NoveliqaStaatsfeind im Schatten der Blutlinie / Zweifel an Vertrauten :0%
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Chapter 7

Zweifel an Vertrauten

Kapitel 7 Zweifel an Vertrauten

Das Klopfen hatte aufgehört. Fast sofort schien die Luft im Raum zu erstarren, als wäre sie aus Glas – zerbrechlich, gespannt.

Emils Blick blieb an der Tür haften. Seine Hand lag noch auf dem altem, polierten Schreibtisch, die Finger krampften. Ein feiner Schweißfilm glänzte auf seiner Stirn, obwohl der Raum kühl war.

„Wer war das?“ Seine Stimme klang rau, als müsste er sich zwingen, sie zu kontrollieren.

Alex — sein engster Vertrauter und seit Jahren im Familiengeflecht verwurzelt — stand unbewegt in der Ecke, die Arme verschränkt. Seine Augen hatten diesen leicht abweisenden Glanz, der manchmal Neid verriet, obwohl er es nie sprach.

„Niemand“, antwortete Alex knapp. „Vielleicht nur der Wind.“ Sein Lächeln war ein schmaler Riss in einer bleiernen Maske.

Emil hob eine Augenbraue. Sollte er ihm wirklich glauben? Seit Wochen presste sich ein widerhafter Gedanke in seinen Kopf: Wer in seinem Kreis konnte wirklich loyal sein? Wer webte heimlich Netze, dick und klebrig, für Leona?

Er raffte sich auf. Der Schreibtisch knieend, erhob er sich mit einem Knarren des alten Holzes. Ein bitterer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus.

„Alex,“, sagte er langsam, „das sind keine Windgeräusche. Danach klopfen keine Geister.“

Alex zuckte mit den Schultern und schritt zum Fenster. Draußen schwebten die Lichter der Stadt wie Sternhaufen auf schwarzem Tuch. Regen begann zu fallen, ein feiner, fast unhörbarer Trommelwirbel auf Glas und Blech.

„Du spielst mit dem Feuer, Emil.“, sagte Alex mit einer Mischung aus Warnung und Verachtung. „Wenn du hier Dinge vermutest, die nicht da sind, verlierst du am Ende mehr als nur Vertrauen.“

Emil drehte sich zu ihm um, Griff fest um die Lehne eines Stuhls.

„Vielleicht willst du selbst nicht, dass ich etwas sehe. Oder noch schlimmer: Du hast Angst davor, was ich entdecke.“

Die Luft zwischen ihnen crackelte von Spannung.

Da fiel Emils Blick auf eine kleine, schmale Postkarte, die halb unter dem Tisch hervorlugte. Er hatte sie vorher nicht gesehen. Er hob sie auf.

Die Schrift darauf war zuckersüß und doch bedrohlich:

„Vertrauen ist ein kostbares Gut. Zu leicht verschenkt, zu schwer zurückzugewinnen.“

Keine Unterschrift. Kein Hinweis. Nur dieser Satz.

Sein Herz hämmerte.

„Wer hat das hier hereingeschmuggelt?“, fragte er, doch niemand antwortete.

Wahrscheinlich ahnten sie es: Jemand aus seinem engsten Kreis war Leona näher, als er je hätte vermuten dürfen.

Seine Gedanken rasten. Unter den Lakaien, Getreuen, Kameraden—wer sprach bei ihr hinter seinem Rücken? Wer bespitzelte ihn? Wer machte aus Freundschaft Verrat?

Plötzlich klangen Schritte im Nebenzimmer. Schnell und leise, aber zielstrebig. Eine Silhouette bewegte sich durch das Spaltlicht der Tür.

Emil fuhr herum.

„Wer ist da?“, rief er, die Stimme drängend, fast verzweifelt.

Ein Schatten löste sich von der Wand. Das Profil eines Mannes, den Emil kannte.

Doch der Moment verlangsamte sich, als sich in dessen Augen ein seltsames Funkeln zeigte. Ein Doppelleben offenbarte sich wie eine zerbrochene Spiegelung.

Die Erkenntnis traf Emil wie ein Schlag: Nicht nur Kameraden. Nicht nur Freunde. Nein — Verräter standen dicht hinter ihm, getarnt und gefährlich.

„Du...“, hauchte Emil, der Blick fixierte den Schatten.

„Ich habe deinen Verdacht gehört“, sagte der Mann leise. „Und trotzdem musst du diesmal aufpassen, wem du wirklich vertraust.“

Das war kein Warnung. Das war ein Ruf zur Schlacht.

In diesem Moment blieb Emil keine Zeit mehr für Unsicherheiten.

Ein kalter Knoten schnürte seine Kehle. Wer arbeitet heimlich für Leona? Wer von allen um ihn herum ist der Feind?

Das Klopfen war nicht vorbei.

Es schlug von innen.

Schnitt.