Chapter 8
Kapitel 8 Ein gefährlicher Deal
Das Klopfen, zuerst so leise wie ein Flüstern in einem leergefegten Saal, wurde zur gewaltigen Trommel, die Emil mit Eiseskälte durchfuhr. Seine Brust hob sich schwer, als sein Blick nervös von der Tür zu den Schatten im Raum wanderte. Die Luft schien sich zusammenzuziehen, kühl und feucht – wie der Atem einer Bestie, die hinter dem unsichtbaren Vorhang der Stille lauerte.
Sein Herz hämmerte gegen die Rippen, so ungestüm, als wollte es den Panzer aus Angst sprengen. Doch plötzlich – Stille, ein Atemzug. Ein Rascheln.
Er presste die Hand gegen den kühlen Türrahmen, musste jeden Muskel anspannen, um nicht nachzugeben. Die Finger zitterten kaum merklich, zerrissen zwischen Hoffnung auf Vertraute und Furcht vor Verrat.
Dann öffnete sich die Tür langsam – ein Spalt Licht, der die Dunkelheit zerschnitt.
Leona stand im Schein der Flurbeleuchtung, wie eine Göttin aus schwarzem Marmor, deren Gesicht kein Lächeln kannte. Kalt blitzten ihre Augen, festgelegt, unnachgiebig. Ihr Auftreten war kein Zufall, sondern pure Kalkulation.
„Emil“, sagte sie leise, fast schmeichelnd, doch in der scharfen Zwischenstimme lag ein Versprechen von Gefahr. „Wir müssen reden.“
Er musste schlucken, wollte sich wegdrehen, doch seine Füße blieben fest auf dem Boden. Er wusste: Dieses Gespräch würde mehr verändern als alle nächtlichen Täuschungen zuvor.
Leonas Blick bohrte sich in ihn, suchte nach einem Anker, einem Zeichen von Schwäche. „Ich habe einen Vorschlag. Einen, der uns beide retten kann.“
Emils Verstand raste. Von Rettung konnte keine Rede sein – wenn dabei Leona sagte, „retten“, bedeutete das meistens ein weiteres Netz aus Lügen und tödlichen Fallen. „Warum sollte ich dir noch vertrauen?“ Seine Stimme klang rau, gebrochen von jahrelanger Täuschung.
Sie lächelte dünn. „Weil du keine Wahl hast.“
Im Flur hinter ihr schälten sich Schatten heraus, zwei Gestalten, schwer zu erkennen, doch ihre Präsenz lastete schwer auf der Luft. Die Uhr tickte unbarmherzig – jede Sekunde näherte sie Emil dem Abgrund, den Leona für ihn scharrte.
„Komm mit“, forderte sie, drehte sich um und glitt in den Gang hinaus – bestimmt, als herrsche sie nicht nur über ihn, sondern über das gesamte Schicksal dieser Stadt.
Emil zögerte nicht länger. Trotz des flackernden Zorns, der in seiner Brust brûhte, folgte er Leona durch den labyrinthartigen Gang. Jeder seiner Schritte hallte hohl und bedrohlich, das Knarren der alten Dielen klang wie ein Flüstern von Verrat und Verzweiflung.
Im Verborgenen des Familienanwesen, weit entfernt von den perlmuttfarbenen Kronleuchtern und dem Klirren von Champagnergläsern, öffnete Leona eine schwere Eisentür. Dahinter verbarg sich ein kleiner Konferenzraum, abgedunkelt, schmucklos – ein Tempel aus Macht und Geheimnissen.
Der Raum stank nach billigem Zigarettenrauch und kaltem Kaffee. Auf dem Tisch lagen Papiere verstreut, Aktenordner mit Siegeln, von denen selbst Emil die Bedeutung nicht ganz verstand.
„Dies ist keine Versammlung für Familienthronfolger“, flüsterte Leona und ließ ihren Blick durch die düstere Ecke gleiten.
Dort standen zwei Männer. Einer war größer, mit scharfen Gesichtszügen und Augen, die so kalt blitzten wie Messer in der Dämmerung. Der andere wirkte knochig, nervös, seine Hände zu Fäusten geballt.
