Chapter 3
Lena atmete tief ein, spürte, wie die Luft brannte, als sie ihre Brust hoben ließ. Der Raum schien sich zu drehen, als ihre Gedanken wild gegen die Mauern ihrer Vernunft schlugen. Jeder Herzschlag klang wie ein Trommelschlag im stillen Ohr.
Die Tür hinter ihr schloss sich leise, ein kaum hörbares Klicken, doch es war, als ob damit auch eine Schwelle überschritten wurde. Viktors Präsenz füllte den Raum so schwer und undurchdringlich, dass Lena instinktiv einen Schritt zurücktrat.
Seine Lippen waren zu einer geraden Linie gepresst, die Augen scharf wie Schliffdiamanten. Doch dann, als sie zufällig seinen Blick erwischte, blitzte etwas durch – ein kurzer Schatten, der durch die kalte Fassade brach. Ein Hauch von Zerbrechlichkeit, so schnell verschwunden, dass sie sich fragte, ob es nur Einbildung war.
"Warum hast du gezögert?" Seine Stimme war tief, kontrolliert, und doch vibrierte sie mit einer fast hörbaren Spannung. "Du weißt, dass es keine Fehler geben darf, Lena."
Sie senkte den Blick, spürte, wie die Hitze in ihren Wangen aufstieg. Nicht vor Scham – eher vor einer stillen Empörung. "Ich... ich wollte nur sicher sein. Dass ich dir nichts verrate, was uns schaden könnte."
Viktor trat einen Schritt näher. Der Raum wurde enger, erdrückend. Sie roch den herben Duft seines Aftershaves, dieselbe Mischung aus Zedernholz und einer Note von scharfem Tabak, die sie inzwischen mit Macht und Gefahr verband.
"Alles, was zählt," sagte er leise, "ist das Vertrauen." Sein Blick bohrte sich in sie, schärfer als Stahl, doch diesmal gab es diese Winzigkeit von etwas anderem – ein leises Zittern in den Augenwinkeln, das seine Maske kurz wanken ließ.
Lena schluckte. In diesem Moment spürte sie etwas, das sie nie erwartet hatte. Nicht Angst. Nicht Abneigung. Sondern eine unerwartete Nähe.
"Du bist nicht wie die anderen in deiner Welt, Viktor," flüsterte sie, mehr zu sich selbst als zu ihm.
Er hob eine Augenbraue. Ein leicht spöttisches Lächeln schwebte um die Kanten seiner Lippen, ehe es verblasste. "Vielleicht bin ich das auch nicht."
Die Stille danach war schwer, geladen mit unausgesprochenen Worten und Geheimnissen, die zwischen ihnen hingen wie eine unsichtbare Brücke.
"Zeig mir, wer du wirklich bist," forderte Lena in Gedanken, während sie seine letzten Worte wiederholte.
Doch als ihre Augen erneut auf seinen Blitzen, da lag etwas, das sie nicht deuten konnte – eine Verletzlichkeit, so tief verborgen, dass sie fast zu zerbrechen schien.
Für einen winzigen Moment fielen alle Mauern.
Warum wirkt Viktors Blick plötzlich so verletzlich?