NoveliqaVerbrannte Herzen: Von Feinden zu Feuer / Nächte voller Fragen :0%
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Chapter 16

Nächte voller Fragen

Kapitel 16: Nächte voller Fragen

Die Metallkante der Tür schloss sich mit einem leisen, fast unscheinbaren Klicken hinter ihm, doch in Emilias Brust donnerten tausend Stürme.

Viktors Schatten wurde eins mit dem dämmrigen Licht, das vom Flur hereinfiel, zeichnete auf dem polierten Parkett eine unsichere Linie, bevor er stehenblieb. Sein Blick haftete auf ihr, schwer und undurchdringlich wie Nebel über dunkler See.

Emilia spürte, wie ihr Atem stockte. Die kühle Luft des Raumes schien plötzlich dichter, umklammerte ihre Lungen mit eisiger Hand. Ihr Herz pochte so laut, dass sie fürchtete, es müsse den Bann brechen und gegen ihre Rippen schlagen.

„Warum bist du hier?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Nicht aus Angst, sondern aus stiller Herausforderung.

Viktor schürzte die Lippen, seine Augen blitzten tief in das dunkle Wohnzimmer hinein. „Du hast Fragen, Emilia. Das sehe ich. Und du verdienst Antworten.“

Er trat einen Schritt vor, das leise Knarzen des Holzbodens unter seinen Schuhen zerriss die Stille wie ein Messer.

„Aber bist du bereit, sie zu hören?“, fuhr er nach, seine Stimme so rau, dass selbst das Gemälde an der Wand zu erzittern schien.

Emilia hob den Kopf, ihre Nackenhaare sträubten sich. Ein kalter Windhauch zog durch den Raum, ließ das abgelegte Kleidungsstück am Stuhl zittern. Es roch nach Zedernholz und Bitterkeit.

„Du willst mich für das Unrecht büßen lassen, das deiner Familie widerfahren ist. Doch was, wenn ich dir sage…“, sie suchte in seinen Augen nach einem Funken Wahrheit, „…ich weiß mehr, als du denkst?“

Viktors Gesicht verhärtete sich, als habe sie ein Schlag ins Gesicht getroffen. Die Schatten tanzten chaotisch in seinen Augen, zwischen Wut und Schmerz ein kaum hörbares Zittern.

„Was meinst du damit?“

Emilia ließ den Blick zu Boden gleiten, wenn Worte wie spitze Kieselsteine auf einen dunklen Pfad fallen. Der Duft von frisch gebrautem Kaffee, der irgendwo leer zurückblieb, mischte sich mit feinem Rauchgeruch – eine Erinnerung an alte Gespräche, die nie zu Ende geführt wurden.

„Deine Familie… Sie trägt eine Last, die tief verwoben ist mit meiner Vergangenheit. Ein Fehler, der nicht nur dich, sondern auch mich geprägt hat. Wir sind nicht nur Feinde, Viktor. Wir sind die Gefangenen einer Geschichte, die wir beide kaum verstehen.“

Sein Griff zur Kante des Tisches wurde fester, der Knochen unter seiner Haut zeichnete sich scharf ab. Die dunklen Adern pulsierten, synchron zu dem Sturm in seinem Blick.

„Also bist du hierher gekommen“, sagte er leise, fast zerbrechlich, „um mir zu erklären, warum du alles zerstört hast?“

Ein bitteres Lächeln kroch über Emilias Lippen, kaum mehr als ein Schimmer in der Dunkelheit. „Zerstört? Oder gerettet? Vielleicht rettest du dich gerade selbst, wenn du dich traust, die Wahrheit zu sehen.“

Plötzlich öffnete sich die Tür zur Küche mit einem lauten Knall. Beide wirbelten herum. Das Geräusch hallte wie ein Donnerschlag durch die Wohnung, zog einen schwarzen Strich durch den Raum, der vorher in Schweigen gehüllt war.

Ein zögerliches Klopfen folgte.

Viktor trat zurück, die Kälte wich einem seltsamen Funkeln in seinen Augen, einem Ausdruck, den Emilia nicht sofort deuten konnte.

„Soll ich öffnen?“, fragte seine Stimme leise.

Emilia nickte stumm. Ihr Herz schien schneller zu schlagen, die Zeit dehnte sich aus, jeder Atemzug war ein Kampf gegen die Unsicherheit, die sich wie ein Schleier um ihre Sinne legte.

Als Viktor die Tür einen Spalt breit öffnete, blieb ihr Blick an seiner Gestalt hängen – so nah, so unnahbar.

Die Silhouette hinter der Tür war kaum zu erkennen. Doch die spärlichen Schatten zeigten eine zarte Nervosität, ein Zittern, das nicht verborgen werden konnte.

„Du suchst nach Antworten“, flüsterte Viktor und blickte Emilia an.

„Aber bist du wirklich Freund… oder Feind?“

Ein kaltes Lachen verlor sich in der Dunkelheit der Nacht, während die Schritte hinter der Tür sich in die Wohnung schoben.

Die Frage hing zwischen ihnen wie scharfkantiges Glas.

Und in diesem Moment wusste Emilia nur eines: Die Wahrheit würde sie verbrennen – aber vielleicht, nur vielleicht, konnte sie sie auch befreien.

Ende Kapitel 16