Chapter 5
Ein kalter Windstoß zog durch das offene Fenster, ließ den Vorhang hinter Lena flackern wie ein warnendes Signal. Ihre Brust hob und senkte sich in unregelmäßigen Zügen, das pochende Herz war kaum unter dem Adrenalinsturm zu überhören.
Felix stand reglos da, die Hände tief in den Taschen seines makellosen Anzugs vergraben. Sein Blick war messerscharf, durchdringend wie ein Skalpell, das ihre Seele seziert. Das Spiel begann – ein Tanz auf Messers Schneide, bei dem jeder Fehltritt fatale Konsequenzen haben konnte.
„Für viele ist Macht nur ein Spiel“, begann Felix langsam, seine Stimme dunkel und samtig, „für mich ist sie das Einzige, was zählt.“
Lena spürte, wie sich die Luft verdichtete, wie das Licht in dem luxuriösen Büro eines dieser Hochhaus-Paläste weniger wurde, während die Schatten länger wurden. Die kontrastreiche Modernität spiegelte das uralte Spiel: Licht gegen Dunkelheit, Wahrheit gegen Lüge.
„Du hast Sebastian unterschätzt“, fuhr sie leise fort, doch Felix schnitt ihr die Worte ab.
„Sebastian ist ein Narr, der an Moral festhält, während ich die Regeln neu schreibe.“ Seine Augen blitzten kurz auf, die Kälte darin war unübersehbar. „Und du, Lena, bist der Schlüssel zu seinem Fall.“
Ein feines Lächeln legte sich über ihre Lippen, bitter und angespitzt. „Und warum sollte ich dir vertrauen?“
Felix trat langsam näher, der Abstand zwischen ihnen schmolz dahin wie Eis unter der Sonne. „Vertrauen? Nein, das gibt es nicht zwischen uns. Nur Kontrolle. Ich will deine Kooperation, nicht deine Liebe.“
Sein Ton war kein Angebot, er war eine Forderung, ein Ultimatum, das in der Luft hing wie eine unsichtbare Pistole an ihrem Schläfen.
Lena biss die Zähne zusammen, spürte, wie sich ihre Fingernägel in die Handflächen bohrten. Es war ein großartiges Schauspiel, diese Machtspiele. Doch tief in ihrem Innern loderten Zweifel und Angst.
„Wenn du glaubst, mich zu brechen, hast du dich geirrt“, erwiderte sie scharf, „Sebastian ist mehr als nur ein ehrgeiziger Mann. Er hat Prinzipien. Und ich habe zu viel zu verlieren.“
„Prinzipien?“, spottete Felix, ein leises Knurren begleitete seine Worte. „Im Business zählt nur Erfolg. Und ich werde ihn haben – mit oder ohne euch.“
Hinter seinen Worten lag eine Ahnung von Verrat und dunklen Plänen. Der Raum schien sich zu verdunkeln, als ob die Vergangenheit ihre Schatten auszubreiten begann.
„Ich spiele dieses Spiel mit dir nur, weil ich keine Wahl habe“, murmelte Lena, während ihr Verstand fieberhaft nach einem Ausweg suchte. Jede ihrer Entscheidungen war ein Risiko auf Leben und Tod.
Felix nickte langsam, zufrieden. „Gut. Denn der Preis, wenn du versagst, wird hoch sein. Sehr hoch.“
Sein Blick glitt kurz zur Tür, dann zurück zu ihr, kalt und unerbittlich.
In dieser Sekunde wurde etwas im Hintergrund ausgelöst – ein leises Klicken, kaum wahrnehmbar, aber schneidend wie ein Dolch im Hinterkopf. Jemand beobachtete, bereit zum Zuschlagen.
Felix drehte sich um, ging zum Fenster und sah die funkelnden Lichter der Stadt. Seine Stimme senkte sich zu einem kaum hörbaren Flüstern, das nur Lena knapp verstehen konnte.
„Das Spiel hat gerade erst begonnen.“
Plötzlich klirrte Glas – eine Scheibe zerbrach in der Eingangshalle. Ein Schatten huschte vorbei, schnell, präzise. Gefahr schnitt durch die Luft wie ein scharfer Wind, der die Zündschnur eines Anschlags entzündete.
Lena spürte einen unerklärlichen Schauer, der über ihren Rücken lief. Nicht der Kampf zwischen ihr und Felix war die größte Bedrohung, sondern etwas – oder jemand – aus der Dunkelheit, der ihre Welt zum Einsturz bringen wollte.
Wer konnte hinter dem Angriff stecken? Ein Feind aus ihrer Vergangenheit? Oder jemand aus Felix’ gefährlichem Kosmos?
Ihr Atem stockte, als das leise Summen eines Handys erklang – eine Nachricht, nur ein Wort: „Es beginnt.“
Und mit diesem stählernen Versprechen ließ sich die Tür zu ihrem Schicksal lautlos schließen.