NoveliqaStaatsfeind im Schatten der Blutlinie / Der Preis des Verrats :0%
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Chapter 12

Der Preis des Verrats

Kapitel 12 Der Preis des Verrats

Das kalte Metall bohrte sich tief in meinen Unterarm. Ein stechender, beißender Schmerz schnitt durch das brennende Chaos in meinem Kopf. Mein Atem stolperte, als ich keuchend auf den Boden sackte. Um mich herum verschwammen die Schatten der Nacht zu einem abstrakten Gemisch aus Dunkelheit und rotem Licht – sirrende Neonzeichen, die sich verzerrten wie Gedankensplitter.

„Du dachtest wirklich, du könntest mir entkommen?“ Eine Stimme, kalt, vernichtend. Kein Zweifel: Leona.

Fünf Meter entfernt stand sie, bleich, die Augen schwarz vor kalter Wut, die Lippen zu einer gefährlichen Linie gepresst. Das Messer, das ich Sekunden vorher in meinem Arm spürte, hielt sie in der Hand. Glänzend vor Blut, funkelnd vor Bedrohung.

Mein Kopf dröhnte, das Blut pochte in meinen Ohren, und doch zwang ich mich, mich aufzusetzen. Jeder Muskel in mir schrie vor Schmerz. Doch mein Blick blieb starr auf sie gerichtet.

„Warum?“ Meine Stimme war rau, brüchig, nicht mehr als ein Flüstern. „Warum tust du das, Leona? Du bist... Familie.“

Ihr kaltes Lachen durchschnitt die eisige Luft. „Familie? Hier geht es um Macht, Emil. Du hast unsere Linie verraten, unser Erbe zerstört. Dein Anspruch ist nichts als ein Schatten deiner Schwäche.“

Ich biss die Zähne zusammen, die Finger krallten sich in den feuchten Asphalt. Verdammt, es fühlte sich an, als würde das Leben aus mir herausfließen – aber aufgeben? Niemals.

„Verraten habe ich niemanden. Ich kämpfe nur für das, was rechtmäßig mir gehört.“ Die Worte kamen härter heraus, als ich geplante. „Du bist blind vor Angst, dass ich den Thron zurückerobere.“

Ein Funken von etwas Unbekanntem blitzte in ihren Augen auf – Schmerz? Zögern? Oder war es Täuschung?

Sie trat vor, ihre Schritte hallten dumpf gegen die grauen Wände des verlassenen Hinterhofs. „Du bist nicht mehr der kleine Junge, den ich kannte, Emil. Du bist ein Feind. Und ich werde alles zerstören, was du liebst, um an der Spitze zu bleiben.“

Ich wollte antworten, doch meine Stimme versagte mir. Stattdessen spürte ich, wie der Schmerz in meinem Arm pochend wurde – langsam begann das Bewusstsein zu schwinden. Dunkelheit krabbelte vom Rand meines Blickfelds.

Doch dann spürte ich eine Berührung – kaum mehr als ein Flügelschlag, sanft und doch bestimmt.

„Nicht so leicht aufgeben, großer Bruder.“ Die Stimme war leise, aber voller Nachdruck.

Ich hob die Augen und sah Mira, meine Vertraute und Verbündete, die sich durch das Chaos gekämpft hatte, sie nahm meine Hand und zog mich hoch. Ihre Hände waren warm, ihre Augen brannten vor Entschlossenheit. „Komm, wir haben keinen Moment zu verlieren.“

Leona knirschte mit den Zähnen, ihre Faust ballte sich um das Messer. Doch sie wusste, dass dieser Kampf heute nicht enden würde.

Mira half mir, auf unsicheren Beinen zu stehen. Das Blut tropfte von meinem Arm auf den kalten Boden, ein dunkler, sprechender Zeuge für das Dolchstechen, das mehr als Fleisch verletzt hatte.

„Wir müssen reden“, flüsterte Mira, drängend. „Ich habe etwas herausgefunden – etwas, das alles verändern könnte.“

„Was?“ Trotz des Schmerzes rang ich nach Klarheit.

Sie holte tief Luft, ihre Miene verfinsterte sich. „Leona hat einen geheimen Deal mit den Hohen Räten. Sie verkauft unsere Familie – und dich - Stück für Stück.“

Die Worte trafen mich wie eine dumpfe Explosion. Verrat, ja, aber nicht nur zwischen Geschwistern. Ein Netz aus Intrigen, das bis in die Gänge der Macht reichte, die ich zurückerobern wollte.

Ich schluckte schwer. Die Entscheidung stand zwischen mir – zwischen Vergebung und Rache.

Würden die Wunden, die sie mir geschlagen hatte, je heilen?

Oder war der einzige Weg die Zerstörung, die ich mir selbst schwor?

Mein Blick wanderte zur blutbefleckten Klinge in ihrer Hand, die wie ein Fluch zwischen uns schwebte.

„Emil“, flüsterte Mira eindringlich. „Was wirst du tun?“

Ein Windstoß raste durch den Hinterhof. Die Schatten wurden länger, kälter. Meine Finger umklammerten unbewusst den nassen Pflasterstein.

Ich musste mich entscheiden.

Für den Krieg, der in meiner Brust tobte.

Oder für die Hoffnung auf Erlösung.

Das letzte Licht glitt aus dem Himmel, verschwand.

Und mit ihm die Antwort, die ich so dringend brauchte.

Doch noch lag sie verborgen.

Willst du Rache?

Oder Vergebung?

Mein Herz pochte laut in der Stille.

Die Entscheidung lag schwer vor mir wie ein Dolch im Dunkeln.

Und ich wusste: Mein nächster Schritt würde alles verändern.

Ende Kapitel 12