NoveliqaVertrag der verbotenen Sehnsucht / Eine Schwester mit doppeltem Spiel :0%
Log in

Chapter 6

Eine Schwester mit doppeltem Spiel

Die Schwere in Lina Becker’s Brust drückte ihr die Luft aus, als sie den Raum verließ. Ihre Finger zittrig vom ungesagten Gewicht, das Dominiks Blick auf ihr hinterlassen hatte – eine Mischung aus Versprechen und Drohung, glühend und kalt zugleich.

„Lina!“ Die Stimme ihrer Schwester, Mia, riss sie in die Realität zurück.

Mia stand im Flur, die Stirn in tiefe Falten gezogen, die Augen eine Spur zu scharf, ihr Lächeln leblos wie eine Maske, die sie eilig aufgesetzt hatte.

„Was ist?“ Lina zwang ihre Stimme, fest und normal zu klingen, aber ein kaltes Frösteln kroch langsam ihren Rücken hinauf.

Mia trat näher, ihre Bewegungen zögerlich, fast gehemmt. „Du solltest heute Abend nicht allein zu dem Treffen. Es gibt Dinge, die du wissen musst... Dinge, die dich schützen.“

Lina runzelte die Stirn. Schutz? Von wem? Von was?

„Mia, worüber redest du?“ Ein leiser Anflug von Misstrauen schnitt durch ihre Worte.

Doch Mia wich nicht zurück. Ihre Augen funkelten jetzt anders, weniger Schwester, mehr Fremde. „Es geht um Dominik. Und um Falks Imperium.“ Ihr Flüstern war kaum mehr als ein Hauch, während sie die Worte vor sich herzuschieben schien, als könnten sie explodieren.

Lina spürte, wie eine Kälte ihre Fingerspitzen ergriff, wie sie sich zusammenzog, bereit zur Abwehr. „Was weißt du?“

Mia drehte sich um und blickte die Wand an, als suchte sie dort Zuflucht. „Ich... Ich hatte keine Wahl. Es ist kompliziert. Für mich. Für uns alle.“

„Komm schon, Mia. Rede Klartext!“ Ihre Stimme wurde schärfer, fordernder.

Mia atmete tief ein, als müsse sie einen Berg erklimmen. Dann löste sich ihr Blick von der Wand und traf Lina direkt, voller ungesagter Angst.

„Ich arbeite nicht für ihn. Nicht für Dominik. Nicht direkt.“ Ein Zögern, ein Schlucken. „Aber es gibt jemanden, der mich darum gebeten hat. Jemanden, der sicherstellen will, dass du nicht zu viel erfährst.“

Lina taumelte innerlich, die Worte sanken wie Gift. „Was heißt das?“

„Sei vorsichtig, Lina.“ Mia trat einen Schritt zurück, die Distanz zwischen ihnen größer denn je. „Manchmal ist die Familie nicht das, was sie vorgibt zu sein.“

Ein kaltes Schweigen sickerte durch den Flur. Lina spürte, wie sich ein Netz aus Zweifeln und Schmerz um ihr Herz zog. Die Schwester, die sie damals anvertraut hatte, schien plötzlich eine entfernte, gefährliche Fremde.

„Warum sagst du mir das jetzt?“ Ihre Stimme verlor die Kontrolle, das Zittern wurde hörbar.

Mia wandte sich ab, ihre Schultern angespannt. „Weil ich dich noch beschützen will. Aber ich weiß nicht, wie lange ich es kann...“

Lina stand regungslos da, das Bild ihrer Schwester zerfiel in Scherben aus Misstrauen und Fragen, die sie nicht zu stellen wagte. Ein Schatten fiel über den Raum, dichter und drückender als alle Nacht zuvor.

Konnte sie wirklich noch darauf vertrauen, dass Mia auf ihrer Seite stand? Oder arbeitete sie heimlich gegen sie?

Die Tür hinter ihr schloss sich mit einem dumpfen Knall, der die größte Unsicherheit ihres Lebens besiegelte.