NoveliqaVerfeindet bis zum Herzschlag / Ein gefährliches Spiel :0%
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Chapter 11

Ein gefährliches Spiel

Kapitel 11 Ein gefährliches Spiel

Der Schatten setzte sich ruckartig in Bewegung. Lina spürte den stechenden Geruch von kaltem Metall, als die Tür mit einem harten Knall ins Schloss fiel. Kurz darauf vibrierte der knarrende Türrahmen, als etwas – oder jemand – dahinter gegen die Klinke schlug.

Linas Herzschlag raste. Ihr Atem stockte wie gefangen in einem zu kleinen Raum, die Finger krampften sich um den Stoff ihres Mantels. Elias’ Gesicht hatte sich in ein undurchdringliches Saraband aus Dunkelheit und Malizia verwandelt, die Augen blitzten kalt.

„Du hörst das doch auch“, flüsterte sie kaum hörbar – nicht einmal sie selbst war sicher, ob anklagend oder suchend.

Elias nickte knapp, sein Ton war rau: „Wir sind nicht allein hier.“

Das Pochen an der Tür wurde drängender, fordernder. Ein Schatten formte sich hinter dem milchig-verspiegelten Glas des Flures. Die schief sitzende Glühbirne über dem Türrahmen flackerte, warf sich selbst in ein instabiles Flackern, das den Raum in hektisch pulsierende Schwärze hüllte.

„Was schlagen wir vor?“ Elias’ Stimme senkte sich, der Schatten hinter der Tür konnte wieder aufbrechen jeden Moment.

Linas Augen suchten schnell den Boden, ihre Gedanken jagten, Wettrennen gegen das drohende Unheil. Ein Deal – riskant, gefährlich – zwischen ihnen. Kein Vertrauen. Keine Versprechen außer dem eisernen Willen, zu überleben.

„Wir müssen Informationen bekommen“, begann sie, die Worte hart wie Pfeile. „Aber ohne den anderen auszuliefern.“

Elias’ Mundwinkel zuckten – kein echtes Lächeln, eher ein scharfes Zucken, das Misstrauen verriet. „Ein gefährliches Spiel. Du weißt, was auf dem Spiel steht, Lina.“

Sie nickte. „Ich weiß, und ich will nicht verlieren. Aber ohne dich komme ich nicht weiter. Und du? Offensichtlich auch nicht ohne mich.“

Ihr Blick traf seinen, scharf wie ein Messerblitz. Kein Wort über den Preis. Doch beide wussten: Verrat hing in der Luft, schwerer als das bleierne Dunkel im Flur.

Das Pochen wurde frantic, hemmungslos. Schließlich ein Finger, der durch den Türspalt glitt. Ein Geräusch von Metall, dann ein leiser Klick. Jemand hatte eine Waffe geladen, und sie waren nur Sekunden vor dem Ansturm.

„Wir müssen verhandeln“, drängte Lina, die Stimme auf einmal kühl und bestimmt. „Ein gebrochener Pakt. Nur für jetzt. Ich gebe dir etwas, das du willst. Du mir etwas, das mir gibt, was ich suche.“

Elias’ Blick intensivierte sich. „Du weißt, was ich will.“

Lina schlang die Arme um sich, spürte, wie die Spannung sich in gezackte Muskelfasern verwandelte. „Dein Schweigen. Ich gebe dir das, wenn du mir erlaubst, Zugriff auf das Archiv im Keller zu bekommen. Nur eine Stunde. Danach können wir auseinandergehen – ohne die anderen wissen zu lassen, dass wir dir vertraut haben.“

Elias schloss für einen Moment die Augen. Dann öffnete er sie wieder, und in ihnen flackerte etwas, das wie Resignation schmeckte.

„Also ein gemeinsames Spiel, mit viel Risiko. Aber ohne Kooperation enden wir heute Nacht beide in der Asche meiner Geheimnisse.“

Das Lachen kam plötzlich, trocken und bitter aus ihren Kehlen. Kein echtes Vergnügen, sondern das von zwei Gegnern, die wissen, wie nah sie sich am Abgrund bewegen.

Ein weiterer Knall – jetzt fiel die Tür ins Schloss, die Schrauben zitterten, als wollte das Schloss jeden Moment nachgeben.

„Du hast fünfzig Minuten“, sagte Elias, bewegte sich zur Tür, zog den Schlüssel aus der Tasche und drehte ihn schwerfällig im Schloss um. „Mehr nicht. Und kein Verrat, Lina. Nicht jetzt.“

Sie nickte und spürte, wie der Boden unter ihren Füßen sich leicht verkuppelte, als sie dem gefährlichen Bund zustimmte, der sie beide verbrennen konnte.

