NoveliqaVertrag der Herzen: Milliardärin wider Willen / Ein gefährliches Bündnis :0%
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Chapter 5

Ein gefährliches Bündnis

Der schwere Klang der Tür hallte noch in Linas Ohren nach, während der Schatten, der darin verschwand, sich mit dem wachsenden Dunst in ihrem Kopf vermischte. Ihre Fingerspitzen brannten, als wollten sie die vernarbten Worte von Alexander von Falkenholt abbrechen, die wie Eissplitter in ihrem Inneren zerbarsten. Sie war allein. Zumindest glaubte sie das.

Langsam ließ sie sich auf die abgewetzte Ottomane fallen, das leise Knarren unter ihren Schultern ein mattes Echo in dem hochglanzpolierten Raum. Das sanfte Flackern der Stehlampe malte flüchtige Muster auf ihre Haut, doch es war die Suche nach Halt, die sie im Dunkel fesselte. Halt – ein Wort, das erstickte, wenn sie tiefer in die Stille sackte.

Ein leises Klirren riss sie zurück. Die Tür zum Balkon stand einen Spalt offen, und der kalte Abendwind strich hinein, gefüllt mit dem Geräusch heulender Limousinen auf den Straßen weit unten. Lina wandte den Blick dorthin, wo die Stadt in winkenden Lichtern schwelgte, einer Welt, die so verlockend und doch so unerreichbar blieb.

„Du lässt dich zu leicht manipulieren“, flüsterte eine Stimme neben ihr, weich und doch scharf durch den Schatten, fast wie ein Dolch, der sich zwischen den Rippen bohrte.

Sie wandte sich ruckartig um – Jakob. Ihr Vertrauter. Der schlanke, stets perfekt gekleidete Mann, dessen Augen sie in der Tiefe immer durchdrangen, als wollten sie ihre Seele abschürfen. Heute wirkte etwas in seinem Blick anders: eine Warnung, die sie nicht einordnen konnte.

„Jakob...“, begann sie, doch der Ton verklang in der plötzlichen Schwere des Raumes.

Er kam näher, die Schritte kaum hörbar, hingerissen zwischen Befehl und Sorge. Seine Hand klopfte nervös an die Tischkante, dann zog er tief Luft.

„Du musst wissen, dass du nicht nur für dich selbst spielst. Alexander hat Feinde, und nicht alle sind bereit, dir das Gesicht zu zeigen. Nicht direkt zumindest.“

Linas Herz schlug gegen ihre Rippen, als sie seinen Augen begegnete. Worte schwebten, unausgesprochen, und der Raum zwischen ihnen füllte sich mit einer unsichtbaren Spannung.

„Feinde?“, fragte sie, doch die langsam sich windende Anspannung in ihrer Stimme verriet, wie dünn der Schleier der Illusion bereits riss.

Jakob zögerte, dann ließ er einen Umschlag auf den Couchtisch gleiten, so unauffällig, wie es ein Sturm in einem Spinnennetz hätte sein können.

„Das kam vor ein paar Stunden. Von jemandem, der sich für Alexanders ältesten Rivalen hält“, er sah zu, wie Lina den Umschlag öffnete, mit zitternden Fingern – als hätte sie Angst, dass die Wahrheit scharf genug wäre, um ihre Haut zu zerreißen.

Ein schwer gefaltetes Blatt Papier entfaltete sich, darauf handschriftliche Worte in dunkler Tinte:

DEAL ODER KOLLAPSE. Sicherheit für deinen Stolz. Für deine Familie. Wenn du weisst, wo du stehen musst.

Eine unterschriebene Initiale, kaum zu erkennen, fror ihren Atem ein: D.R.

„D.R.? Wer ist das?“, entfuhr es ihr heiser.

Jakob wich zurück, die Schatten hinter seinen Augen tiefer und undurchdringlicher als zuvor.

„Das ist Dominic Rainer. Alexanders Erzfeind. Jemand, der im Verborgenen zieht, und nicht davor zurückschreckt, mit allem zu brechen, wenn es seinem Ziel dient.“

Lina schluckte, die Worte zerhakten sich in ihrer Kehle. Dominic Rainer. Ihr Name schwebte wie ein Leuchtfeuer aus einem besonders dunklen Kapitel der Geheimnisse um die Falkenholts. Ein Mann, der in ihren Träumen zu Albträumen wurde.

„Und du...“, fing sie an, suchend nach einem Halt, „… warum bringst du mir das?“

Jakobs Mund zog sich zu einer Linie, während er die Schatten mit einem Blick durchkämmte, der zögernd zwischen Ehrlichkeit und Geheimnis schwankte.

„Weil wir ein gemeinsames Ziel haben, Lina. Und du bist der Schlüssel.“ Sein Blick verhärtete sich. „Aber das heißt auch... dass niemand dir wirklich vertraut. Nicht einmal ich in der Tiefe.“

Ein kalter Stich fuhr ihr durch den Brustkorb. Das vertraute Netz um sie begann zu zerfasern.

„Das heißt…?“, fragte sie atemlos, „wem kann ich dann wirklich trauen?“

Jakob drehte sich zur Tür, nur um sich einen Wimpernschlag später umzudrehen, mit einem Lächeln, das nichts als nackte Ironie war.

„Das musst du selbst herausfinden. Aber du bist längst im Spiel, Lina. Und die Partie ist tödlich.“

Ein dumpfer Schlag hallte plötzlich durch den Flur, und die Lautstärke – das unerwartete Klopfen – ließ Linas Atem stocken. Es war kein sanftes Klopfen, sondern kontrolliertes, bestimmendes Pochen. Jemand wollte hereinkommen.

Mit einem letzten Blick zu Jakob schoss ihr Herz wild. Der Raum schien sich zu verengen, als Häuserfassaden draußen in Anspruchnahme von Zeit und Raum zusammenschmolzen.

„Mach auf“, knurrte eine unbekannte Stimme durch die Tür.

Lina hielt den Atem an, das zerbrechliche Bündnis aus Wahrheit und Verrat wie ein dünner Faden zwischen ihren Fingern. Wem konnte sie noch trauen? Wem durfte sie überhaupt glauben?

Die Klinge des Geheimnisses schimmerte bedrohlich in der Dunkelheit. Und die Antwort lag irgendwo jenseits der Tür.

Das Pochen wurde lauter. Unausweichlich. Und die Welt, die Lina kannte, begann zu zerbrechen.