NoveliqaVertrag der Herzen: Zwischen Pflicht und Leidenschaft / Familiengeheimnisse :0%
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Chapter 5

Familiengeheimnisse

Das Flackern der Kerzen auf dem antiken Holztisch warf zitternde Schatten an die Tapete, die vom Prunk vergangener Tage erzählte. Emilia stand reglos, die Fingernägel drückten sich weiß in die Handflächen, während ihr Herz gegen den Brustkorb hämmert.

Sie hatte sich soeben durch den letzten, staubbedeckten Aktenschrank in der Bibliothek ihrer Familie gegraben — getrieben von einer Ahnung, die nicht mehr nur bloße Vermutung war. An einem vergilbten Dokument, sorgfältig unter dickem Pergament versiegelt, klebte ein schmaler, fast unsichtbarer Faden wie ein unsichtbarer Wächter. Das Testament. Ihr Testament.

„Warum habe ich das nie gesehen?“ Ihre Stimme brach leise, fast ehrfürchtig, als sie die Linien las, jede Silbe wie ein Gewicht, das sich in ihre Seele bohrte. Ein altes Testament, tief verborgen von den argwöhnischen Blicken ihrer Tante und den listigen Zwinkern von Armand von Richter.

Die Klausel, die alles veränderte.

Emilia spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog, als da stand: „Die Erbin verpflichtet sich, innerhalb von zwölf Monaten nach Übernahme des Erbes eine Heirat oder Verlobung mit einem Mitglied der Familie von Richter einzugehen. Andernfalls tritt die Vererbung an Dritte...“

Ein Schauder lief ihr über den Rücken, nicht nur wegen der Forderung, sondern wegen des unsichtbaren Netzes an Drohungen, das sich über ihre Zukunft spannte. Sie konnte seine Stimme förmlich in der Luft hören — kalt, berechnend, ein scharfer Dolch in jedem Wort. Armand, mit seinen glitzernden Augen, versunken in Machtspielen.

„Diese Klausel…“ flüsterte sie, als wollte sie das Wort kaum aussprechen, „ist eine Kette.“

Das Pochen in ihren Ohren wurde lauter, während sich der Raum um sie zu drehen begann. Ihr Blick blieb an den kleinen Handschriften hängen, die den Rechtsanwalt ihres verstorbenen Großvaters bestätigten. Alles war rechtlich bindend, sogar ihre Freiheit war ein Deal — ein Vertrag, der Herz und Pflicht miteinander fesselte.

Ein leises Knarren ließ Emilia aufspringen.

„Wer ist da?“

Keine Antwort.

Nur der kalte Wind, der durch das offene Fenster die Vorhänge tanzend um ihre Beine schlug.

Fluchend ging sie zum Fenster. Draußen vibrierte das nächtliche München, ein Meer aus Lichtern und Schatten. Doch ihr Zuhause, ihr Erbe, fühlte sich plötzlich wie ein goldener Käfig an.

Ihre Hände zitterten, als sie das Testament fest umschloss. Es war nicht nur ein Blatt Papier. Es war eine Einladung ins Verderben oder zur Freiheit – und sie würde sich entscheiden müssen.

Überrascht zuckte sie zusammen, als ihr Handy vibrierte.

„Unbekannt“ flackerte auf dem Display — ein Name, den sie nicht kannte.

Sie nahm den Anruf zögernd an.

„Emilia“, flüsterte die Stimme, rau wie ein Verhängnis. „Du spielst mit dem Feuer, ohne die Flammen zu kennen.“

Ein dunkles Lachen, dann das Klicken; die Leitung war tot.

Sie starrte auf den Hörer, ihr Herz ein wilder Tanz aus Angst und Entschlossenheit.

Was wusste dieser Fremde — oder war es jemand, den sie kannte?

Plötzlich fühlte sich das Erbe nicht mehr nur schwer an, es wurde zur Gefahr.

Emilia konnte nicht ahnen, welche Konsequenzen die geheime Klausel für sie haben würde.

Doch eines war sicher: Es war keine Entscheidung, die sie allein treffen konnte.

Aber würde sie die Wahl überhaupt bekommen?

Ein harter Schlag gegen die Tür ließ sie zusammenzucken.

„Emilia, öffne! Sofort!“ Eine schneidende Stimme zerschnitt die Stille — und noch bevor sie reagieren konnte, war der Griff zu hören, das Schloss, das sich mit einem Klick öffnete.

Der Schatten, der durchs Zimmer trat, trug die kalte Macht eines Mannes, der bereit war, mit allem zu brechen.

Emilia stand im Zwielicht, bereit, sich dem Abgrund zu stellen. Doch konnte sie ihm wirklich vertrauen?

Die Tür fiel ins Schloss.

Die Nacht hatte gerade erst begonnen.