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Chapter 6

Der Mentor wird zum Feind

Kapitel 6 Der Mentor wird zum Feind

Das Echo hallte noch in Elias’ Ohren, lange nachdem der Bildschirm schwarz geworden war. Die neonbunten Reflexe der Megacity draußen flimmerten schemenhaft durch die zerkratzte Fensterscheibe seines Büros, aber für Elias schien die Welt plötzlich in stumpfes Grau zu tauchen.

Jede Faser seines Körpers spannte sich an. Sein Atem ging stoßweise, die Hände krallten sich in den Rand des Schreibtisches, als suche er darin Halt — oder vielleicht Haltlosigkeit, je nachdem.

Viktor Draylen. Der Name pulsierte wie ein düsterer Herzschlag in seinem Kopf.

„Wie tief steckt er wirklich in meiner Vergangenheit?“ murmelte Elias und sein Blick verfinsterte sich. Draußen strömte der Regen in langen, klebrigen Fäden die Scheiben hinunter, das monotone Trommeln wie das Pochen eines unaufhaltsamen Vergehens von Sekunden und Minuten, die er in der Zeitschleife zu retten versuchte.

Sein Büro lag verlassen da, außer dem schwachen Brummen des Computers und dem leisen Klirren einer zerbrochenen Kaffeeschale, die er unbemerkt fallen ließ.

Der Flur außerhalb war still, zu still, als hätte die Zeit selbst den Atem angehalten.

Ein leises Klopfen - scharf, fast unsicher - riss ihn aus seiner Starre.

„Elias? Bist du das?“ Die Stimme kam überraschend nah, jäh, belegt von Sorge.

Er drehte sich abrupt zum Eingang. Lara stand dort, die Stirn sorgenvoll gefurcht, ihre Augen suchten etwas hinter seiner Fassade.

„Lara… Ja, ich bin’s.“ Seine Stimme war rau, ungeschliffen, wie aus einem zu tiefen Brunnen gezogen. Er zwang sich zur Normalität, doch das flimmernde Feuer in seinen Augen verriet anderes.

Sie trat näher, den schrillen Regen an der Jacke abklopfend. „Was ist passiert? Du klingst, als hättest du jemanden gesehen... oder noch schlimmer.“

Elias schüttelte langsam den Kopf und atmete tief durch, spürte, wie das Gewicht der Enthüllung auf seinen Schultern lastete.

„Viktor Draylen war nie nur ein namenloser Feind aus der Ferne, Lara. Er... war viel näher dran, als ich es mir eingestehen wollte.“ Seine Finger zitterten leicht, als er eine unsichtbare Linie durch die Luft zog, als versuchte er, die unsichtbaren Verbindungen zu zerreißen.

„Wie meinst du das?“

Er wich nicht zurück. „Er war mal mein Mentor. Nicht nur im Job — in allem.“ Sein Blick verhärtete sich, als er in die Erinnerung eintauchte. Bilder blitzten auf, vergrabene Momente der Jugend, intime Gespräche in rauchigen Hinterzimmern, Versprechen, die nie gehalten wurden.

Lara trat einen Schritt zurück, als wäre die Aussage ein Schuss durch die Luft gewesen, der die Wand zwischen ihnen durchschlug. „Du bist dir sicher? Das würde vieles erklären - auch, warum er so viel über deine Schwester wusste.“

Elias nickte stumm, die Zähne zusammengebissen. „Und warum die Zeitschleife um sie herum sich anders verhält als alle anderen.“ Seine Stimme wurde leiser, beinahe ein Flüstern. „Er hat meine Familie manipuliert. Vielleicht sogar zerstört.“

Ein greller Blitz zuckte über die Dunkelheit draußen, beleuchtete kurz ihr angespanntes Gesicht.

„Und das Verrückteste,“ presste Elias hervor, „ist die Frage: War Viktor jemals wirklich auf meiner Seite?“

Lara sah ihn an, die Pupillen geweitet, das feine Zittern in ihren Lippen unterdrückend.

„Wir müssen das herausfinden, bevor er den nächsten Zug macht.“

Da vibrierte plötzlich Elias' Kommlink auf dem Tisch. Das Display flackerte auf. Eine einfache Nachricht:

— Sie beobachten dich. Nicht nur die Straßenscanner.

Der Absender war unbekannt. Ein Schaudern lief Elias den Rücken hinab.

Ein weiterer Schlag traf seine Welt: Dieses Mal war es kein physischer Knall, sondern ein Aufprallen in seinem Innern.

Er war nicht nur Gejagter.

Er war Teil eines viel größeren Spiels – und Viktor hielt die Regeln in der Hand.

Das Knarren der Tür hinter ihnen war für einen Herzschlag das Einzige, was den Raum erfüllte.

Elias richtete sich auf, der Hass entflammte in seinen Augen zu einem lodernden Feuer. „Lara, wir haben nur ein Ziel: herausfinden, wie tief seine Kontrolle reicht – und dann zuzuschlagen.“

Doch als er die Tür öffnete, um sich in die nasse Dunkelheit der Stadt zu stürzen, überkam ihn ein letzter Zweifel, so unvermittelt wie ein kalter Windstoß.

War Viktor je wirklich auf Elias’ Seite gewesen?

Das Flimmern einer fremden Silhouette verschmolz mit den Schatten der Straße. Und das Spiel schlug eine neue Runde vor.

*

[Ende Kapitel 6 – Fortsetzung folgt...]