Sie waren verbunden in einem unsichtbaren Netz aus Misstrauen und Not. Ein Netz, das sich mit jedem Tick der Uhr weiter verengte.

Lina und Elias traten hinaus in den Gang, wo der Schatten sich bewegte. Dort, im Schein der flackernden Wandleuchten, standen zwei Gestalten, die nicht länger nur beobachteten.

Elias zog seine Stimme in die Tiefe, einen Hauch von Autorität, als er sagte: „Wir sind zusammen hier drin. Jeder, der uns folgt, sorgt dafür, dass wir beide in der Dunkelheit verschwinden.“

Die Männer blickten sich an und zogen widerwillig die Waffen. Der Anführer, ein bleicher Mann mit narbigen Gesichtszügen, grummelte: „Wir haben Anweisungen. Kein Risiko.“

„Dann sollten wir keine riskanten Spiele spielen“, entgegnete Lina, die Hand bereits geschlossen zur Faust. „Wir brauchen hier nur Antworten – und das machen wir besser ohne Blutvergießen.“

Der Mann funkelte sie an. „Das wirst du nicht mehr entscheiden.“

Ein Geräusch – ein leises, kaum hörbares Surren – stieg auf. Linien von rotem Laserlicht schnitten durch den Gang. Ein Countdown? Lina spürte, wie der Schweiß ihr die Stirn herunterlief.

„Verdammt“, fluchte Elias leise, „eine Falle.“

Sie blickten sich kurz an. Ohne ein Wort schossen sie vorwärts. Lina spürte, wie Elias’ Arm sie am Ellbogen zupackte, er zog sie mit in den engen Seitengang.

Schritte hallten hinter ihnen, schneller, wilder.

Sie pressten sich gegen die kalte Steinwand. Ihre Körper berührten sich, die Hitze des Gegners in greifbarer Nähe. Elias’ Finger bohrten sich fast schmerzhaft in ihren Arm.

„Bleib ruhig“, keuchte er, „sonst sind wir verloren.“

Lina schluckte schwer. Ihre Kehle trocknete aus, aber ihr Geist wurde messerscharf. Sie sah die Ecke, zwei Schritte vor ihnen – und die schmale Metallleiter, die zum Kellerabteil führte.

„Jetzt!“, flüsterte sie.

Gemeinsam stürmten sie durch den Spalt, stießen die Leiter hinunter in die Dunkelheit.

Die kühle, modrige Luft umhüllte sie wie ein feuchter Mantel. Hinter ihnen fiel die Leiter ins nackte Licht eines grellen Scheinwerfers – ein Alarm startete schrill auf.

„Verdammt“, flüsterte Elias, „das wird niemand überleben wollen.“

Trotzdem suchten ihre Finger in der Dunkelheit nach der ersten Tür, die den Schlüssel brauchte, den Elias bei sich führte.

Lina atmete flacher, ihre Sinne verengten sich zu diesem einen Moment: Ein Schlüssel, ein Blick, eine Chance.

Sie hob den Blick – genau in Elias’ Augen, die vor Entschlossenheit glühten.

„Vertrauen?“

Elias’ halb ausdrucksloser Mund verzog sich ein wenig zu einem Schatten einer Antwort.

„Für den Moment“, sagte er leise.

Das Schloss klickte. Die Tür öffnete sich knarrend.

Sie traten ein – hinein in ein Archiv voller Schatten, Geheimnisse und der Möglichkeit, alles zu verlieren.

Und draußen, ganz nah, begann der Wahnsinn erst.

Ein unerwartetes Geräusch – ein dumpfer Schlag – hallte durch den Keller. Die Tür schloss sich hinter ihnen mit einem Ruck.

Lina schloss die Augen für einen kurzen Moment. Dann öffnete sie sie wieder – und das Spiel hatte gerade erst begonnen.

Würden sie sich verraten – oder überraschend helfen?

Die Antwort lag verborgen zwischen den vergilbten Dokumenten. Und in ihren schwindenden Pulsen.

Das Pochen der Schritte draußen verstummte abrupt.

Doch tief in der Dunkelheit sah Lina, wie Elias’ Schatten sich zu ihr wandte – kein Feind mehr. Noch kein Verbündeter. Sondern etwas Dazwischen.

Das gefährliche Spiel hatte gerade erst begonnen – aber wer würde am Ende gewinnen?

[Ende Kapitel 11 – Fortsetzung folgt]