NoveliqaVerfeindet bis zum Herzschlag / Nächte voller Zweifel :0%
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Chapter 15

Nächte voller Zweifel

Kapitel 15 Nächte voller Zweifel

Das schwere Atmen war alles, was Lina in der Stille ihres kleinen Ateliers hörte. Ihre Finger umklammerten die kühle Tischplatte so fest, dass die Knöchel weiß wurden. Der Satz – dieses Wort wie ein Dolchstoß ­– lag noch immer auf ihrer Zunge, ungesagt, brannte leise. Warum?

Der Herzschlag begann, sich wie ein Trommelfeuer in ihrer Brust auszubreiten, unbarmherzig und drängend. Sie zwang sich, die Augen zu schließen, doch die Schatten hinter ihnen formten sich zu Elias’ Gesicht. Dieses Lächeln, das mal so verlockend, mal so bitter hatte sein können, jetzt durchzogen von einer dunklen Fährte aus Heimlichkeit und eisiger Kontrolle.

„Warum versteckst du die Wahrheit?“ flüsterte sie, als spreche sie in die Dunkelheit, die das Zimmer wie ein unsichtbares Netz umschloss. Kein Echo antwortete, nur das Ticken der alten Pendeluhr, das den Raum mit einem melancholischen Rhythmus erfüllte.

Lina stand auf, jeder Muskel ihres Körpers spannte sich an. Ihre Schritte hallten gedämpft auf dem harten Holzboden, während sie am Fenster hängenblieb. Draußen schimmerte die Stadt im trügerischen Glanz der Nachtlichter, eine Mischung aus leuchtenden Werbetafeln, fahlen Laternen und dem schwachen Schein der Sterne, die sich hinter einer Haube aus Wolken versteckten.

Der kalte Wind vom Fenster ließ die feinen Vorhänge wehen – flüsternd, fast wie geheime Worte, die durch den Raum schwebten. Lina atmete tief ein, der Geruch von feuchtem Stein und verbranntem Herbstlaub drang zu ihr herein und zog in ihre Lungen wie ein Versprechen voll verborgener Wahrheiten.

Sie drehte sich abrupt um, als eine Stimme in ihrem Kopf laut wurde – nicht Elias’, sondern ihre eigene innere Stimme, die an ihren Zweifeln nagte. War er wirklich nur der Feind, der über ihr Familienerbe herfallen wollte? Oder war er längst selbst gefangen in einem Netz aus Verrat und Angst?

Ein scharfer Schmerz durchzuckte ihre Schläfe – der Druck, das Rätsel lösen zu müssen, wurde schwerer mit jeder Sekunde.

Plötzlich vibrierte ihr Handy auf dem Tisch. Lina griff danach, das Display flackerte mit einer unbekannten Nummer. Eher instinktiv als aus Vernunft öffnete sie die Nachricht:

„Du bist nicht allein. Doch vorsicht – nicht jeder Schatten gehört dir.“

Kaltes Ziehen breitete sich in ihrem Magen aus, ein Gänsehaut-Impuls kroch ihre Wirbelsäule hoch. Wer konnte das sein? Ein Verbündeter oder weitere Intrige?

Die Finger zitterten, als sie das Handy wegsteckte. Der Raum schien mit dunklen Vorahnungen gefüllt, jede Ecke schien eine Möglichkeit zu bergen, jeder Schatten ein Spiel mit der Wahrheit.

Ihre Gedanken wanden sich wie ein Wirbelsturm, als sie sich an Elias’ letzte Worte erinnerte – jene Andeutungen, die wie feine Nadeln in ihre Seele stachen. Was trieb ihn an? War da mehr als bloßer Machtwille? Oder war es die Angst vor einem Geheimnis, das größer war als beide?

Ein leiser Ton und ein unmerkliches Knistern ließen sie erstarren. Der Schatten an der Tür – eigentlich ein Schatten unter anderen –, doch diesmal fühlte sich der Blick wie Messerstiche auf ihrer Haut an.

Ihr Herz setzte einen Schlag aus.

Jemand beobachtete sie.

Im Dunkel vor dem Fenster bewegte sich die Silhouette eines Mannes. Kein bekanntes Gesicht. Kein vertrauter Ton. Nur eine Präsenz, die sich durch die Blendung der Laternen schlich, lautlos und unsichtbar – ein Schatten unter den Schatten.

Die Luft schien für einen Moment stehenzubleiben, eingefroren in einem Moment voller Angst und Erwartung.

Lina wich einen Schritt zurück, die Hand tastete nach dem Schusswaffengriff in ihrer Jackentasche – nicht um zu schießen, sondern um sich an die Kontrolle zu klammern. Kontrolle, die ihr gerade entglitt.

Draußen wurde ein Auto langsam langsamer, das Scheinwerferlicht traf die Scheibe und malte ein gesprenkeltes Chaos aus Licht und Schatten in den Raum.

Und dann – ein leises Klopfen an der Tür.

Nicht ein freundliches Pochen, sondern ein ungeduldiges, forderndes Klopfen, das durch Mark und Bein ging.

„Lina“, hauchte eine Stimme von draußen. Doch es war nicht die Stimme, die sie erwartet hatte.

Nicht Elias.

Linas Augen weiteten sich.

Wer war dieser Eindringling?

Die Tür griff zum Griff.

Das Herzschlag-Klatschen in ihrer Brust verstärkte sich zur Kakophonie.

Ihre Welt – zerrissen zwischen Wahrheit und Verrat – begann sich erneut zu drehen.

Und Lina wusste, dass diese Nacht alles verändern würde.