Chapter 13
Kapitel 13 Doppelte Spiele
Das bleiche Licht der Straßenlaterne flackerte über Victors maskiertes Gesicht, während sein Blick unerbittlich auf Clara haftete. Der Atem schien in ihrer Kehle festzustecken, jedes Flüstern der Nacht wurde zur dröhnenden Stille in ihrem Kopf.
Leon stand einen Schritt vor ihr, die Schultern angespannt, die Hände zu Fäusten geballt. Sein Kiefer arbeitete, doch kein Ton kam über seine Lippen. Die Luft zwischen ihnen war geladen, ein unsichtbarer Sturm, der nur darauf wartete, loszubrechen.
Victor lächelte kalt. Ein Lächeln ohne Wärme. „Du dachtest wohl, du könntest beide Spielzüge gleichzeitig ausspielen, Clara?“ Seine Stimme war ein kalter Befehl, der das Blatt auf den Tisch warf, ohne Umwege.
Clara spürte das schwache Pochen in ihren Schläfen, doch sie zwang sich, die Fassade der Kontrolle aufrechtzuerhalten. Sie musste denken. Schnell. Jeder Moment, den sie zögerte, öffnete Victor neue Angriffsflächen.
„Ich spiele nicht gegen dich, Victor. Ich spiele mit euch beiden“, sagte sie ruhig. Ihre Stimme genug fest, aber mit einem Hauch von Verführung gespickt – ihre Waffe gegen das drohende Chaos.
Leon hob die Augenbrauen, sein Ausdruck schwankte zwischen Skepsis und warnender Vorsicht. „Clara, hör auf mit dem Glücksspiel. Er wird uns beide zerreißen, wenn du nicht aufhörst.“
Sie ließ ihren Blick durch den schmalen Raum schweifen, die schattigen Ecken, die Drohungen in flüsternden Linien an den Wänden. Dann zurück zu Victor, der nun einen Schritt näher kam, sein dunkler Mantel strich fast über ihre Schulter.
„Was willst du?“ Ihre Frage war mehr als nur Worte, sie war ein Test, eine Falle – und eine Bitte um Klarheit.
Victors Augen spiegelten die Kälte des Berliner Winters wider. „Deine Familie. Dein Erbe. Alles, was deine kleine Welt bedeutet. Ich werde es dir nehmen. Nicht, um dich zu zerstören – nein. Ich werde es kontrollieren. Die Macht, die dir zusteht, wird in meinen Händen liegen.“
Leon knirschte mit den Zähnen. „Du verstehst nichts von Respekt. Nur von Niedertracht und Intrigen.“
„Das ist falsch. Ich verstehe sehr wohl, was Respekt bedeutet – gegenüber Stärke. Und ich bin derjenige, der hier das stärkste Blatt hält.“ Victors Stimme wurde tief, durchdringend. „Aber du, Clara… du hast vergessen, mit wem du es zu tun hast.“
Die Spannung schnürte ihren Brustkorb ein. Clara musste handeln, aber wie? Wenn sie diesen Moment verpasste, war alles verloren.
Sie löste langsam den Blick von Victor und sah Leon an. „Leon, du weißt, wie er tickt. Aber ich weiß etwas, was ihr nicht wisst.“ Sie trat einen Schritt näher, fast verschwörerisch. „Victor hat Schmerzen. Schwächen, die er hinter dieser Fassade versteckt.“
Leon runzelte die Stirn. „Was meinst du?“
„Wir beide haben eine Karte, die ihn zu Boden zwingen kann. Doch nur, wenn wir sie zu unserem Vorteil spielen.“ Ihr Blick wurde schärfer. „Also – wollen wir zusammenarbeiten, oder bringt uns das alle um?“
Leon sah sie lange an. Die Entscheidung blitzte in seinen Augen, als hätten sie gemeinsam eine unsichtbare Brücke schlugen. Ein stilles Einverständnis.
Doch Victor schnaubte. „Du glaubst wirklich, ihr könnt mich täuschen?“
Bevor jemand reagieren konnte, vibrierte Claras Handy. Das kalte Licht strahlte über die ledernen Handschuhe, während sie zögernd den Bildschirm freigab.
Eine Nachricht. Ohne Absender. Nur ein einziger Satz:
„Sie wissen von deiner Doppelstrategie. Dein Vater ist nicht sicher.“
Der Raum schien plötzlich zu schwanken. Ein eisiger Schauer kroch ihre Wirbelsäule hinauf, während Victors Mund sich zu einem fast zufriedenen Grinsen verzog.
„Ich fürchte, das war erst der Anfang“, murmelte er und drehte sich langsam um. „Der wahre Angriff kommt erst noch.“
Clara taumelte einen Schritt zurück. Leon griff blitzschnell nach ihrem Arm, hielt sie fest.
„Was passiert jetzt?“, hauchte sie, während die Dunkelheit der Nacht gegen die Fenster drängte.
Victor war schon an der Tür und drehte sich mit einer unverhohlenen Drohung im Blick noch einmal um. „Ich spiele nicht nur mit Karten. Ich spiele mit Leben. Und euer nächster Zug wird euch alle zerstören.“
Das Schloss klickte, die Tür schlug hinter ihm zu.
Der letzte Atemzug der Stille brach, und mit ihm begann alles erneut zu zerbrechen.
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~ Ende Kapitel 13 ~