NoveliqaVerfeindet bis zum Herzschlag / Zwischen Misstrauen und Verlangen :0%
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Chapter 9

Zwischen Misstrauen und Verlangen

Kapitel 9 Zwischen Misstrauen und Verlangen

Das leise Klacken der Uhr hallte durch den großen, noch halb in Dämmerlicht getauchten Salon. Lina spürte, wie ihr Herz unregelmäßig schlug, als sie Elias gegenüberstand, nur wenige Zentimeter entfernt. Die Luft zwischen ihnen war schwer, geladen mit einer Spannung, die mehr war als bloßes Misstrauen – etwas Unausgesprochenes, fast Verbotenes.

Sein Blick verharrte auf ihrem Gesicht, verdeckt von einem Schatten, den das flackernde Kaminfeuer warf. Doch die Kälte darin war kaum zu übersehen. Sie wollte sich abwenden, das peinliche Kribbeln in ihrem Nacken ignorieren, das seine Nähe hinterließ, doch ihre Füße schienen wie festgenagelt.

„Lina“, begann Elias mit einer Stimme, die unerwartet weich klang, und doch blieb die Härte darunter spürbar. „Wir stehen am Anfang von etwas, das uns beide zerstören oder retten kann. Aber ich…“ Er zögerte, seine Schultern sanken leicht. „Ich erwarte nicht, dass du mir vertraust. Aber wir müssen eine gemeinsame Basis finden.“

Ein leises Lachen rutschte ihr heraus, trotz aller Vorsicht. „Ihr klingt fast sentimental, Elias. Das hätte ich nicht von dir erwartet.“

Sein Mund verzog sich zu einem schmalen Lächeln, das mehr verbarg als zeigte. „Ich bin all das, was du nie sehen willst.“

Lina sog die kühle Luft ein, die nach Rauch und Leder roch, und spürte, wie sich ihre Sinne schärften. Da war etwas in seinem Blick – eine Verletzlichkeit, die ihre Verteidigung kurz wanken ließ. Sie schob die Gedanken weg, fixierte das alte Gemälde an der Wand, dessen verblasste Farben zu erzählen schienen, was zwischen ihnen gerade geschah.

Ein Schritt von ihm, dann noch einer. So hat es angefangen, dachte sie. Ein Zugeständnis, ein Aneinanderdrängen, das Grenzen austestete.

Plötzlich stand er direkt vor ihr. Seine Hände ruhten auf ihren Armen, als wollte er Halt finden. Lina merkte, wie ihr Atem stockte, als eine winzige Erschütterung durch ihren Körper fuhr.

„Warum tust du das?“, murmelte sie, bevor sie die Worte bereue.

„Was genau? Näher kommen, obwohl wir Feinde sind?“

Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, als ihre Blicke ineinander hakten. Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen.

Ein kalter Luftzug ließ die Tür zum Salon einen Spalt aufschwingen, und Lina blinzelte. Die Realität schoss zurück – zu schnell, zu heftig.

„Elias…“ Ihre Stimme zitterte, als sie die Hand anhob, die seine berührte, „wir können das nicht. Nicht jetzt. Nicht hier.“

Doch bevor er antworten konnte, vibrierte sein Handy mit einem schrillen Laut in seiner Hosentasche. Schon hatte er den Blick wüst, seine gesamte Körpersprache wechselte von geöffnet zu alarmiert.

Er löste seine Hände überraschend sanft von ihren Armen, drehte sich abrupt um und griff nach dem Gerät. Ohne sich noch einmal umzusehen, entschuldigte er sich: „Ich muss das klären. Sofort.“

Lina starrte ihm nach, als er zur Tür hastete, das Telefon noch ans Ohr gedrückt. Ihre Brust zog sich zusammen, das Gefühl von Nähe und der abrupten Distanz schnürten ihr die Kehle zu.

Das Zimmer war plötzlich still, nur das Knistern des Feuers blieb zurück. Und Lina wusste, irgendetwas hatte sich verändert – unauslöschlich.

 

[Ende Kapitel 9 – Fortsetzung folgt]