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Chapter 3

Hinter verschlossenen Türen

Kapitel 3: Hinter verschlossenen Türen

Die Motoren des schwarzen Limousinenwagens schnurrten wie eine Raubkatze, die sich anschickt, ihre Beute zu erlegen. Emilia spürte, wie ihr Herz gegen ihre Rippen schlug — nicht vor Angst, sondern vor einer Mischung aus Nervosität und seltsamer Vorahnung. Die Glasfassaden der Stadt zogen an ihr vorbei, spiegelten das flackernde Neonlicht und die endlosen Sternbilder der Wolkenkratzer wider, während das Fahrzeug die Einfahrt zum Anwesen hinauffuhr.

Das Luxusanwesen von Jonathan war kein normales Haus. Es war eine Festung aus Glas und Stahl, ein Schrein für Macht und Luxus, der hoch oben auf einem Hügel thronte, mit Blick über die gesamte Skyline der Stadt. Über den perfekt gepflegten Rasen wehte eine kühle Brise, die selbst um diese Uhrzeit nicht ihre Frische verlor. Die Luft roch nach Rosen, gemischt mit einem Hauch von teurem Holz und spanischem Zedernrauch aus den entfernten Kaminen.

Jonathan stand bereits vor der schweren Eichenholztür, als die Limousine zum Stehen kam. Sein Gesicht war dunkel wie die Nacht, seine Augen aber durchbohrend, als könnte er ihre Seele mit bloßem Blick sezieren.

„Willkommen zu Hause, Emilia“, sagte er, seine Stimme tief und kontrolliert, doch es lag etwas Verborgenes darin, das sie nicht greifen konnte.

Sie stieg aus, ihr Kleid raschelte leise. Ein Herzschlag lang spürte sie eine Unsicherheit, die sie sonst so selten zuließ. Dieses Haus war nicht nur ihr neues Zuhause. Es war ein Spielbrett, und sie selbst eine Schachfigur. Doch wer war hier der Meisterspieler?

Im Inneren empfing sie die perfekte Symmetrie des Raumes: Marmorböden, deren kühle Oberfläche ihre nackten Füße berührte, lichtdurchflutete Hallen, die in kühles Weiß und Silber getaucht waren. An den Wänden hingen Portraits, die nicht nur Vorfahren, sondern Ikonen zu sein schienen – Männer und Frauen, deren Blick auf sie gerichtet wirkte, als sie einen Schritt nach vorne machte.

„Ich werde Ihnen zeigen, wo Sie wohnen werden.“ Jonathan betrat mit langen Schritten das Wohnzimmer, zeigte auf eine breite Wendeltreppe, die in die oberen Stockwerke führte. „Ihr Zimmer ist dort oben, mit Blick über die ganze Stadt.“

Emilia nickte und ließ sich von der Aussicht betören. Das Licht der Nacht lag wie ein samtiger Mantel über allem, und in der Ferne blinkten die Lichter der Stadt. Doch durch das Fenster schlich sich ein Schatten.

„Ich danke Ihnen“, sagte sie leise, aber der Schatten ihrer Gedanken blieb.

„Sie müssen sich daran gewöhnen, dass Sie hier nicht nur Gast sind. Sie sind Teil dieses Hauses.“ Jonathan’s Blick verhärtete sich leicht, als wollte er ihr damit eine unsichtbare Kette anlegen. „Und Teil von mir.“

Sie antwortete nicht sofort und schluckte den Drang hinunter, sich zu wehren. Stattdessen ließ sie ihre Finger über die kühle Fensterbank gleiten, die Kälte zog eine kleine Gänsehaut auf ihre Haut. Das war keine Einladung zu einem heimeligen Leben. Es war eine Herausforderung.

Später, als Jonathan gegangen war, zog sich Emilia in ihr Zimmer zurück. Die Dämmerung war zur Dunkelheit geworden. Während sie die Samtvorhänge zugezogen hatte, tastete sie nach ihrem Handy, das in der Tasche vibrierte. Eine Nachricht von ihrer Schwester. „Alles gut bei dir?“

Sie antwortete nicht. Stattdessen trat sie ans Fenster. Unten auf dem Gelände leuchteten vereinzelte Lampen. Ein leichter Wind ließ die Äste der hohen Bäume gegen die Scheiben schlagen. Irgendwo im Haus knackte es leise, das Geräusch war so subtil, dass man es für eingebildet halten konnte.

Doch Emilia spürte es.

Dass sie nicht allein war.

Ihr Blick wanderte in die Dunkelheit, weit hinaus in die Schatten des Anwesens. Ein winziger, kaum sichtbarer Lichtpunkt schimmerte zwischen den Büschen vor dem Haus. Ein roter Reflex im Dunkel, als ob eine Kamera oder ein Paar Augen sie beobachteten.

Ein langsames, eisiges Frösteln kroch ihr den Rücken hinauf.

Im nächsten Moment ertönte ein gedämpftes Knacken aus dem Flur.

Sie schüttelte den Kopf, versuchte den Gedanken an einen Eindringling zu verscheuchen. Vielleicht nur der Wind. Vielleicht ihre Fantasie.

Doch irgendwo tief in ihr wusste sie es besser.

„Wer auch immer du bist...“, flüsterte sie und presste die Hand gegen die Fensterscheibe. „Du hast gerade eine große Entscheidung getroffen.“

Sie wandte sich ab, das Herz pochte plötzlich viel schneller, jede Faser ihres Körpers auf Alarmbereitschaft.

Ein Laut hinter der Tür ließ sie erstarren, dann langsam, beinahe lautlos, schritt sie zum Türgriff.

Wer beobachtet Emilia heimlich in ihrem neuen Zuhause?

Ein Schatten bewegte sich im Flur, gerade knapp außerhalb des Lichts der Kommode. Ein kaltes Lächeln blitzte in der Dunkelheit.

Und das Spiel… hatte gerade erst begonnen.

Ende Kapitel 3