Chapter 7
Die erstarrte Lena spürte, wie ihr Herz gegen ihre Rippen hämmerte, so laut, dass es den Raum zu füllen schien. Die Tür gab den Blick frei auf Alexander. Sein Gesicht war eine Maske aus Kontrolliertheit, doch seine Augen blitzten im schummrigen Licht mit einer Mischung aus Überraschung und etwas, das Lena nicht sofort greifen konnte. Nähe. Unsicherheit.
„Lena“, sagte er leise. Keine Forderung, kein Vorwurf. Nur ihr Name, als wäre er ein Geheimcode, den nur sie verstehen konnten.
Sie konnte nicht antworten. Ihre Kehle fühlte sich trocken an, der Schleier aus Erröten und Aufruhr schnürte ihr die Stimme ab. Ihre Augen suchten Zuflucht in den Schatten, doch Alexander trat einen Schritt vor. Die Distanz, die Monate des Vertrags und der Vorsicht zwischen ihnen aufgeschichtet hatten, schmolz wie Eis in der Sommersonne.
Eine kühle Brise durchfuhr den Raum, als das Fenster sich einen Spalt öffnete. Der Geruch von nassem Asphalt und den fernen Lichtern der Stadt drang herein – vermischte sich mit dem leisen Klang ihres unregelmäßigen Atems.
„Du hättest nicht hier sein sollen“, sagte er, der Unterton dunkel und doch auffordernd. Sein Handgelenk schimmerte durch die aufgeknöpfte Manschette seines weißen Hemdes, und eine Ader pulsierte sichtbar.
Lena machte einen unbewussten Schritt zurück. „Ich hatte keine Wahl.“ Ihre Stimme war beinahe ein Flüstern, das sich zwischen den Spannungen der Luft verlor. „Marc hat Druck gemacht. Noch mehr, als du glaubst.“
Alexander beugte sich leicht vor, schweißperlentränkte Strähnen fielen ihm in die Stirn, seine Augen verengten sich. „Was genau hat er angedroht?“
Sie biss sich auf die Lippe, rang mit sich, ob sie eine Lüge spinnen oder – gegen sämtliche Vernunft – einen Teil der Wahrheit preisgeben sollte. Doch bevor sie antworten konnte, zog er sie plötzlich in eine Umarmung.
Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Sein Atem wärmte ihren Nacken, ein unbändiges Verlangen mischte sich mit Furcht. Die Realität ihres Vertrags, der wie ein eisernes Band zwischen ihnen lag, erschien plötzlich so zerbrechlich.
„Du musst nicht alles allein tragen“, flüsterte seine Stimme gegen ihre Haut. Ein Versprechen, das dennoch Schatten warf. Denn Vertrauen würde sie beiden teuer zu stehen kommen.
Lenas Hände zitterten. War das Nähe? Oder eine Falle? Alexander war so nah, dass sie seinen Herzschlag hören konnte – ein rhythmisches Pochen, das Gefahren und Hoffnungen in sich barg.
„Warum jetzt?“, brachte sie endlich heraus. Ihre Stimme vibrierte zwischen Sehnsucht und Warnung.
Er löste die Umarmung nicht, ließ aber genug Platz zwischen ihnen, um ihr in die Augen zu sehen. „Weil ich deine Schwäche nicht mehr sehen will. Ich will, dass du weißt, dass ich kein Monster bin – auch wenn der Vertrag mich dazu zwingt, einer zu sein.“
Das lähmende Schweigen folgte. Die Spannung zwischen ihnen schluckte jeden Ton, jede Bewegung verstärkte die elektrische Aufladung des Raumes.
Dann hörten sie Stimmen von draußen. Eine Tür schlug. Schritte näherten sich.
Alexander trat zurück und raffte sein Hemd glatt. Seine Miene verhärtete sich wieder zu der Maske des Geschäftsmanns.
„Wir müssen das beenden. Für heute.“ Seine Hand streifte ihre nur kurz – ein letzter Kontakt, brennend und doch gehemmt.
Lena nickte, ohne ihn anzusehen. Ihr Geist raste, versuchte die Wahrheit zwischen den Zeilen zu lesen. Ihre Augen blieben auf der Tür, als sie sich öffnete und Marc Lauterbach eintrat.
Ein kaltes Lächeln spielte um seine Lippen, während er Lena musterte, als hätte er ihr wahres Gesicht gerade erst entdeckt.
„Ah, da seid ihr ja. Schön, dass wir alle wieder vereint sind, nicht wahr?“
Der verhängnisvolle Tanz aus Nähe und Abstand begann von Neuem. Doch etwas war gebrochen – auf eine Art, die keiner von ihnen zuzugeben wagte.
Kann aus einer kalten Kalkulation jemals echte Liebe wachsen? Oder sind sie nur Figuren in einem Spiel, dessen Regeln niemand ändern kann?