NoveliqaVertrag aus Feuer & Gold / Adrians heimlicher Druck :0%
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Chapter 6

Adrians heimlicher Druck

Das Kratzen an der Metalloberfläche verhallte, doch in Adrian Kellers Augen flackerte ein Schatten auf. Er trat einen Schritt vom Fenster zurück, seine Finger verkrampften sich um das Telefon, das noch immer in seiner Hand lag.

„Mach dir keine Sorgen, Jonas“, murmelte er leise, doch die Stimme war scharf wie Stahl. „Ich weiß, wie ich mit deiner Schwester spiele. Und du – du wirst mitspielen müssen.“

Draußen wehte der Wind durch die Straßen der Stadt, drückte gegen die Fassaden der Wolkenkratzer, als wollte er die Geheimnisse davontragen, die unter den glänzenden Oberflächen verborgen lagen. Adrian griff zum Stift auf dem Schreibtisch, seine Fingernägel bohrten sich in das Holz, bis die Haut schmerzte.

Ein leises Piepen meldete eine Nachricht auf seinem Bildschirm. Er las die Worte zweimal, dann ließ er den Stift fallen und lehnte sich zurück. Ein dünnes, kaum wahrnehmbares Lächeln glitt über seine Lippen.

Der Abend in der Wohnung von Jonas Hoffmann war still, viel zu still.

Jonas saß allein am Küchentisch, die Gesichtszüge angespannt, die Hände um eine Tasse Kaffee gekrallt, die längst kalt geworden war. Der Raum schmeckte nach nassem Asphalt und kaltem Rauch – eine Mischung aus Verzweiflung und drohender Niederlage.

Das Klicken der Tür ließ ihn zusammenzucken.

„Du solltest nicht so allein sein, Bruder“, sagte Adrian mit seiner samtweichen Stimme, als er ohne Ankündigung eintrat. Sein Blick glitt durch den Raum, scharf, prüfend, als wolle er jede Schwäche erkennen.

„Was willst du hier?“ Jonas stand auf, der Stuhl schepperte zu Boden. Er versuchte, seine Stimme fest und kontrolliert klingen zu lassen.

„Ich bin hier, um dir zu helfen“, antwortete Adrian mit einem schiefen Lächeln, das nichts Gutes verhieß. „Aber zuerst musst du mir etwas geben.“

Jonas schluckte schwer. „Und wenn ich nein sage?“

Adrian trat näher, der Raum schien sich zu verdichten, die Luft drückend und schwer. „Dann ist deine Schwester bald nicht mehr zu retten.“

Das waren keine leeren Drohungen. Jeder in der Familie hoffte, dass Adrian nur ein weiter entferntes Unwetter war – ein Sturm, der vorüberziehen würde. Doch nun stand er direkt im Zentrum des Sturms.

„Du hast keine Ahnung, was du riskierst“, meinte Jonas mit gehobener Stimme und schlug eine Hand gegen den Tisch.

„Ich kenne deine Geheimnisse, Jonas“, flüsterte Adrian, während er direkt in dessen Augen sah. „Die Daten über die Kunstsammlung, die dein Vater hinterlassen hat. Alles, was dir gehört – und was du zu schützen glaubst, liegt in meiner Hand.“

Jonas wich zurück, sein Herz schlug wild. „Warum tust du das? Warum zerstörst du uns?“

Adrian lachte leise, ein Geräusch ohne Freude. „Weil ich mehr will als Kontrolle. Ich will dich und deine Schwester zerbrechen, bis nichts mehr von eurem Imperium übrig ist. Und ich werde dafür sorgen, dass jeder Schritt, den ihr macht, von mir abhängt.“

Die Hände von Jonas zitterten, als er versuchte, den aufkommenden Panikschub zu bändigen. Sein Blick fuhr zum Fenster – draußen glühten die Lichter der Stadt, ein Meer von flackernden Sternen, die keine Hoffnung versprachen.

„Du bist auf verlorenem Posten“, sagte Adrian leise und holte ein dünnes Kuvert aus der Tasche. „Dies sind die Bedingungen. Nimm sie an, und deine Schwester bleibt im Spiel. Lehnst du ab, wirst du alles verlieren – und ich verspreche dir, das wird viel schlimmer.“

Jonas griff nach dem Kuvert, seine Finger krallten sich in das Papier, als könnte er dadurch Halt finden. Er spürte, wie sich ein eisiger Knoten in seinem Magen bildete.

„Du hast keine Wahl“, fuhr Adrian fort, „denn du bist ein Teil dieses Spiels – ob du willst oder nicht.“

Das Licht der Straßenlaterne fiel schräg durch das Fenster und zeichnete Adrian in ein kaltes, blaues Licht. Sein Gesicht war hart, unnachgiebig. Ein Mann, geschaffen für Manipulation und Zerstörung.

Jonas senkte den Blick und schloss die Augen. Die Wahrheit schnitt tiefer als jede Klinge.

„Wie tief… wird unsere Familie in deinen Plänen verstrickt sein?“ flüsterte er, mehr zu sich selbst als zu Adrian.

Der Blick von Adrian fixierte ihn, kalt und triumphierend.

„Tiefer, als du es dir jemals hättest vorstellen können.“

Ein schwerer Klang erklang plötzlich – ein leises Klopfen an der Tür. Beide Männer erstarrten.

„Wer kann das jetzt noch sein?“, fragte Jonas, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

Adrian trat zur Tür und öffnete sie einen Spalt. Die Dunkelheit dahinter enthüllte nur schemenhafte Umrisse.

„Das Spiel hat gerade erst begonnen“, sagte Adrian und ließ die Tür geöffnet, als würde er jemanden hereinbitten – oder vielleicht etwas Unausweichliches.

Jonas spürte, wie die letzten Reste von Kontrolle aus seinen Fingern glitten.

Und draußen, im Flur, schrillte das Telefon – ein Signal, das niemand ignorieren konnte.