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Chapter 7

Die versteckte Kammer

Kapitel 7 Die versteckte Kammer

Der Knall der fallenden Tür schlug Lina wie ein Faustschlag in die Rippen. Sekundenlang stand sie reglos da, das Herz hämmerte gegen ihre Brust wie ein entfesseltes Tier. Der kalte Luftzug, der ihr ins Gesicht schlug, trug den modrigen Duft von altem Holz und abgestandenem Staub mit sich – schweren Atems presste sie sich gegen den dunklen Korridor, unwillig, sich der Einsamkeit hinzugeben.

Ihre Finger suchten tastend die Wände ab. Die Tapete war an einigen Stellen aufgerissen, bröckelnder Putz darunter schimmerte blass im fahlen Mondlicht, das durch ein schmales Fenster fiel. Der Flur wirkte endlos, ein Labyrinth aus Schatten und flüsternden Geheimnissen.

Dann die Wand, die ihr bisher verborgen geblieben war. Ihre Hand spürte eine Vertiefung – die Kante einer Tür, kaum sichtbar verkleidet in der Holzvertäfelung. Herzschlag beschleunigte sich noch. Ein geheimer Raum?

Ein leises Knistern durchbrach die Stille, als Lina den Griff berührte. Er war kühl, glatt und schien jahrzehntelang nicht benutzt worden zu sein. Mühsam zog sie, unangenehm quietschend gab die Verdeckung nach. Ein schmaler Spalt öffnete sich, ließ Licht von der Flurbeleuchtung hinein. Ein Hauch von kalter Luft kroch ihr über die Haut.

Sie atmete ein, den Geruch von altem Papier und verbranntem Wachs riechend. Ein Raum, verborgen vor der Welt, so nah und doch so fern.

Das schwache Licht bestätigte erste Umrisse: Regale, vollgestopft mit in Leder gebundenen Büchern und vergilbten Dokumenten. Lina trat ein, das Holzknarren unter ihren Sohlen schickte kleine Staubwolken in die Luft. Die schmale Kammer war kaum mehr als ein Schrankraum, doch die Geheimnisse, die hier lauerten, könnten alles verändern.

An einer Seite bemerkte sie eine kleine Holzkiste, verwittert und mit rostigen Schlössern versehen. Ihr Puls raste. Was, wenn darin der Schlüssel lag, um Konstantins wahre Absichten zu verstehen? Mit zitternden Fingern liftete sie das Deckelband an – und blickte hinein.

Statt goldener Schätze oder brisanter Dokumente fand sie einen zerknitterten Brief, dessen Schrift kaum lesbar war, aber eine deutliche Signatur trug. „E. von Falkenstein“ stand dort, der Name ihres Gegenspielers verwob sich mit einem längst vergangenen Ausblick – eine Warnung oder eine Drohung?

Lina beugte sich tiefer über das Papier, während um sie herum die Schatten zu wachsen schienen. In ihrem Ohr pochte das Echo der schließenden Tür, ein unheilvolles Mahnmal, dass niemand sie hier ungestört finden sollte.

Plötzlich knackte es hinter ihr, und ein kalter Luftzug durchfuhr die Kammer. Lina drehte sich abrupt um – doch die dunkle Wand schien sich nicht zu bewegen. Doch da, kaum sichtbar im schwachen Lichtschimmer, entdeckte sie einen weiteren Riss. Zugleich spürte sie den Hauch einer Präsenz, als wolle das Haus selbst ihr etwas mitteilen.

Mit zitternder Hand schob sie die kleine Holzverschalung beiseite – und stieß auf eine zweite, verborgene Tür. Ein Spalt reichte das Licht des Flurs hinein, dahinter Schweigen. Die Luft dahinter roch nach feuchtem Stein und etwas, das Lina nicht sofort einordnen konnte. Ein Hauch von Gefahr.

Ein Schauder lief ihr den Rücken hinab.

"Was verbirgt sich dahinter?" flüsterte sie kaum hörbar in die Stille.

Dort, hinter der Tür, lag das Geheimnis.

Und vielleicht auch das Ende ihres sicheren Lebens.

Das Knarren des Scharniers hallte laut durch den Flur, während Lina den Griff umfasste und langsam die Tür aufzuschieben begann.