NoveliqaVertrag der Herzen: Zwischen Pflicht und Leidenschaft / Verräterische Nähe :0%
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Chapter 7

Verräterische Nähe

Das Flackern der Kronleuchter warf lange, zitternde Schatten über den glänzenden Marmorboden. Ein kalter Hauch aus der offenen Terrassentür ließ Emilias Seidenkleid kurz aufraffen, während ihre Fingerspitzen unbewusst das feine Ledermäppchen an ihrem Schoß umklammerten.

Der Raum flim-mert vor Spannung, als die Tür sich öffnete. Doch nicht das erwartete Gesicht, sondern Leonhardt betrat den Salon mit einem knappen Ausdruck auf den Zügen, der jede Wärme aus seinen blauen Augen verbannt hatte.

„Wir müssen reden,“ sagte er, seine Stimme war ruhig, aber eisig. „Allein.“

Emilia spürte, wie ein Orkan ihre sorgfältig gezimmerte Fassade durchbrach. Der andere Gast – Armand von Richter – stand wieder auf, sein spöttisches Lächeln schwand, als er die Atmosphäre wahrnahm, die sich beim Betreten des Raumes verändert hatte.

„Wollen Sie wirklich dieses Spiel hier weitertreiben?“ Leonhardt schritt auf sie zu, seine Schritte hallten dumpf auf dem Parkett. Jeder Muskel in seinem Körper spannte sich sichtbar an, seine Augen suchten ohne Frieden nach einer Antwort.

„Leonhardt, das hier ist kein Spiel,“ erwiderte Emilia, den Blick unverwandt auf ihn gerichtet. Ihr Herz raste, war es das Ende dessen, was sie zusammen erreicht hatten? „Es geht um die Zukunft unserer Familien, um das Erbe, das wir sichern müssen.“

Ein bitteres Lachen entrang sich seiner Kehle. „Zukunft? Du glaubst wirklich, dass du mit diesen Versuchen, uns zu einen, irgendetwas schützen kannst? Du verstehst nichts davon, wie tief die Risse inzwischen sind.“ Seine Stimme tropfte vor Bitterkeit, wie ein Dolch, der sich langsam durch ihr Vertrauen bohrte.

Die Hitze stieg ihr ins Gesicht. „Ich tue, was ich kann, um das Vermächtnis zu bewahren. Anders als du.“

Leonhardt nahm einen Schritt zurück, die Stirn in Falten gelegt. „Vielleicht tue ich das, weil ich es muss. Aber du hast dich verändert, Emilia. Diese Nähe, die wir haben sollten, wird von Verrat vergiftet.“

Emilias Hände ballten sich zu Fäusten. Ein scharfer Schmerz schnürte ihr die Kehle zu, als ihr bewusst wurde, dass diese Kluft nicht nur Worte, sondern Abgründe trennte.

„Wenn wir uns nicht aufeinander verlassen können, auf wen dann?“ Ihre Stimme zitterte, begleitet von der Angst, die sich wie ein dunkler Schatten über ihr Herz legte.

Die Räume schienen zu atmen, die Luft dick vor unausgesprochenen Konflikten und zerbrechlichen Hoffnungen. Leonhardt wich einige Schritte zurück, doch seine Augen blieben fest auf ihr ruhen.

„Ich weiß nicht, ob wir das noch aufhalten können,“ murmelte er.

Sekunden dehnten sich zu einer Ewigkeit, als plötzlich das leise Knistern einer Nachricht auf Emilias Handy erklang. Sie griff hektisch danach und las: „Es wird bald zu spät sein. Vertrauen Sie niemandem – nicht einmal ihm.“

Ein Schauder rann ihren Rücken hinab. Sie hob den Blick – Leonhardts fragender Blick traf ihren, doch in den Flammen darin war mehr als nur Zweifel. Es war Verrat.

Das Gewicht der Worte hing schwer im Raum, zerschnitt die fragile Brücke zwischen ihnen.

Ein Geräusch an der Tür ließ sie abrupt hochschrecken – jemand trat ein. Armand von Richter, mit einem triumphierenden Grinsen, das wie ein Dolchschnitt in die gespannte Stille schnitt.

„Nun, wie läuft’s denn so mit eurem kleinen Vertrauensspiel?“ spottete er. „Ich dachte, wir sprechen heute über das Geschäft... oder war das nur Fassade?“

Leonhardt ballte erneut die Hände zu Fäusten, doch diesmal war es Wut, die in ihm aufstieg, nicht Resignation.

„Das ist dein Spiel, Armand. Du willst uns gegeneinander ausspielen, aber ich werde nicht zulassen, dass du die Familie zerstörst.“

Emilias Atem ging stoßweise, die Hitze in ihrem Körper wurde zu Frost, als das Ausmaß der Zerrüttung zwischen ihnen klar wurde.

Würde diese offene Wunde ihre fragile Allianz für immer zerreißen?

Der Raum schien in diesem Moment stillzustehen, nur das Knarren des Parketts unter den Füßen des Eindringlings lag in der Luft.

Und dann – ein fast lautloser, aber vernichtender Satz.

„Vielleicht ist es schon zu spät.“