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Chapter 13

Der erste Funke

Kapitel 13: Der erste Funke

Das Knacken an der Tür hallte noch in der Stille nach, doch es gab kein weiteres Geräusch. Lina stand reglos da, jeder Atemzug fühlte sich an, als würde er ihr Luft und Fassung zugleich rauben. Der Raum war in ein schwaches, fahles Licht getaucht, das schwankte, als der Wind durch die gekippten Fenster strich. Die Schatten schienen näher zu rücken, als wollten sie ihr die Wahrheit verschlingen.

Langsam wandte sie den Kopf. Dort stand Elias, seine Silhouette scharf konturiert gegen das matte Tageslicht. Die Distanz zwischen ihnen schrumpfte, fast unmerklich, doch in diesem Moment schien sie unüberwindbar.

Seine Augen – dunkel, schwer und voller ungesagener Worte – suchten ihren Blick, verlangten etwas, das nicht ausgesprochen werden durfte. Ein flüchtiges Flackern in seinen Augen brach die stählerne Mauer, die er sonst so kompromisslos um sich errichtet hatte.

„Du hast mir nie geglaubt“, sagte er leise, die Stimme rau vor unterdrückter Emotion.

Lina schluckte. „Und warum sollte ich? Du hast zu oft gespielt, Elias.“

Die Luft zwischen ihnen prickelte. Ein Wort, ein Atemzug, ein Blick – alles schien geladen mit Spannung, die sich wie ein elektrischer Funke entlud.

Für einen Moment vergaßen sie das Erbe, die Geheimnisse, den Hass, der sie verband und zugleich trennte. Da war nur dieser Blick, der mehr sagte als jede Verschwörung, jede Lüge.

Elias trat einen Schritt vor, zu nah, um bloß zwischendrin zu sein. Sein Blick verlor einen Hauch von Kontrolle, wurde weich.

„Vielleicht, weil ich genauso viel verloren habe wie du.“

Sein Finger streifte fast unmerklich ihren Arm, als wolle er eine unsichtbare Linie überqueren, die keiner von beiden bisher gewagt hatte. Lina spürte die Kälte, die von ihm ausging, doch darunter lag eine Wärme, die sich plötzlich durch die Frostschicht bohrte.

Sie wollte den Moment greifen, festhalten, bevor die Realität sie wieder verschlang. Doch während ihre Herzen schneller schlugen, ein feiner Funken zwischen ihnen aufflackerte, bebte die Stille vor bevorstehender Zerreißprobe.

Plötzlich vibrierte ihr Handy. Das grelle Display erhellte den Raum mit einem kalten Schein – eine Nachricht, auf die keiner von ihnen gefasst war.

Lina hob das Gerät, die Finger zitterten. Die Vorschau ließ ihr Blut in den Adern gefrieren.

„Ich weiß, was du tust.“

Kein Absender. Keine Erklärung. Nur diese vier Worte, die alles zwischen ihnen zu zerbrechen drohten, noch bevor der erste Funke richtig zünden konnte.

Elias’ Augen verengten sich, ein Schatten huschte über sein Gesicht. „Ein Verrat“, murmelte er schlicht.

Und schon schloss sich die Tür hinter ihm mit einem leisen, aber endgültigen Knall.

[Fortsetzung folgt]