NoveliqaVertrag aus Feuer & Gold / Das erste gemeinsame Haus :0%
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Chapter 4

Das erste gemeinsame Haus

Ein leises, kaum hörbares Flüstern entfloh Laras Lippen, als sie den Stift aus der Hand legte. Die Tinte glitzerte noch frisch auf dem Pergament, das verheißungsvoll auf dem Tisch lag, während ihr Herz in ihrer Brust gegen die Rippen hämmerte. Die Stille in dem Raum schien zu dröhnen, als habe sich die Welt für einen Moment komplett zurückgezogen.

"Jetzt haben wir also eine Verbindung," sagte Erik mit einer Stimme, die seltsam warm, aber auch undurchsichtig klang. Er lehnte lässig gegen die breite Fensterfront und sah aus, als hätte er schon lange auf diesen Moment gewartet.

Die Sonne sank langsam hinter die Glasfassade und warf goldene Streifen über die polierten Marmorflächen des Raums. Der Duft von frischem Mahagoni und schwerem Leder mischte sich mit einem Hauch von Zedernholz. Lara atmete tief ein und versuchte, den Kloß in ihrem Hals zu schlucken.

Sie konnte nicht mehr zurück.

„Wohin geht es jetzt?“ Ihre Stimme zitterte kaum merklich, doch sie wusste, dass sie gefragt hatte, was alle wissen wollten.

Erik hob die Hand und deutete auf die Flügeltür am Ende des Saals. „Das erste gemeinsame Haus. Ein Neuanfang unter besseren Bedingungen.“

Sie folgte ihm durch die Tür - ein marmorner Flur erwartete sie mit sanft flammenden Wandlampen. Die Oberfläche des Bodens glänzte so kalt und glatt, dass Laras Schritte wie ein Echo widerhallten. Fast spürte sie, wie die Kälte in ihre Knochen kroch. Die Aura dieses Hauses war anders als die Stadt draußen. Es war nicht nur Luxus, sondern auch eine Festung.

Erik nahm die Tür zum Haupthaus vor ihr in die Hand. „Hier bist du jetzt sicher."

Doch Lara spürte nichts als eine latent dräuende Präsenz, als hätte das Haus selbst Augen, die sie verstohlen beobachteten. Sie zögerte, dann trat sie ein.

Marmor, Kristall und Samt. Ein Wohnzimmer, so opulent, dass es jeden Besucher allein durch seine Pracht einschüchtern sollte. Ein gigantischer Kamin an der Wand, Flammen funkelten in den verspiegelten Messingschalen, die auf einem niedrigen Tisch gruppiert waren. Über allem schwebte ein Geruch von teurem Holz und einem leisen, metallischen Nachklang, der ihr den Atem raubte.

Erik stand neben ihr und musterte sie mit einem halb verschmitzten, halb ernstem Blick. „Hier wirst du leben. Aber das bedeutet nicht, dass du dich frei bewegen kannst.“ Seine Stimme senkte sich zu einem kaum hörbaren Flüstern. „Manche Türen bleiben verschlossen – und das aus gutem Grund.“

Lara sah ihn an, ein Zucken runzelte ihre Stirn. „Welche Türen?“ Ihre Augen folgten seinem Blick, der zur rechten Seite des Raumes führte, wo eine schwere Eichenholztür das Licht dämpfte. Schrauben und Verzierungen aus antikem Messing umrahmten das Schloss.

Adrian war nicht hier, aber seine bedrohliche Aura schien durch das ganze Anwesen zu wabern, als ob er Schatten in die Poren der Wände genäht hatte.

„Frag lieber nicht,“ murmelte Erik und wandte sich ab.

Lara blieb vor der Tür stehen. Ihre Finger berührten das kühle Holz. Ein ganz leises Knarren ertönte, als wollte sie sie warnen.

„Ich muss wissen, was dahinter ist,“ sagte sie mit einer Mischung aus festem Entschluss und einem Anflug von Furcht, die sich wie ein Frostkriechen in ihrer Brust breit machte.

„Du wirst es früh genug erfahren. Oder vielleicht nie.“ Seine Augen blitzten dunkel, ein Rätsel, das keine Antwort geben wollte.

Mit einem kurzen Nicken wendete sich Erik ab und führte sie durch den Raum zum Panorama-Balkon. Die Skyline der Stadt funkelte in der Nacht, Sterne mischten sich mit Neonlichtern, und auf der Straße darunter flossen Autos wie leuchtende Adern.

Lara atmete tief aus, doch der Druck auf ihrer Brust blieb. Jeder Blick zurück zur Tür war wie ein Stich.

Sie war hier, doch zugleich ein Gefangener ihrer eigenen Neugier.

Ein unsichtbares Netz spannte sich um sie – aus Fragen, ungelösten Geheimnissen und einer Einladung in ein Spiel, dessen Regeln sie noch nicht kannte.

„Hier wirst du deine neue Geschichte schreiben,“ flüsterte Erik.

Aber welches Kapitel würde die Tür zum geheimen Zimmer öffnen? Und was, wenn das, was dahinter lag, alles verändern würde?

Lara spürte, wie sich ein kalter Schauer ihre Wirbelsäule hinab senkte, noch bevor sie auf die Tür zurückblickte.

Das Klicken eines Schlosses – fast schon unhörbar – ließ sie erstarren.

Dann ein dumpfes, schweres Geräusch, als würde jemand auf der anderen Seite die Klinke langsam herabsenken.

Das letzte Bild: Laras Hand, die zögernd ausgestreckt ist, um die Tür zu berühren.

Dann der Abbruch – das Schweigen vor dem Öffnen.

Ein Geheimnis wartete dahinter.

Und es würde keine Rückkehr geben.