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Chapter 10

Der verborgene Feind

Kapitel 10: Der verborgene Feind

Emmas Brust hob sich keuchend, während kalter Nachtwind durch die Alleen zog und die Blätter leise raschelten. Ihr Herz fühlte sich an, als wollte es aus der Brust springen, der kalte Schweiß rann ihr über den Nacken. Sie blieb abrupt stehen, drehte sich um. Dort, nur wenige Schritte hinter ihr, stand er — Leon. Seine Augen funkelten im dämmrigen Schein der Straßenlaternen, und ein Schatten legte sich über sein Gesicht, der mehr sagte als Worte je könnten.

„Emma! Warte!“ Seine Stimme war rau, fordernd, doch nicht wütend. Hinter dieser Forderung schwang etwas anderes mit, ein zögerliches Flehen.

Sie ballte die Hände zu Fäusten, der Druck in ihrem Brustkorb wurde größer, als wären alle alten Wunden erneut aufgerissen. Ihre Stimme kam leise, fast brüchig: „Warum folgst du mir?“

Leon schritt näher, aber der Abstand blieb respektvoll, fast berechnend. Sein Blick glitt suchend über ihr Gesicht, als versuche er, das zu lesen, was sie weigerte zu zeigen.

„Weil du in Gefahr bist, Emma.“ Ein flüchtiges Zittern schlich sich in seine Stimme, als suche er nach einem Weg, sie zu überzeugen, ohne zu erklären, wie tief der Verrat wirklich ging.

Sie musterte ihn argwöhnisch. Gefahr? Von wem? Von ihm? Von den Schatten, die in der Stadt ihre dunklen Finger nach ihr ausstreckten? Oder von jemandem viel Näherem?

Ein kaltes Prickeln kroch ihren Rücken hinauf, als ihre Gedanken zurücksprangen, zu den letzten Tagen, zu den Gesprächen und all den kleinen Unstimmigkeiten. Den verlorengegangenen Dokumenten. Den fremden Nachrichten auf ihrem Handy. Und zu allem Überfluss — das Verschwinden von Jens, ihrem engsten Vertrauten.

Leon bemerkte den Wechsel in ihrem Ausdruck. „Du weißt, dass ich nicht gekommen bin, um dir zu schaden.“ Die Worte klangen fast wie ein Versprechen, zerbrechlich und doch unverkennbar.

Emma schloss die Augen einen Moment lang, atmete tief durch und öffnete sie dann mit neuer Entschlossenheit. „Wenn du glaubst, ich könnte dir trauen, hast du die letzten Wochen nicht mitbekommen.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch jeder Ton vibrierte vor Verzweiflung und Kampf.

Er lächelte bitter. „Dann müssen wir es gemeinsam herausfinden. Wer will dich wirklich zerstören, Emma?“

Sein Angebot schien sowohl Versuchung als auch Falle zu sein. Doch bevor sie antworten konnte, wurde die Stille von der schrillen Stimme ihres Handys zerschnitten.

Sie zog es hastig aus der Jackentasche. Eine neue Nachricht. Absender unbekannt.

Mit zitternden Fingern öffnete sie die Nachricht:

„Nicht alle Feinde tragen Masken. Schau in deinen Kreis.“

Emma spürte, wie sich der Raum um sie dichter, schwerer anfühlte, während ihr Blick sich von Leon zu den dunklen Fenstern der Häuser strich, als würden sie etwas verbergen.

„Wer... wer soll das sein?“ hauchte sie.

Leon runzelte die Stirn, seine Augen leuchteten entschlossen. „Jemand, der uns beide kennt. Und der diesen Krieg noch weiter antreiben will.“

Die Dämmerung wich der pechschwarzen Nacht, und ihre Schatten verschmolzen zu einer einzigen Frage, die Emma kaum zu atmen erlaubte: Wer hinterging sie — ausgerechnet unter denen, die sie als Familie und Verbündete betrachtete?

Schweißtropfen glitzerten auf ihrer Stirn, ihre Finger krampften sich um das Handy. Das Flüstern in der Nacht ebbte nicht ab. Stattdessen verwandelte es sich in ein beharrliches Pochen, das ihr ins Blut schnitt.

„Wir müssen den Verräter finden,“ sagte sie schließlich, ihre Stimme kaum mehr als ein Versprechen.

Leon nickte, sein Blick versprach Wachsamkeit. „Bevor uns alles entgleitet.“

Sie wussten beide, dass die Zeit gegen sie spielte. Und dass die nächste falsche Bewegung ihr geradezu den Hals brechen würde.

Ein unerwartetes Klopfen hallte an der Haustür des alten Hauses, das Emma seit ihrer Rückkehr bewohnte.

Beide erstarrten.

Emma trat langsam zur Tür, die Hand noch immer um das kalt glänzende Handy geschlossen.

„Wer könnte das jetzt sein?“ murmelte sie leise.

Leon trat unmerklich hinter sie, bereit für alles, was sich hinter jener Tür verbergen mochte.

Sie legte die Hand an die Klinke.

Ihr Herz gellte in der Stille auf, bevor die Tür einen Spalt weit aufsprang — und die Dunkelheit eine neue Bedrohung enthüllte.