, diese Fassade.“

Alexander trat einen Schritt näher, und im Licht einer steinernen Stehlampe blitzte etwas Unausgesprochenes in seinen Augen auf. „Ich auch nicht. Manchmal denke ich, es wäre einfacher, alles zu riskieren – alles auf eine Karte zu setzen.“ Seine Hand senkte sich hastig, als wolle er sich vor zu viel Offenbarung schützen, doch die Worte lagen schwer in der Luft.

Selina nickte, das Herz schmerzte bei diesen eingestandenen Wahrheiten. Lange hatte sie die Maske der starken Ehefrau getragen, des ruhigen Pols in einem Sturm aus Intrigen und Forderungen. Jetzt jedoch, in diesem Moment, waren sie beide plötzlich nur noch zwei gebrochene Seelen, die im Schatten tanzten.

„Hast du Angst?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

„Mehr als du denkst.“ Seine Schultern spannten sich, dann entspannten sie sich wieder in einem langen Atem. „Vor allem davor, dass wir uns verlieren. Nicht nur jetzt, sondern auch, wenn wir uns wirklich öffnen. Wenn wir die Mauern fallen lassen.“

Der Wunsch, die Wahrheit zuzulassen, war verführerisch, doch die Vernunft zog Selina zurück. „Und wenn diese Mauern alles schützen, was wir an der Oberfläche gesucht haben? Wenn darunter nichts als Schmerz und Verrat liegt?“

Alexander lächelte schwach, dieses Lächeln, das so viel Traurigkeit und Hoffnung zugleich barg. „Dann müssen wir vielleicht den Schmerz aushalten. Vielleicht helfen uns unsere Narben mehr, als wir denken. Sie sind Beweis davon, dass wir überlebt haben.“

Ein Schweigen breitete sich aus, unruhig und doch tröstlich, als hätten sie gemeinsam einen unsichtbaren Feind bekämpft und kurz innegehalten, bevor die nächste Schlacht begann.

„Du spielst das riskante Spiel mit Markus,“ sagte Selina schließlich, den Blick nicht von ihm abwendend. „Du weißt, was auf dem Spiel steht.“

„Und du weißt, dass auch ich Angst habe, was passiert, wenn deine Vergangenheit jemand anderes entdeckt.“ Seine Augen suchten ihre, ehrlich und unverhüllt. „Aber wir können nicht länger schweigen. Nicht wenn wir wirklich wollen, dass dieses Ding hier funktioniert – diese ‚Ehe‘, dieser Vertrag, unser beider Leben.“

Selina spürte, wie ein Kribbeln ihren Nacken hinaufstieg. Offenbarung bedeutete Verwundbarkeit, aber eben auch Hoffnung. Vielleicht war dies das erste Mal, dass sie jemandem wirklich erlaubte, sie zu sehen – ungefiltert, ungeschönt.

„Was schlägst du vor?“ fragte sie leise.

Er trat so nah heran, dass sie seine Wärme spüren konnte, das Aroma seines Deos mischte sich mit dem Holzgeruch der Loft. „Wir erzählen einander alles. Ohne Geheimnisse. Ein ehrlicher Deal, der nicht auf Papier steht, sondern in unseren Herzen. Wenn wir das schaffen, wenn wir das riskieren –“

Da wurde das Klicken der Tür zu einem scharfen Schnitt durch die Nacht. Beide erstarrten. Die Welt schien kurzzeitig stillzustehen.

Ein leiser Fußtritt, ein Schatten, der sich ins Licht wand. Ihre Blicke trafen sich, voll Ungewissheit: Hatte jemand zugehört? Würde die fragile Hoffnung zerbrechen, bevor sie richtig begonnen hatte?

Selinas Herz schlug schneller. Ein unverhofftes Klopfen hallte durch den Raum. Doch bevor sie sprechen konnte, blieb die Tür einen Spalt geöffnet stehen – und eine bekannte, doch unerwartete Stimme flüsterte: „Wir müssen reden.“