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Chapter 6

Zerbrechliche Allianz

Kapitel 6 Zerbrechliche Allianz

Das Schweigen schien schwerer als Blei, drückte auf ihre Brust, erstickte jeden Atemzug. Emma stand reglos, die Finger krallten sich fest in die lederbezogene Armlehne des Stuhls, als wolle sie ihn zerreißen, um etwas zu spüren, das realer war als die drohende Stille.

Leon saß ihr gegenüber, die Kälte in seinen blauen Augen schnitt tief wie ein scharf geschliffenes Messer. Kein Wort. Nur das leise Ticken der antiken Standuhr im Raum, das wie ein unbarmherziger Countdown klang.

«Also gut», brach Emma endlich das Schweigen, die Stimme rau und kaum mehr als ein Flüstern, das dennoch die ganze Spannung zerschnitt. «Was schlägst du vor?»

Leon lehnte sich vor, der Schatten, den seine Gesichtszüge verdeckte, verfälschte alles, was sie glauben wollte. Was hatte er vor? Und warum suchte er nun diese Nähe – diese Gemeinsamkeit? Sein Ton war hart, aber nicht unwirsch.

«Wir haben ein Problem, Emma. Etwas Größeres als unsere Fehde.»

Die Worte hingen zwischen ihnen, schwer und unverrückbar.

Emma spürte, wie sich eine Linie von Frost unter ihrer Haut auszubreiten begann. «Und du willst, dass ich dir helfe?»

Leon nickte knapp, mit einem schiefen Grinsen, das keine Freude ausdrückte, sondern kalkulierte Kälte.

Ihr Herz schlug schneller, die Erinnerung an vergangene Verrätereien brannte wie ein glühender Dorn in ihrer Seele. Doch ohne ihn würde die Wahrheit, die sie so verzweifelt bewahrte, zerbröckeln wie altes Glas.

«Warum ausgerechnet ich?», fragte sie und versuchte, ihre Stimme zu stärken, die Angst zu übertönen.

«Weil du die Einzige bist, die Zugriff auf das hat, was wir brauchen.» Seine Stimme leise, fast schon vertraut – ein gefährlicher, verführerischer Ton.

Die Luft zwischen ihnen knisterte, als würden Funken fliegen. Emma konnte fast den Geschmack von Blut im Mund spüren, das Ergebnis zu vieler verletzter Versprechen.

«Was ist dein Preis?», fragte sie, ohne Hoffnung auf eine ehrliche Antwort.

Leon zog die Schultern hoch und verschränkte die Arme. «Meine Bündnisse sind immer teuer. Aber diesmal – vielleicht anders.»

Emma biss sich auf die Lippe und wählte ihre Worte sorgfältig, während ihre Gedanken raste. Ihr Blick wanderte zum Fenster, wo die Nacht wie ein undurchdringlicher Schleier lag.

«Also... eine Allianz auf Zeit?», murmelte sie, das Wort schmeckte bitter.

Leon nickte, ein sardonisches Lachen fast in der Kehle. «Flexibel genug, um zu überleben.»

Die Zeiger der Uhr bewegten sich weiter, die Sekunden verstrichen ohne Erbarmen.

Emma spürte, wie sich ein Netz aus Misstrauen und Hoffnung zugleich spannte, das sie fest umschloss. In diesem Moment gab es keinen klaren Feind – nur zwei Verbündete, die gezwungen waren, zusammenzukämpfen, obwohl jeder den anderen am liebsten in Stücke reißen würde.

Sie richtete sich auf, ihre Augen entflammten mit neuer Entschlossenheit. «Wir regeln das. Aber nur wenn...»

Leon legte die Hand auf den Tisch, das Leder quietschte leise unter dem Druck. «Sag es.»

Emma zögerte einen Herzschlag. «Kein Verrat. Keine Geheimnisse.»

Eine seltsame Stille folgte, als Leon sie musterte, als würde er alle Lügen von ihr abschälen und bloßlegen.

Dann kam das Nicken – langsam, diplomatisch, wie ein Zeichen zu einem fragilen Waffenstillstand.

«Abgemacht.»

Draußen heulte der Wind durch die leeren Gassen, ein einsamer Begleiter ihrer zusammengefügten Schicksale.

Doch als Emma aufstand und den Raum verlassen wollte, blieb ihr Blick an der Schattenlinie haften, die sich hinter Leon verdrängte – ein dunkles Versprechen, das ihr Herz in der Brust gefrieren ließ.

Wem konnte sie wirklich trauen? Die Dämmerung schlich heran, und mit ihr die Frage, die wie ein Dolch in ihre Seele stach. Wen würde sie verlieren, bevor die Nacht sich legte?

Ein leises Klopfen an der Tür ließ Emma erstarren. Sie drehte sich langsam um – und blickte genau in das Augenpaar, das sie am wenigsten erwartet hatte.