NoveliqaVertrag der Verlockung: Liebe auf den ersten Deal / Dunkle Schatten der Vergangenheit :0%
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Chapter 5

Dunkle Schatten der Vergangenheit

Markus’ Blick schnitt durch den Raum wie ein scharf geschliffenes Messer, kalt und unerbittlich. Selinas Herz raste, ihr Körper erstarrte für einen Moment – die Luft schien schwer zu werden, jeder Atemzug ein Kampf.

„Guten Abend, Selina“, seine Stimme war samtig, doch dahinter lauerte etwas Dunkles. „Darf ich eintreten?“

Ohne auf eine Antwort zu warten, trat er ein, der Geruch von teurem Leder und einem Hauch Zedernholz hinterließ eine unterschwellige Beklommenheit. Die Tür schlug leise ins Schloss, und das Klicken des Schlosses hallte wie ein Urteilstrailer durch die Stille.

Selina zwang sich, die Panik zu verdrängen. „Was machen Sie hier, Markus?“

Er nahm einen langsamen Schritt vorwärts, die Lider halb gesenkt, das kalte Funkeln in seinen Augen unverändert. „Ich habe etwas gefunden. Etwas, das unser kleines Arrangement auf die Probe stellen könnte.“

Sie verdrehte die Augen, versuchte cool zu bleiben, doch der Kloß im Hals wurde dicker. „Ich weiß nicht, wovon Sie reden.“

Markus lächelte dünn. „Oh, ich glaube, ganz genau weißt du es schon. Aber lass mich raten – es stammt aus deiner Vergangenheit, nicht wahr?“

Selinas Hände krallten sich an den Stuhl neben sich; die polierte Holzoberfläche fühlte sich plötzlich kalt und glatt an, viel zu reell. Ein dumpfer, pochender Schmerz breitete sich aus, als erinnere sie sich an etwas, das sie tief vergraben hatte – ein Schatten, den sie nie wieder auftauchen lassen wollte.

„Was hast du gefunden?“, fragte sie, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

Er zog ein abgewetztes Foto aus seiner Jackentasche, seine Finger spielten mit der Ecke, als wollte er jedes Detail hervorkehren. „Ein Bild deiner Mutter. Älter, aber doch vertraut, nicht wahr?“

Selina spürte, wie eine Welle aus Scham und Angst über sie hinwegspülte. Sie schnappte nach Luft, versuchte das Herzklopfen zu übertönen, doch die Erinnerung kroch hinter ihren Augenlider hervor: Eine kalte Nacht, das Stillsein eines Hauses, das nie Ruhe kannte, eine flüchtige Gestalt.

„Was soll das heißen?“, ihre Stimme war fest, doch innen bebte sie.

Markus trat einen Schritt näher, seine Worte sanken wie Dolche: „Deine Mutter hat vor Jahren einen Fehler gemacht. Einen Fehler, der nicht nur sie, sondern auch dich für immer verändern könnte.“

Selina wollte widersprechen, doch Worte blieben ihr im Hals stecken. Ein Druck auf ihrer Brust ließ sie kurz ersticken. Was wusste er? Was war das Geheimnis, das sie seit Jahren in sich trug, das sie vor Alexander, vor jeder Welt verborgen hatte, die außerhalb ihrer eigenen kleine Künstlerexistenz lag?

„Was genau?“, sie presste die Frage zwischen die Zähne.

Markus lehnte sich an den Türrahmen, sein Gesicht halb im Schatten verborgen. „Es geht darum, warum dein Vater dich nie wirklich kennenlernen wollte. Warum die Familie abrupt verschwand, als du noch ein Kind warst. Und warum deine Mutter damals eine Entscheidung getroffen hat, von der niemand je erfahren durfte.“

Selinas Blick silberte, ein nervöses Zittern durchfuhr ihren Körper. Erinnerungen flirrten auf, Fragmente, die keinen Sinn ergaben – flüchtige Stimmen, verstohlene Blicke, das leere Zimmer eines verlassenen Hauses.

„Warum erzählst du mir das jetzt?“, flüsterte sie, jede Faser angespannt.

Markus grinste – ein harter, fast grausamer Ausdruck. „Weil ich will, dass du verstehst, was auf dem Spiel steht. Du bist nicht nur ein Spielstein in Alexanders Machtpoker. Deine Vergangenheit ist ein offenes Buch, und die Seiten werden gerade umgeblättert.“

Die Stille im Raum wurde gesprengt von einem leisen, aber bestimmten Summen. Selinas Handy vibrierte auf dem Tisch. Sie griff zögernd danach, die Augen fest auf Markus gerichtet.

Die Nachricht, die sie sah, ließ ihr Blut in den Adern gefrieren.

Vier Worte. Eine Zeile, die alles veränderte:

„Du solltest deine Mutter anrufen.“

Selina legte das Handy langsam auf den Tisch zurück, die Finger taub, das Herz ein wütender Trommelwirbel.

„Was meinst du damit?“, fragte sie, doch ihre Stimme war kaum mehr als ein Bruchstück, verloren im tosenden Sturm ihrer Gedanken.

Markus nickte langsam, sein Blick bohrte sich in sie hinein. „Deine Mutter hat etwas getan, Selina. Etwas, das nicht nur die Vergangenheit, sondern auch deine Zukunft bedroht.“

Ein Schatten legte sich über Selinas Gesicht. Die Mauern, die sie um ihr Leben gezimmert hatte, schienen zu zerbröckeln. Was, wenn das Leben, das sie kannte, nur eine Fassade war? Eine Maske, die nicht mehr zu halten war?

Sie wandte den Blick ab, starrte auf das Bild, das Markus ihr hingelegt hatte. Ein Moment der Erkenntnis durchzuckte sie wie ein Blitz.

Könnte ihre Mutter, die Frau, die ihr Heimat bedeutete, wirklich einen Fehler gemacht haben, der alles zerstören konnte?

Das Dröhnen in ihren Ohren wurde lauter. Fragen wirbelten in ihrem Kopf – Antworten, die sie nie gesucht hatte, hatten sich plötzlich vor ihr aufgetan.

Doch bevor sie einen Ton sagen konnte, hörte sie das leise Knarren des alten Parketts hinter sich.

Eine vertraute, doch unheimliche Präsenz.

Und dann, ganz nah, eine Stimme, die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ:

„Selina… wir müssen reden.“