NoveliqaVerbrannte Herzen: Von Feinden zu Feuer / Ein verhärteter Galerist :0%
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Chapter 2

Ein verhärteter Galerist

Kapitel 2 Ein verhärteter Galerist

Die Tür schwang auf. Ein kalter Luftzug kroch hinter ihr hervor, schnitt wie ein Messer durch den dichten Stoff von Emilias Mantel. Ihre Brust hob und senkte sich unregelmäßig, das pochende Echo ihres Herzens vermischte sich mit dem dumpfen Hall ihrer Schritte im weiten Foyer der Galerie.

Viktor Stein stand im schummrigen Türrahmen. Sein Blick, scharf und unbewegt, bohrte sich in sie wie Eis, das in der Dunkelheit schimmert, doch niemals schmilzt. Die Wände schienen mit der Atmosphäre zu erstarren – eine eisige Stille breitete sich aus, die jeder Bewegung, jedem Atemzug Raum raubte.

„Emilia,“ sagte er kaum hörbar, doch in seiner Stimme lag eine Klinge, scharf geschliffen auf Jahre voller Schuld und Schweigen.

Sie wollte etwas entgegnen, aber die Worte verhakten sich in ihrer Kehle wie schlecht modulierte Töne eines gestörten Instruments. Stattdessen spürte sie, wie sich der Boden unter ihr auftat – ein Abgrund aus Erinnerung und Abwehr, der sie zu verschlingen drohte.

Viktor trat einen Schritt vor, seine Hände tief in die Taschen seiner dunklen Jacke vergraben. Die wenigen Lampen im Raum warfen Schatten, die seine Gesichtszüge härter wirken ließen: Hart geschnittene Kinnlinie, Augen so starr wie Granit, Lippen eine schmale Linie, die kein Lächeln kannte.

„Du weißt, warum ich hier bin“, murmelte er, seine Stimme ein rauer Schatten vergangener Narben.

Emilia hob den Blick, traf das unergründliche Grau in Viktors Augen, das jegliche Wärme wie Frost verbrannte. Sie spürte die Hitze in ihren eigenen Adern, die sich gegen den eisigen Funken in seinem Blick wütend erhob. „Viktor, wir müssen reden. Nicht so... nicht hier.“ Ihre Stimme zitterte, doch die Entschlossenheit blitzte durch.

„Hier und jetzt ist der einzige Ort, der zählt.“ Seine Hand zuckte minimal, als wolle er etwas zurückhalten. Ein kurze Falte rann über seine Stirn, ehe die Maske der Gleichgültigkeit zurückkehrte.

Der Raum schien sich zusammenzuziehen. Die Kunstwerke an den Wänden, die sonst so lebhaft wirkten, verloren ihre Farbe unter der Last der Spannung. Ehe sie sich versah, standen sie einander gegenüber wie zwei Krieger, die in der Arena eines unsichtbaren Kampfes gefangen waren.

„Warum diese Kälte, Viktor?“, flüsterte Emilia und tastete nach der schmalen Grenze zwischen Hass und Schmerz.

Sein Blick entgleiste kaum merklich, ein Schatten huschte über seine Züge. „Kälte ist Schutz. Schutz vor dem, was du nicht verstehst.“ Seine Stimme war rau, fast gebrochen. „Schutz vor den Geistern, die uns beide verfolgen.“

Ein Seufzer entwich ihr – ein kaum hörbares Zeichen der Niederlage. Sie kannte seine Geschichte, das Wissen zerschnitt sie jedes Mal wie ein scharfes Messer. Doch mehr als alles andere wollte sie die Mauer durchdringen, die er um sich errichtet hatte.

„Vielleicht wäre es einfacher, wenn du dich fallen lassen würdest“, sagte sie leise, „wenn du zulässt, dass du verletzlich bist.“

Er lachte bitter, kein echter Klang, eher ein klirrendes Echo. „Verletzlichkeit ist Luxus, den ich mir nicht leisten kann.“

Sie traten näher. Die Distanz schrumpfte, aber die Kluft zwischen ihren Welten blieb unüberbrückbar.

Viktor drehte sich abrupt um, ging ein paar Schritte durch den Raum, seine Bewegungen kristallklar und kontrolliert.

„Du siehst mich nur als den Feind,“ murmelte er, ohne sich umzudrehen. „Aber die Wahrheit... die Wahrheit ist, dass ich längst verloren habe.“

Emilia spürte, wie es kratzte – unter seiner Uniform aus Härte, verbarg sich eine zerbrechliche Seele, eingekapselt in einer Festung aus alten Schmerzen.

„Was verbirgst du, Viktor?“, fragte sie, die Stimme jetzt fordernd, scharf wie ein Skalpell.

Er blieb stehen, die Schultern leicht gesenkt, ein Moment der Schwäche, der nur einen Hauch zu lange währte.

„Mehr, als du je wissen wirst“, sagte er knapp und klappte die Faust, als kämpfe er gegen Geister, die ihn zerreißen wollten.

In diesem Augenblick schlug die Tür hinter ihnen zu. Ein Knall, der all die unausgesprochenen Worte mit sich riss.

Viktor drehte sich um, der Blick jetzt durchbohrend vor Entschlossenheit. Doch in seinen Augen, so kalt und unerbittlich sie schienen, lag ein unheimliches Geheimnis, das sich weigert aufzudecken.

Was verbirgt Viktor hinter seiner Kälte? Die Antwort lag in der Dunkelheit – und sie würde ihre beiden Welten erschüttern, wenn sie ans Licht kam.