Chapter 7
Der dumpfe Knall verhallte noch in ihren Ohren, als Lina gegen die kalte Tür lehnte. Ihr Herz polterte wild gegen den Brustkorb, die Luft schien plötzlich schwer und knapp. Ein Zittern kroch von den Fingerspitzen ausgehend ihren Arm hinauf, kalt und unbändig. Der Raum fühlte sich enger an, als hätte sich eine unsichtbare Klammer um ihre Brust gelegt. War das wirklich das Ende von allem? Hatte Mia so tief in ihr Vertrauen gestochen?
Ein trockenes Kratzen hallte im Flur. Lina wandte sich ab von der Tür, den Blick auf die edlen, aber eisigen Marmorböden gerichtet. Schritte – nicht mehr wie eben noch zögerlich, sondern zielstrebig, fest und ohne Zweifel. Es war nicht Mia. Ihr Verstand raste, fügte Zeichen zusammen: Dominik. Untrügliche Gewissheit kroch in ihr hoch, wie ein erstickendes Gift.
Er betrat den Raum, jeder seiner Schritte klang wie das Echo eines entfernten Urteils. In seinen dunkelblauen Augen lag dieses kalte Funkeln, das Lina seit dem ersten Tag ihrer Grausamkeit an den Nerven zerrte. Sein gewohnt selbstgefälliges Lächeln schwebte auf seinen Lippen, doch es war zu berechnend, zu angsteinflößend, um ehrlich zu sein.
„Du siehst aus, als hättest du eine schlechte Nachricht erwartet“, sagte er mit tiefer Stimme, die kaum eine Regung verriet. Doch Lina spürte die unterschwellige Drohung, die jede Silbe zerfräste, als wäre es Gift.
Sie zwang sich aufzublicken, die Augen suchten seine, fanden jedoch nur den eiskalten Abgrund seines Blickes.
„Womit hast du gerechnet, Lina?“, murmelte Dominik, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, seine Haltung makellos – mächtig. „Dass alles spielerisch und ohne Konsequenzen abläuft? Dass du dich in diesem Tanz aus Lügen und Versprechen sicher fühlst?“
Jede seiner Worte hinterließ eine leichte Vibration in ihr, eine Warnung, die ihre Rückenmuskulatur anspannen ließ. Lina hatte gelernt, dass Dominik selten laut werden musste, einen Funken reichte, um ganze Weltbilder zum Einsturz zu bringen.
„Jonathan ist nicht unverwundbar“, fuhr er fort, seine Stimme fast sanft, doch die Bedrohung darin war unverkennbar. „Er mag glauben, dass er dir nahe ist, dass eure Verbindung ihm Schutz bietet. Aber ich werde ihm zeigen, wie zerbrechlich diese Illusion ist.“
Lina schluckte schwer, ihre Kehle fühlte sich rau an. Hatte er es wirklich auf Jonathan abgesehen? War der unantastbare Teil ihres Lebens – ihr Anker und zugleich ihre Schwachstelle – das nächste Opfer in Dominiks perfidem Spiel?
Sie trat einen Schritt vor, ihre Stimme nur ein hauchzarter Versuch von Trotz. „Du kannst nicht ewig gegen uns kämpfen, Dominik. Früher oder später fliegt deine Maske auf.“
Dominik schnaubte leise, fast amüsiert. „Du verstehst es nicht, Lina. Es geht nicht um Kämpfen. Es geht um Kontrolle.“ Er ließ das Wort in der Luft hängen, als wolle er es mit einem eisernen Griff festhalten. „Und du… du bist viel mehr als nur ein Spielball. Deine Ehe mit Falk, dieser Vertrag – sie sind meine Hebel. Das ist mein erster Schlag.“
Ein Schatten zuckte über sein Gesicht, die Maske für einen flüchtigen Augenblick gebrochen. Faszination, eine dunkle Mischung aus Gier und Ehrgeiz, blitzte hinter seinen Augen auf.
„Ich werde deine Schwächen nutzen, jedes Geheimnis, jede Unsicherheit. Und wenn der richtige Moment kommt, zerschmettere ich alles, wofür ihr steht.“ Seine Hand schnippte einmal, scharf wie ein Messerstich.
Lina spürte, wie sich kalte Panik in ihr ausbreitete, doch sie zwang sich zu stählerner Fassade. „Was hast du vor, Dominik? Was wirst du tun?“
Er lächelte wieder, dieses Mal ohne Zurückhaltung. „Die Ehe ist nicht nur ein Vertrag auf Papier. Sie ist ein Gefängnis und eine Waffe zugleich. Und ich… werde sie so verwenden, dass sie euch bindet – und gleichzeitig zerreißt.“
Er wandte sich zum Gehen, doch ein letzter Blick traf Lina wie ein Schlag. „Pass auf, dass du nicht zu tief in diesem Netz verstrickst.“ Dann klackten seine Absätze auf dem Boden, wurden leiser, bis nur noch Stille blieb.
Lina stand da, allein in diesem luxuriösen Zimmer, das plötzlich kälter, fremder wirkte. Ihr Atem kam in kleinen Stößen. Die Gefahr spürte sie nicht nur in Worten, sondern in jedem Faser ihrer Haut. Dominiks erster Schlag war gefallen – und sie wusste: Das Spiel war noch lange nicht vorbei. Aber wie stark war ihr eigener Mut noch? Und wie viele Lügen konnte sie noch weben, ohne sich selbst zu verlieren?
Von irgendwo aus der Ferne vibrierte ihr Handy. Eine Nachricht. Sie zitterte, als sie es aus der Tasche zog, das Fenster mit Dominiks Namen blinkte. Ein letztes Rätsel vor der nächsten Falle.
Ihr Daumen schwebte über dem Bildschirm.
Dann las sie die wenigen, kalten Worte, die ihr ganzes Leben verändern sollten:
„Es ist Zeit, den Vertrag zu erfüllen.“