Chapter 2
Der Raum schien sich in dem Augenblick zu verdichten, als Viktor Krüger sie ansah – nicht wie einen Konkurrenten, nicht wie eine Bedrohung, sondern wie eine Schachfigur, die er gerade ins Zentrum seines Spiels zog.
Lenas Herz hämmerte gegen ihre Rippen, als sie die Kälte in seiner Stimme hörte. „Lena, setzen Sie sich. Es gibt Dinge, die müssen wir klären, und am besten sofort.“
Sie wollte sich weigern, wollte davongehen, ehe sie sich in dieses Netz aus bröckelndem Selbstvertrauen und gefährlicher Anziehung verstrickte. Doch die Schwere seiner Präsenz, die fast greifbare Dunkelheit in seinen Augen, hielt sie fest auf ihrem Platz.
„Ich habe gesehen, was passiert ist“, fuhr er fort, ohne die Distanz zwischen ihnen zu verändern. Seine Worte fielen wie ein Schatten auf ihren Stolz. „Dieses Missgeschick… es ist nicht nur ein Fehler. Es ist eine Bedrohung. Für Sie, für mich und für alles, was wir beide riskieren könnten.“
Lena biss sich auf die Lippe, ihr Blick schwankte zwischen Trotz und Verzweiflung. „Und was genau schlagen Sie vor?“, fragte sie, obwohl bereits eine Ahnung ihr Herz zum Stolpern brachte.
Er zog ein dünnes Umschlagpapier hervor, schwer und schwarz, fast wie eine Drohung. Der Staub der Eleganz, der die Luft um ihn umgab, wurde begleitet von einem Geruch, der an kaltes Leder und teuren Whiskey erinnerte.
„Ein Vertrag“, sagte Viktor schlicht. „Zwischen uns. Eine Ehe.“
Die Worte schlugen ein wie ein Blitz, der das unerwartete Donnern in ihrem Innersten entfachte. Ehe? Mit ihm? Der Gedanke wirkte wie ein dunkler Spiegel, der ihr eigenes Spiegelbild verzehrte.
„Eine Ehe?“, flüsterte sie, kaum fassend. „Warum... um jeden Preis?“
Sein Blick verfinsterte sich noch mehr. „Weil es nur so geht, Lena. Weil ich dieses Imperium nicht mit aufgeblasenen Träumen oder beschädigtem Ruf verloren sehen will. Und glauben Sie mir, Ihr Ruf ist mehr als nur ein gebrochenes Bild in einer Ausstellung.“
Ein schwerer Schwebezustand zwischen Verachtung und Faszination lag in ihren Augen. „Sie wollen mich kaufen. Mein Schweigen. Meine Disziplin. Mein Leben.“
„Ich will einen Deal“, erwiderte er, und in seinem Ton lag keine Verhandlung mehr, sondern ein Befehl. „Keine anderen Bedingungen. Keine Diskussionen. Sie heiraten mich – für eine Zeit, die wir festlegen – und ich schütze Sie. Ihre Karriere. Ihre Familie. Alles, was verloren zu gehen droht.“
Lena spürte, wie die Luft in der luxuriösen Suite um sie herum dicker wurde, das Licht blasser. Die scharfen Konturen seiner Macht waren kaum noch zu ignorieren.
„Sie verlangen eine Ehe unter diesen Bedingungen“, ihre Stimme wurde kaum lauter als ein Hauch, aber jeder Ton war scharf wie ein Messer. „Warum? Was verbirgt sich hinter diesem Angebot?“
Sein Lächeln war der Schatten eines Geheimnisses, das schwer auf seiner Seele lastete. „Weil jeder König einen Joker braucht, Lena. Und ich glaube, Sie könnten meiner sein.“
Sie wollte aufspringen, wütend fliehen, ihn anschreien – aber stattdessen blieb sie sitzen, sehr bewusst der Tatsache, dass dies keine gewöhnliche Einladung war. Sondern eine Falle. Ein tödliches Spiel, in dem sie mehr verlieren könnte, als nur ihre Unschuld.
Ein Klopfen an der Tür riss sie aus diesem Moment – ein Zeichen, dass die Zeit ablief, Entscheidungen unausweichlich vor ihr standen. Lena sah Viktor an, seine Augen funkelten ein Versprechen von Gefahr und Verlockung zugleich.
Was auch immer hinter diesem Angebot steckte – es war nicht bloß ein Geschäft. Es war der Anfang eines Paktes, der tiefer ging als alle Worte, die sie bisher gehört hatte.
Warum verlangte Viktor diese Ehe unter solchen Bedingungen?
Der Schatten eines kommenden Sturms lag in der Luft. Und Lena wusste: Es gab kein Zurück mehr.