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Chapter 3

Der erste Kreislauf

Kapitel 3 Der erste Kreislauf

Elias stand reglos auf dem Riffelblech der Dachterrasse. Die grellblauen Neonstreifen der Megacity schienen ihn förmlich zu durchbohren, während ein eisiger Wind die Asche seines letzten Atems von den Lippen riss. Sein Herz pochte, dumpf und hart, als wäre es in einen Stahlkäfig gesperrt. Alles um ihn herum fühlte sich an wie ein nachhallendes Flüstern – Zeit, die zitterte, kurz vorm Zerreißen.

„Bist du bereit, Elias?“ — diese Stimme.

Doch diesmal antwortete er nicht. Stattdessen schluckte er den bitteren Geschmack der Zweifel hinunter, der sich auf seiner Zunge ausbreitete. Jede Faser seines Körpers spannte sich an, als etwas in ihm zu pulsieren begann: eine zarte Resonanz, ein Echo, das größer war als sein eigener Wille.

Er trat zurück vom Rand der Terrasse, weg von dem gleißenden Flimmern der Megacity, und spürte, wie sein Blick sich verschleierte. Dann passierte es.

Die Welt taumelte.

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Wieder.

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Das scharfe Neonlicht verwandelte sich in ein helles Leuchten, in das langsam graue Konturen einsickerten. Der kalte Wind rauschte in seinen Ohren, vermischte sich mit einem fernen Sirenengeheul, das sich regelrecht in seinen Schädel bohrte. Elias sah sich selbst, auf derselben Terrasse, denselben Riffelblechboden unter seinen Füßen.

Aber er wusste, dass es dieselbe Szene war. Wiederkehrend. Unentrinnbar.

Das Geräusch seiner eigenen Schritte hallte laut durch den Morgen, der in einem dumpfen Geräusch der Stadt begann. Verkehrslärm, das ferne Murmeln der Menschen, das unaufhörliche Klick-Klack seiner eigenen Stiefel über das Metall.

Wieder hatte er die Erinnerungen an den Tod seiner Schwester. Die widerspenstige Erinnerung an jene Nacht, als die Zeit zerbrach und sein Leben auseinandergerissen wurde.

Doch diesmal fühlte sich alles anders an. Als würden Splitter vergangener Momente sich mit der Gegenwart verweben, Schatten aus einer anderen Realität in seine Wahrnehmung sickern.

Seine Finger krampften um den Griff seines schwarzen Ledermantels, der unter dem dünnen Neonlicht leicht glänzte. Schwere Luft hing über der Stadt, vermischt mit dem metallischen Geruch von Regen, der in wenigen Augenblicken fallen würde.

Elias trat in den schmalen Gang zwischen zwei zerfallenen Gebäuden, wo das Flimmern alter Werbeplakate den modrigen Beton randvoll mit künstlichem Licht tränkte.

Ein Klirren — ein dumpfes Geräusch, als würde Metall auf Metall schlagen, kam von vorne.

Er stoppte abrupt. Die Geräusche wiederholten sich, als gehörten sie nicht nur zum Heute, sondern auch zum Gestern und Morgen zugleich.

Eine Stimme hallte aus einem nahen Durchgang, brüchig und rostig, aber mit Nachdruck: „Du hast keine Chance, Elias. Gib auf.“

Er spannte sich an, seine Sinne schärften sich wie die Klinge eines Messers.

„Das hast du schon oft gesagt, Viktor. Und trotzdem folge ich dir.“

Keine Antwort. Nur das Echo seiner Worte, das zwischen den Betonwänden zerriss.

Dann das kurze Zucken in seinem Bewusstsein — ein Moment, in dem die Realität für eine Sekunde zerbrach und sich neu formte.

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Zurück in seinem spärlich möblierten Apartment, weit über der glühenden Innenstadt, saß Elias auf dem abgewetzten Sofa. Die Stadt draußen pulsierte im Takt der künstlichen Zeit: schwindelerregend schnell, zäh und unerbittlich.

Er starrte auf das zerkratzte Display seines Tablets, das die endlose Schleife der Zeitanomalien zeigte, die sein Leben zur Falle machte. Dreidimensionale Zeitlinien bildeten ein verworrenes Spinnennetz, das jede seiner Bewegungen begrenzte.

Ein merkliches Frösteln kroch über seinen Rücken, obwohl der Raum geheizt war.

Sein Blick verfing sich in einem Bild: das Lächeln seiner Schwester, eingefroren auf einem verblassten Foto, das wie ein Funken Wärme in der Kälte seiner Realität wirkte.

Er schloss die Augen und eine fremde Erinnerung riss an seinen Gedanken.

War das wirklich seine Erinnerung?

„Du hast mich vergessen“, flüsterte eine Stimme, die nicht seine eigene war.

Der Raum begann zu verschwimmen. Farben verloren ihre Konturen. Zeit schien sich zu dehnen und zusammenzuziehen, als eine weitere Schleife ihn packte – doch diesmal fühlte er etwas Neues: Vertrautheit.

Elias’ Herz hämmerte. Er öffnete hastig die Augen und blickte sich um.

Sein Verstand raste. War ihm das hier schon einmal passiert? Oder war es ein Echo aus einer anderen Schleife? Ein Fragment seines eigenen gequälten Bewusstseins, das sich selbst gegen den Strudel der Zeit wehrte?

Die Stimme, das geflüsterte Echo, das verlorene Fragment – sie rüttelten an seinem Verstand wie stählerne Fesseln.

Warum fühlte er plötzlich diese Erinnerungen?

Ein kaltes Prickeln rann seine Wirbelsäule hinab. Er war nicht mehr nur ein Spielball der Zeitschleifen.

Er war beginnend, sie zu verstehen.

Die Frage blieb in der Luft hängen wie ein unsichtbarer Schleier: War das der Anfang vom Ende – oder der Anfang von etwas Neuem?

Die Stadt unter ihm glühte drohend.

Das Echo der Zeit hatte gerade erst begonnen, ihn zu suchen.

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Ein dumpfes Klanggeräusch aus der Tür.

Jemand war da.

Elias’ Finger ballten sich zur Faust.

„Wer immer du bist...“, flüsterte er mit der Stimme eines Mannes, der zu lange auf den Abgrund gestarrt hatte, „du hast mich gefunden.“

Und plötzlich durchfuhr ihn ein Blitz.

War es nur Erinnerung – oder war da mehr?

Das erste Mal in der endlosen Schleife.

Er wusste es nicht.

Und die Stadt schwieg.