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Chapter 2

Alte Wunden, neue Feinde

Kapitel 2 Alte Wunden, neue Feinde

Das schallende Klirren zerspringenden Glases hing noch in der Luft wie ein klaffender Riss in der Zeit. Lina spürte das kalte Frösteln, das über ihre Arme kroch, während tausend splitterfeine Glasfragmente ihr Herz zu durchbohren schienen. Der Raum, sonst von gedämpftem Licht erfüllt, war plötzlich schärfer und zugleich schwerer geworden. Ihre Augen, noch geblendet vom plötzlichen Lärm, fanden Elias' Blick. Er stand da, mit seinen dunklen Haaren, die im matten Kronleuchterlicht kaum glänzten, und einem Lächeln, das nichts Gutes versprach.

„Willkommen zurück, Lina.“ Seine Stimme war ein Messer, das kalt, aber präzise schnitt.

Die knirschenden Schritte von Lina hallten auf dem Marmorboden wider, während sie sich der Vitrine näherte. Sie kniete sich hin, hob behutsam eine der zerbrochenen Glasscherben auf. Das Metallgestell, das einst wertvolle Artefakte hielt, war entstellt, zerbrochen — genau wie die fragile Verbindung zwischen ihnen.

„Du weißt genau, dass ich nicht zurückkomme, um mich von dir begrüßen zu lassen, Elias.“ Ihre Worte waren scharf, wie geschliffene Klingen, die das alte Blut zwischen ihnen zum Kochen brachten.

Zurück weichen wollte er nicht. Seine dunklen Augen lagen schwer auf ihr, durchbohrend, als suchten sie nach einer Schwachstelle, einem Geheimnis, irgendetwas, das sie zu Fall bringen konnte. Doch Lina ließ keinen Hauch von Angst zu.

„Ich bin hier, weil das Erbe meiner Familie nicht in deinen krallenhaften Händen liegen wird“, sagte sie mit schneidender Klarheit. „Deine Spiele sind vorbei.“

Elias' Lachen war trocken, bitter. „Wirklich? Sag das mal der Welt, Lina. Du hast keine Ahnung, mit wem du es zu tun hast —“

Ein scharfes Klirren unterbrach ihn, als Lina eine weitere Scherbe fallen ließ. Ihr Atem ging ruhig, doch in ihren Adern pochte das Adrenalin wie glühendes Blei. „Ich kenne deine dunklen Geheimnisse. Du hast Angst, Elias. Angst, dass ich alles aufdecke. Und dann ist dein kleiner, sauberer Turm aus Lügen nichts mehr wert.“

„Du bist sturer Kopf“, knurrte er, während er sich langsam näherte, die Distanz zwischen ihnen zu einem gefährlichen Tanz verkürzend. „Genau wie deine Mutter — eine Katastrophe, die du niemals verstehen wirst.“

Das Sitzfleisch löste sich, als Lina aufstand, ihre Schultern aufgerichtet. „Deine Beleidigungen prallen an mir ab, genau wie dein Versuch, mich kleinzuhalten. Ich bin hier, um das zu retten, was ihr zerstört habt.“

Sein Gesicht verzog sich zu einer Maske aus Zorn und Verletzlichkeit. „Du spielst mit Kräften, Lina. Kräften, die du nicht kontrollieren kannst.“ Er machte eine ausschweifende Geste, die sich auf das schwere Gemälde an der Wand richtete — ein dunkles Porträt eines Vorfahren, dessen Augen wie funkelnde Dolche im Kerzenlicht funkelten.

Lina folgte seinem Blick und schluckte hart. Dieses Bild war ein stiller Zeuge von Jahrzehnten voller Kampf, Verrat — und nun drohte es, sie alle zu verschlingen.

„Wir sind Feinde, Lina. Blutsfeinde.“ Die Worte schienen in der Luft zu hängen, schwer wie eine unabwendbare Wahrheit.

„Vielleicht“, erwiderte sie, doch ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, das zwischen Wut und Verzweiflung schwankte. „Aber selbst Feinde können manchmal nicht ignorieren, was das Blut verbindet.“

Elias blickte sie an, das Linientief in seiner Miene löste sich für einen Moment, als hätte er einen Schatten der Ungewissheit gespürt.

Dann zerriss die Stille scharf das Klingeln seines Handys.

Er warf einen finsteren Blick auf das Display, zögerte einen Herzschlag, ehe er die Nachricht las.

Seine Augen weiteten sich.

„Was… das kann nicht sein,“ murmelte er, während er das Telefon zurück in die Tasche schob.

Linas Neugier wuchs, ihre Augen bohrten sich in seinen Blick.

„Was steht da?“

Elias' Lippen pressten sich zu einer dünnen Linie. Dann sagte er langsam: „Es gibt… eine neue Meldung. Jemand hat geglaubt, ich sei der alleinige Erbe.“

Sein Blick verfinsterte sich, während er die Tiefe der Worte erkannte.

Lina spürte, wie das Spannungsseil zwischen ihnen sich angespannt hatte — jetzt drohte es zu reißen.

„Oder vielleicht bin ich es gar nicht.“ Ein kalter Schatten kroch in seine Stimme.

Das Gewicht seiner Worte lastete auf Lina wie ein dumpfer Schlag. Wenn Elias tatsächlich nicht der wahre Erbe war, was bedeutete das für ihr Erbe, für den verbitterten Kampf, der sie nun beide in seinen Bann zog?

Der Raum schien sich enger zu ziehen; die Schatten an den Wänden wurden länger, dunkler – ein Vorbote dessen, was noch kommen musste.

Lina atmete tief ein. Ihre Finger umklammerten das zerbrochene Glas, das an dieser Stelle größer erschien als zuvor – wie ein Spiegel, der die zerbrochene Wahrheit zeigte.

„Wer hat das geschrieben?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch.

Elias sah sie an, mit einer Mischung aus Wut, Unsicherheit und etwas, das Lina kaum glauben wollte — Angst.

„Das wirst du bald erfahren,“ sagte er knapp. „Aber eines kann ich dir sagen: Das ändert alles.“

Ein eisiges Prickeln raste Lina über den Rücken, als die Tür zum Arbeitszimmer plötzlich knarrte.

Beide blickten auf. Die Welt hatte sich verändert. Alte Feindschaften wuchsen zu neuen Schlachten.

Und sie standen direkt in der Mitte.

Ein leises Klicken – das Schloss drehte sich.

Das nächste Kapitel ihrer Geschichte stand unmittelbar bevor.