Chapter 14
Kapitel 14: Unter Beschuss
Die Kälte der frühen Morgendämmerung kroch durch das spaltbreite geöffnete Fenster ihres Apartments. Emilia lag auf dem zerschlissenen Sofa, die Hände fest um eine Tasse kalten Kaffees geschlossen, der bittere Geschmack schien ihr irgendwo tief unten im Magen wie ein bleierner Stein zu lasten. Ihr Herz klopfte unregelmäßig, als hätte es den Rhythmus verloren – fragil, erschöpft, gefährdet.
Der Nachhall der letzten Begegnung mit Viktor wollte nicht verstummen, legte sich wie ein unsichtbares Netz um ihre Gedanken. Jede einzelne Silbe, jeder Blick, der wie ein gezielter Dolch saß, zog die verletzten Ränder ihrer Vergangenheit auf.
Von irgendwoher drang das leise Klirren von Glas – wahrscheinlich der Nachbar über ihr. Doch für Emilia klang es wie ein scharfes, warnendes Signal. Instinktiv richtete sie sich auf, die Müdigkeit wich einem blitzschnellen Adrenalinstoß.
Sie griff zum Telefon.
Die Nachrichtenflut, die sie erwartet hatte, wartete schon. Bereits mehrere E-Mails von der Galerie, Anrufe der PR-Agentur, die ihren Namen in Zusammenhang mit einem anonymen Skandal brachte. Die Schlagworte trafen sie wie Peitschenhiebe: „Veruntreuung“, „Fälschung“, „Skandal um Kuratierung“.
Irgendjemand zog an den Fäden hinter ihrem Rücken – und es war nicht Viktor allein.
Ein schriller Klingelton riss sie aus ihrer Starre. Es war Lena, ihre Assistentin.
„Emilia, du musst sofort raus. Der Vorstand zieht schon Konsequenzen. Die Presse steht vor der Tür, sie fragen nach deiner Rolle bei der letzten Ausstellung.“ Ihre Stimme war heiser, fast panisch.
„Ich... ich wusste, dass sie zuschlagen würden.“ Emilia zwang sich zu stehen, zögerte, als ihr Blick auf den schmalen Spiegel fiel. Ihr blasses Gesicht, vom Stress ausgezehrt, die Augenringe wie dunkle Schatten eines drohenden Abgrunds.
„Wer könnte so etwas orchestrieren?“ murmelte sie mehr zu sich selbst.
Lautes Klopfen an der Tür ließ sie zusammenzucken. Ihr Puls raste, die nächsten Sekunden zogen sich endlos – dann das leise Rascheln eines Umschlags, der durch den Türspalt geschoben wurde.
Schweiß perlte auf ihrer Stirn, als sie den Brief aufhob. Keine Unterschrift. Nur drei Worte kursiv geschrieben: „Alles endet hier.“
Ein weiterer Schritt in das Netz aus Intrigen. Wer wollte sie vor die Wand fahren? Wer hatte ein Interesse daran, am Ende als Sieger dazustehen und ihre Existenz zu zertrümmern?
Emilia schloss die Augen, atmete tief ein. Da war mehr als nur ein Angriff auf ihre Karriere. Es ging um ihr Leben – um ihr innerstes Ich. Und während draußen die Menge unruhig wurde, spürte sie, wie sich der Griff um ihre Seele immer weiter verengte.
„Ich werde nicht verschwinden. Nicht so.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch im Spiegel begegnete ihr ein eiserner Blick.
Plötzlich flackerte das Licht – gedämpft, wie aus einem anderen Raum. In ihrem Kopf raste die Frage: Wer zieht die Fäden im Hintergrund?
Der Schatten in der Tür öffnete sich einen Spalt – eine bekannte Silhouette. Emilia erstarrte.
„Du bist nicht allein“, hörte sie eine Stimme, diffuse Hoffnung mischte sich mit dem drohenden Sturm.
Der Kampf um die Wahrheit hatte gerade erst begonnen.
Ende Kapitel 14