Chapter 5
Das Flackern der Kronleuchter spiegelte sich in Viktors Augen, die sich wie dunkle Tiefen auftaten. Der Raum, sonst erfüllt von gedämpfter Eleganz, schien plötzlich klaustrophobisch eng zu werden. Sein Herz raste. Jeder Atemzug schnürte ihm die Brust zu, als ob unsichtbare Hände ihn packten und nicht mehr losließen.
Lara stand nur einen Schritt entfernt, ihr Blick eine kalte Mauer. Kein Lächeln, keine Spur von dem warmen Glanz, den er gestern noch in ihr gesehen hatte. Stattdessen nur ein Schatten – und ein brennendes Geheimnis, das sie mühsam hinter ihren Augen verriegelte.
Viktor wollte sprechen, etwas sagen, das die Kluft zwischen ihnen überbrückte. Doch seine Stimme blieb ihm im Hals stecken. Diese vorgetäuschte Nähe, das Spiel um Schein und Wahrheit, zerrte an seinen Nerven. Er fühlte sich wie ein Schauspieler in einem Stück, dessen Drehbuch sich ohne sein Wissen änderte.
Draußen verdunkelte sich der Himmel und knisternde Blitze kündigten ein herannahendes Gewitter an. Der Wind spielte unheilvoll in den Baumkronen, als würde er das kommende Unheil vorwegnehmen. Viktor wandte sich von Lara ab und trat ans Fenster, die Finger fest um den schweren Vorhang gekrallt.
„Wir sind Feinde, Lara“, flüsterte er kaum hörbar. „Und trotzdem kommen wir uns näher, wie Motten zum Licht.“
Sein Blick suchte irgendwo über die Stadt hinaus. Über Beton, Glas und flackernde Neonlichter hinweg. In diesem Augenblick fühlte er sich nackt und verwundbar – aber auch unaufhaltsam.
*
Ein Stockwerk tiefer, verborgen im Schatten der glänzenden Stahltreppe, saß Maximilian Krüger in einem minimalistischen Büro. Das kalte Neonlicht warf scharfe Kanten auf sein kantiges Gesicht. Seine Augen blitzten mörderisch, während seine Finger rhythmisch auf dem glänzenden Tisch trommelten.
Er sprach leise in ein verstecktes Mikrofon: „Der Plan steht. Noch diese Nacht. Viktor wird nicht wissen, was ihn trifft.“
Neben ihm lag ein kleiner Stapel manipulativ platzierter Dokumente. Darunter ein angebliches Schreiben, sorgfältig gefälscht, auf dem Viktors Name prangte. Maximilian hatte dafür gesorgt, dass niemand außer ihm und einer handverlesenen Gruppe von Verbündeten von seinem Vorhaben wusste.
„Lara wird die Lunte sein“, murmelte er mit bitterem Spott. „Sie ist sein schwacher Punkt. Ein falsches Wort – und alles bricht zusammen.“
Ein Schatten huschte durch seine Gedanken: Was, wenn Lara sich nicht so leicht lenken ließ? Dann musste er noch härter zuschlagen.
*
Zurück in der Villa, im Schutz der dämmrigen Flure, bewegte sich Lara nervös. Jeder Schritt hallte gedämpft auf dem Marmor. Der kalte Hauch der Nacht war durch das geöffnete Fenster hereingekrochen und zerzauste ihr Haar. Sie hielt in der Hand ihr Smartphone, dessen Bildschirm kalt im finsteren Gemach leuchtete.
Eine neue Nachricht blinkte auf.
Viktors Name stand dort, aber die Worte darunter ließen ihr Blut gefrieren:
„Du bist nicht die, die du vorgibst zu sein. Vertrau niemandem – am allerwenigsten Lara.“
Es war kein Absender, nur ein Schatten aus Pixeln.
Laras Finger zitterten, als sie die Nachricht erneut las. Ein Gift, das sich langsam in ihre Gedanken fraß.
Sie wollte Viktor warnen – aber das Flüstern des Zweifels schraubte sich weiter in ihr Herz. Was, wenn Maximilian Recht hatte? Was, wenn alles eine Lüge war?
Der Griff ums Handy wurde fester, ihre Fingernägel gruben sich in die Haut. Der Kampf zwischen Verstand und Gefühl war unbarmherzig.
*
Ein paar Zimmer weiter klopfte es leise an Viktors Bürotür. Er wandte sich um, schnappte nach Luft und versuchte, das unerklärliche Gefühl loszuwerden, das sich wie ein dunkler Schleier über seinen Verstand legte.
Auf dem Schreibtisch lag ein Briefumschlag, den er zuvor nicht bemerkt hatte. Keine Absenderadresse, nur seine Initialen in edler Schrift.
Zögernd öffnete er das Papier und fand darin eine gehässige Botschaft: „Lara hat deine Schwäche ausgenutzt. Bist du wirklich sicher, dass ihr Bund mehr als Fassade ist?“
Ein eisiger Hauch kroch seinen Rücken hinab. Der Raum schien sich zu verengen, die Schatten wurden lebendig.
Viktor kniff die Augen zusammen, sein Herz schlug plötzlich doppelt so schnell.
War die Frau an seiner Seite wirklich die Verbündete, von der er geglaubt hatte?
Oder hatte Maximilian bereits sein Meisterstück gespielt – und Lara als Schachfigur missbraucht?
Er griff nach dem Telefon und tippte hastig eine Nachricht: „Wir müssen reden. Dringend.“
Doch noch bevor er den Text absenden konnte, vibrierte sein Gerät erneut.
Eine weitere Nachricht.
„Vertrau mir nicht. Nicht heute. Nicht irgendwann.“
Sein Blick huschte zur Tür.
Jemand war da.
Ein kaltes Lächeln legte sich auf seine Lippen – und zugleich ein Schleier aus Misstrauen.
Der Pakt der Herzen stand am Rand des Abgrunds.
Und die Schatten der Macht breiteten sich unaufhaltsam aus.