„Jarek“, sagte Leona, als könnte das allein jeden Raum in Brand setzen. „Mein gefährlichster Gegner. Und doch heute dein potenzieller Verbündeter.“
Emil biss sich auf die Lippen, während ein Strom aus Misstrauen und Überraschung durch seine Adern schoss. Jarek war ein Schatten aus der Vergangenheit, ein Mann, der ihm schon oft Albträume geschenkt hatte.
„Warum sollte ich jemals mit dir, Leona, zusammenarbeiten?“ Emil trat vor, die Muskeln gespannt, als wollte er jeden Funken Widerstand in ihr auslöschen.
„Weil wir nur so überleben.“, antwortete sie ohne zu zucken. „Die Familie steht am Rande des Abgrunds. Wenn wir weiter zerfleischen, reißt sie alles mit hinunter – inklusive unsere Leben und Positionen. Ich schlage einen Pakt vor.“
Jarek trat vor, seine Augen unverwandt auf Emil gerichtet. Eine Aura von Gefahr und Kälte umgab ihn wie ein unheilvoller Schleier. „Ein Pakt ist nur so stark wie das Misstrauen, das ihm vorausgeht“, sagte er. „Aber ich spiele mit. Solange es sich für mich lohnt.“
Leona lächelte kalt. „Du verstehst es. Beide Seiten profitieren – Macht, Informationen, Zerschlagung der verbliebenen Feinde.“
Emil spürte, wie das Dickicht aus Intrigen sich um ihn immer enger schnürte. Ein Abgrund tat sich auf – würde er in den Abgrund springen? Würde er den gefährlichen Deal eingehen, den seine eigene Schwester eingewebt hatte?
„Und was ist mit mir?“, knurrte Emil, die Stimme zerbrechlich und bemüht, entschlossen zu klingen. „Bin ich der Spielball eurer Machtspielchen?“
Leona trat ihm näher, so nah, dass er den kühlen Hauch ihres Parfums riechen konnte – eine Mischung aus wintergrüner Frische und bitterem Lavendel. „Du bist nicht gebrochen, Emil. Noch nicht. Und genau deshalb brauchst du diesen Handel. Diesen Pakt.“
Eine Sekunde später, der Wendepunkt: Jarek zog ein kleines Gerät aus der Tascheninnenseite seines Jackets – ein unscheinbares Quadrat aus Schwarz, das im gedämpften Licht fast zu leuchten schien.
„Das hier“, sagte er und warf es auf den Tisch, wo es leise summte, „enthält alles, was du suchst: Beweise, verborgene Dokumente, Namen, Treffen – alles, was Leona dich bisher nicht wissen ließ.“
Das Gewicht dieses Angebots lag wie ein Schleier aus Mehltau auf Emils Schultern. Informationen gegen Loyalität? Verrat gegen Überleben? Das düstere Spiel der Blutlinie ließ keinen Platz für reine Helden.
Leonas Augen funkelten durch die Dunkelheit, als sie Emil auffordernd ansah: „Wirst du den Pakt eingehen, Emil? Den Bund mit deinem gefährlichsten Feind schließen – um deine Familie zu retten?“
Seine Faust ballte sich, die Nägel schnitten schmerzhaft in die Handfläche. In der Stille hörte er nur sein pochendes Herz – und das Flüstern des Verrats, das sich in den Schatten breit machte.
Er schloss die Augen. Dieses Bündnis war ein gefährlicher Tanz auf Messers Schneide. Nur eines war sicher: Es gab kein Zurück mehr.
Dann, bevor er antworten konnte, ertönte plötzlich das schrille Pfeifen eines eingehenden Anrufs auf dem Konferenzraum-Telefon.
Alle Augen wanderten wie magnetisch zu dem Apparat. Ein Signal, das mehr erzählte als tausend Worte: Der Schatten des Deals hatte erste Früchte getragen – aber wer hatte die Nachricht geschickt? Und was würden die Folgen sein?
Leona betrachtete das Telefon mit einer Mischung aus Ärger und kalkulierter Gelassenheit. „Das wird unser Problem sein... gleich nachdem wir diesen Pakt geschlossen haben.“
Ich höre, wie das Ticken der Uhr nun lauter wird – beginnt die Uhr für die Familie Barth zu schlagen?
Schnitt.