NoveliqaVertrag der verbotenen Herzen / Misstrauen und erste Zweifel :0%
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Chapter 5

Misstrauen und erste Zweifel

Lena stand einen Moment reglos, als das Echo seiner Worte in ihrem Kopf widerhallte. Das prasselnde Feuer im Kamin flackerte und warf unruhige Schatten an die dunklen Holzwände, die wie stumme Zeugen ihres Gesprächs wirkten. Ihr Herz schlug wild, doch irgendwo war da auch eine eisige Kälte, die sich wie ein dünner Nebel um ihre Gedanken legte.

Sie sah Alexander fragend an. Seine Augen, sonst so durchdringend, wichen nun aus, bevor er den Blick senkte und schwer atmete. Das scharfe Klirren seiner Tasse, als er sie auf den Beistelltisch stellte, durchbrach die Stille und ließ die Spannung knistern.

"Lena", begann er leise, doch seine Stimme bebte. "Es gibt Dinge in meiner Vergangenheit, die ich dir nicht erzählt habe... nicht, weil ich dir nicht vertraue, sondern weil ich dich schützen will."

Sie biss sich auf die Unterlippe. Schutz? Oder Schutz vor der Wahrheit? Der Zweifel setzte sich in ihr fest und wühlte in ihr wie ein dunkler Wolf. Sie hatte gedacht, ihre Gefühle für Alexander würden Klarheit bringen, doch jetzt schien alles nur noch undurchdringlicher zu werden.

„Schützen?“ Die Frage kam fast wie ein Flüstern aus der Tiefe ihres Inneren. „Oder weil du Angst hast, dass ich dann anfange, zu hinterfragen?“

Er sah sie an, seine Miene hart, doch in seinen Augen lag ein Funken Unsicherheit. „Du verstehst das nicht... Es geht um meine Familie, um Dinge, die weit gefährlicher sind als alles, was wir hier besprechen können.“

Lena schnaubte, die Bitterkeit schmeckte ihr auf der Zunge. Seit Wochen lebte sie in einem Geflecht aus Geheimnissen, Verraten und Machtspielen. Und plötzlich stand sie hier, und die Person, der sie am meisten trauen wollte, hielt genauso viele Schatten vor ihr verborgen.

Sie spürte, wie der Raum um sie herum erstickend wurde. Die Luft war schwer, als ob die Wände selbst ihr Misstrauen aufsogen. Ihr Blick wanderte zum Fenster, wo die Nacht über Berlin brach und die Lichter der Stadt wie ferne Sterne durch die Dunkelheit schimmern.

„Warum, Alexander? Warum verheimlichst du mir wichtige Teile aus deinem Leben?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Zittern. „Sag mir die Wahrheit. Jetzt.“

Es war, als ob eine unsichtbare Grenze überschritten wurde. Seine Schultern spannten sich, und für einen Moment blitzte etwas in ihm auf – ein Schatten aus Schmerz und Entschlossenheit.

„Weil ich dich liebe, Lena“, flüsterte er. „Und ich hätte nie gewollt, dass du in das Chaos hineingezogen wirst, das ich hinter mir lasse.“

Ein kurzer, bitter-süßer Moment stiller Nähe umgab sie, doch die Kälte kehrte zurück. Lena wollte glauben, dass Liebe stärker sein könnte als all die dunklen Geheimnisse. Doch der Zweifel nagte wie ein hungriges Tier an ihrem Verstand.

„Liebe“, wiederholte sie bitter, „Wäre es Liebe, wenn man gegenseitig ehrlich zueinander wäre?“

Er wandte sich ab, der Blick auf das flackernde Feuer gerichtet. „Vielleicht hast du Recht. Vielleicht habe ich Fehler gemacht.“

Im selben Augenblick klopfte es an der Tür – ein dumpfer Schlag, scharf und unerbittlich.

Beide erstarrten.

Lena drehte sich langsam um, das Herz schlug so schnell, dass es fast schien, als wäre es bereit, ihre Brust zu zerreißen.

Die Tür öffnete sich einen Spalt, und eine kalte Stimme drang herein: „Alexander – wir müssen reden. Sofort.“

Ein Schatten fiel über sein Gesicht, der zuvor so verletzliche Schleier war wie weggeblasen.

Sein Blick traf den ihren, scharf wie eine Klinge.

„Es scheint, als könnten wir beide die Wahrheit nicht länger entkommen.“