NoveliqaVertrag der Schattenliebe / Dunkle Schatten der Familie von Berg :0%
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Chapter 5

Dunkle Schatten der Familie von Berg

Die Dunkelheit schien sich zu verdichten, als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel.

Lena stand einen Herzschlag reglos da, die kalte Luft des Flurs drückte schwer auf ihre Lungen. Ihr Herz hämmerte wie wild gegen die Rippen, während ihr Blick an der massiven Holzvertäfelung hängenblieb, die das Büro von Erik von Berg versperrte. Ein dumpfes Echo des Gesprächs mit Markus hallte in ihrem Kopf wider – dieser „Vertrag“, die unheilvolle Drohung in seiner Stimme. Sie spürte, wie sich das Gewicht der Wahrheit langsam auf ihre Schultern legte, zäher und schwerer als der feinste Samtstoff des Büros.

Ein leises Klirren riss sie aus dem Bann. Schritte näherten sich, fest und bedacht. Lena wandte sich rasch um.

Im Foyer des mächtigen Stadthauses schälten sich Silhouetten aus dem Schatten.

„Sie sind also hier“, sagte eine Stimme, die gleichzeitig kalt und süffisant klang.

Lena erkannte die Stimme sofort. Es war Charlotte von Berg – Eriks ältere Schwester. Ihre schlanke Gestalt bewegte sich mit einer Eleganz, die mehr als nur den Glanz der feinen Seide ihres Kleides verriet. Jeder ihrer Schritte schien eine stille Drohung zu sein.

Charlotte musterte Lena mit einem Blick, in dem sich eine Mischung aus Neugier und unterschwelliger Verachtung spiegelte. „Ich muss gestehen, ich hatte nicht erwartet, dass du so willig in unser Spiel einsteigst. Aber wir wissen ja, wie Verzweiflung Menschen lenken kann.“

Lena schnaubte leise, doch sie hielt ihre Stimme fest und klar. „Ich spiele nicht für euch. Ich kämpfe für meine Familie.“

Charlotte lächelte, aber das Lächeln erreichte ihre Augen nicht. „Das ist ein gefährliches Spiel, Lena. Vor allem, wenn man gegen jemanden antritt, der das Haus von Berg schon seit Generationen verteidigt.“

In diesem Moment trat Erik von Berg selbst aus den Schatten, seine Präsenz war überwältigend: groß, ein Hauch von unerschütterlicher Macht in jedem Schritt. Sein Blick war scharf wie eine Klinge, und die Andeutung eines Lächelns lag in seinen Zügen, das mehr versprach, als es preisgab.

„Charlotte übertreibt mal wieder“, sagte Erik mit ruhiger, aber bestimmter Stimme. „Wir brauchen Lena. Mehr als sie glaubt.“ Seine Augen flackerten einen Moment zu Lena hinüber, dunkel und schwer zu durchschauen.

Doch die Anspannung schlug Wellen durch den Raum, als plötzlich ein dritter Schatten die Szene durchbrach. Ein junger Mann, kaum älter als Lena selbst, trat ein – Jonas von Berg, der Cousin. Seine Haltung verriet angespannten Ehrgeiz, sein Blick blitzte herausfordernd.

„Brauchen wir? Oder benutzen wir nur?“, seine Stimme schnitt durch die dichte Luft wie ein Messer. „Lena ist ein Ball in diesem Spiel – und ich habe kein Interesse daran, dass sie es gewinnt. Nicht auf unsere Kosten.“

Charlotte trat einen Schritt vor, ein heller Funke von Zustimmung floss durch ihre Augen.

„Sie verstehen nicht, worauf es ankommt“, schnarrte sie. „Dieser Vertrag wird unser Imperium stärken. Aber wenn Lena ihn bricht, fällt alles auseinander. Wir dürfen diese Schwäche nicht zulassen.“

Das Flackern eines schwachen Lichts spiegelte sich in den Fenstern wider, die Straße unter ihnen war schlummernd und unschuldig; doch hier drinnen brodelte eine Welt aus Intrigen und Verrat.

Lena spürte, wie sich ein Kloß in ihrem Hals bildete, während ihr Verstand fieberhaft arbeitete. Jede Geste, jedes Wort zündete eine weitere Ladung Misstrauen in ihr. Wer in dieser Familie war ihr Verbündeter – und wer ihr Feind?

„Ich werde nicht zulassen, dass ihr mich benutzt“, sagte sie, die Stimme jetzt heller und fester. „Und ich werde nicht zulassen, dass ihr meine Familie zerstört.“

Jonas lachte leise und sprach mit einem Hauch von Grausamkeit: „Dann bist du ein Problem. Und Probleme lösen wir... anders.“

Charlotte nickte langsam und blickte Erik mit einer Mischung aus Warnung und Herausforderung an.

„Vielleicht sollten wir den Vertrag noch einmal überdenken. Oder garantieren, dass Lena ihn gar nicht erst anwenden kann.“

Erik’s Augen verengten sich, sein Blick ruhte lange auf Jonas, dann auf Charlotte, bevor er sich wieder Lena zuwandte.

„Vertraue mir, Lena. Ich werde dich beschützen.“ Seine Worte hingen schwer im Raum – doch wer sollte in diesem Dschungel aus Täuschung und Verrat noch jemandem trauen?

Plötzlich durchbrach das Klingeln eines Smartphones die angespannte Stille.

Lena blickte auf ihr Display. Keine Nachricht. Keine Nummer. Nur ein dunkles Symbol – ein Schatten, der sich über den Bildschirm legte und einen kalten Schauer auf ihre Haut zauberte.

Charlotte sah es ebenfalls, ihre Augen verengten sich bedrohlich.

„Das ist kein zufälliger Anruf“, flüsterte sie. „Jemand spielt auf Zeit – und bedroht den Vertrag.“

Gegen die Wand neben ihr hallte plötzlich ein lauter Knall. Ein altes Gemälde kippte von der Halterung und zerbarst zu Boden, während alle Köpfe sich rasch in seine Richtung drehten.

Jonas trat vor, ein bösartiges Grinsen auf den Lippen.

„Ich weiß, was ich tun muss. Der Vertrag wird nicht zustande kommen – nicht, wenn ich es verhindere.“

Lena fühlte, wie das Herz in ihrer Brust stolperte, der kalte Schweiß an ihrer Stirn perlte.

Der Schatten dieser Familie war dunkler und undurchdringlicher, als sie dachte.

Und mitten in diesem Orkan aus Verrat stand sie – gefangen zwischen Blut und Stahl.

Der Kampf um ihren Vertrag war erst begonnen.

Ein letzter Blick zu Erik, dann öffnete sich die Tür hinter ihr mit einem knarrenden Geräusch, das ihr fast das Trommelfell zerreißte.

„Lena,“ flüsterte eine unbekannte Stimme aus dem Dunkel.

Es war kein Willkommen.

Nur eine Warnung.

Das Spiel hatte begonnen.