NoveliqaSchwur aus zerbrochenem Glas / Bruchlinien in Freundschaft :0%
Log in

Chapter 11

Bruchlinien in Freundschaft

Kapitel 11 Bruchlinien in Freundschaft

Die Tür schwang langsam auf, und ein Schwall kalter Luft schlug Emma entgegen. Der dunkle Raum dahinter schien zu atmen, als hätte er lange auf diesen Moment gewartet — und nicht anders erwartet, dass sie kommen würde. Es roch nach altem Staub und einer Spur von verfallenem Holz, doch unter all dem lag etwas Schärferes, Unverkennbares: Angst und Verrat.

Ein Schatten bewegte sich darin, stumm, doch voller Präsenz. Dann blitzte ein Gesicht auf, halbbedeckt vom Zwielicht – Leon Krüger.

„Du bist zu spät“, flüsterte er, seine Stimme hart wie Splitter, die in einem Glas zerbrechen.

Emma drückte die Tür weiter auf, den Atem flach, die Finger noch immer an der Klinke. Ihr Blick bohrte sich in seine, suchte nach Zeichen von Schwäche, nach jenem Funken, den sie früher in seinen Augen gesehen hatte — der Funke ihres gemeinsamen Paktes. Aber da war nichts mehr. Nur frostige Entschlossenheit.

„Leon,“ sagte sie nur. Kein Vorwurf, keine Frage. Nur sein Name, ein zögernder Anker an Vergangenem.

Er trat vor, die Schatten um sich wie eine Rüstung um seinen Körper. „Ich hab alles herausgefunden, Emma. Alles, was du verstecken wolltest.“

Die Worte sanken zwischen ihnen wie kalter Nebel. Emma spürte, wie sich ihre Muskeln anspannten, als wäre ihre Haut plötzlich zu dünn.

„Was meinst du?“ Ihre Stimme klang fremd, fast brüchig.

Leon lächelte bitter. „Diesen Pakt. Unseren Schwur. Du hast mich damals belogen, hintergangen — und ich hab zugesehen, wie deine Familie auseinanderfiel. Du hast...“ Er holte tief Luft, ließ die Worte dann wie Dolche fallen: „Du hast alles dem Verräter überlassen.“

Emma rückte einen Schritt zurück, kalter Schweiß kroch ihr den Rücken hinab. Die Vergangenheit, die sie so sorgfältig in alle Winkel ihres Gedächtnisses verbannt hatte, begann aufzubrechen.

„Du verstehst es nicht“, flüsterte sie. „So viel von dem, was wir taten, war für den Schutz — für uns alle.“

Leon lachte, doch es war kein ehrliches Lachen. „Schutz? Du hast mich verraten, Emma. Indem du die Wahrheit verdreht hast, hast du unsere Freundschaft zerschlagen. Unsere Familie zerstört. Du hast...“

Sein Blick brach, wurde plötzlich weich — für eine flüchtige Sekunde. Doch dann schloss er die Augen und öffnete sie wieder, schärfer, entschlossener.

„Was verbirgt das Geheimnis, das alles zerstören könnte?“ fragte Emma stumm, fast hoffend, dass die Antwort nicht die Welt zerreißen würde, an der sie so verzweifelt festhielt.

Leon trat einen Schritt näher, der Abstand zwischen ihnen schmolz. Seine Stimme wurde kaum mehr als ein Hauch, düster und intensiv.

„Es sind nicht nur Worte, nicht nur Versprechen – es ist die ganze Wahrheit über den Pakt. Und das Verrat, der ihn schon vor Jahren zerbrochen hat.“

Emma spürte, wie ihr Herz einen Takt übersprang. Da war etwas, das sie noch nicht wusste — etwas Dunkleres als jede ihrer Ängste.

Sie hob die Hand, als wollte sie nach seinem Gesicht greifen, doch stoppte sie. „Dann sag es, Leon. Sag mir, was ich hören muss, auch wenn es alles zerstört.“

Leon sah sie lange an. Ein Schwur lag in seinem Blick, der tiefer ging als Worte. Er begann zu sprechen, doch das, was folgte, sollte alles verändern.

Ein hartes Pochen an der Tür riss sie aus der Stille – drohend, unheilvoll.

Das Geheimnis schwebte zwischen ihnen — bereit, sie beide zu zerreißen.

---

Fortsetzung?