Chapter 14
Kapitel 14 Verlorene Zeitfragmente
Das Gewicht in Elias’ Brust fühlte sich wie kaltes Blei an, das langsam die Lunge zusammendrückte. Atemlos starrte er auf die wenigen verstreuten Datenfetzen, die auf dem holografischen Display vor ihm flimmerten – bruchstückhafte Erinnerungen, im digitalen Staub der Zeitschleifen verloren und verstümmelt.
Sein Blick flackerte, die Neonlichter draußen warfen gespenstische Schatten an die Betonwand seines Verstecks. Ein letzter Atemzug schoss kurz durch seine Kehle. Die Kälte kroch an seinen Knochen hoch, ein unerbittlicher Frost, der ihm die Haut bis zur Schmerzgrenze tauben ließ.
Warum nur diese Fragmente? Warum zerbrachen die Erinnerungen, verschwanden, als wären sie nie da gewesen?
Mit zitternden Fingern strich er über das Touchpad. Ein verzerrtes Bild erschien – ein Ort, den er nur aus vagen Träumen kannte. Die Straße war von fluoreszierenden Reklametafeln hell erleuchtet, Regen rinnt über spiegelnde Asphaltflächen und hüllte alles in ein silbriges Glitzern. Doch das Bild flackerte, zerplatzte wie ein Glas unter zu viel Druck.
Sein Herz hämmerte. Ein dumpfes Pochen durchdrang die Stille des Raums – das Pulsieren der Stadt, ihr stetiger Atem, so fremd und doch so vertraut.
„Verdammt…“, knurrte er und streckte sich gequält. Die Erinnerung hallte in seinem Kopf nach, unvollständig, verzerrt, wie ein Lied, bei dem das abschließende Akkordfragment fehlt.
Elias kroch vom kalten Boden hoch, ließ den Blick nicht von den flüchtigen Bildern. Seine Atmung beschleunigte sich, bis sie ein scharfes, keuchendes Rattern annahm. Fragmente seiner Schwester — verschwommen, wie Schatten im Nebel – blitzten auf. Ihre Augen, so lebendig, dann scharf verschwommen.
Er zerrte sich die Gedanken zusammen. Jedes dieser zerbrochenen Stücke war Schlüssel und Fluch zugleich. Wenn er mehr zusammensetzen konnte, würde er die Schleife vielleicht durchbrechen. Doch jedes Mal, wenn er zu tief graben wollte, riss ihn eine unsichtbare Hand zurück.
„Warum verschwinden sie?“, flüsterte er, die Stimme rau, zu sich selbst.
Ein leisestes Klopfen an der Tür ließ ihn herumfahren. Seine Reflexe waren geschärft: Schnell drehte er sich um, bis die metallene Tür zögernd knarrte und der schmale Spalt ein bleiches Neonlicht hereinströmte.
Kein Geräusch – nur ein kalter Windzug, der durch den Spalt wehte.
Sein Herz sackte ein Stück, als sein Hirn das Unmögliche flüsterte: War die Zeit hier ebenso labil wie die Erinnerungen? War das, was ihn verfolgte, kein Gegner aus Fleisch und Blut, sondern etwas, das in jedem Moment zwischen den Sekunden lauerte?
Er biss die Zähne zusammen und griff erneut nach dem Display. Auf dem Bildschirm tauchte jetzt ein unvollständiges Video auf – das Gesicht seiner Schwester, schemenhaft, verzerrt, als würde es von einer unsichtbaren Hand zerkratzt.
Das Bild riss ab. Schwarze Stille.
„Nein…“, murmelte Elias. Seine Stimme zerbrach wie ein zerbrechendes Stück Glas. Er hatte so oft den Verlust gespürt, aber nie so intensiv wie jetzt, wo er zwischen den Bruchstücken der Zeit gefangen war.
Er riss die Augen auf. Etwas stimmte nicht – die Luft schien dichter, unnatürlich, fremd. Plötzlich explodierte sein Herz in seinem Brustkorb, die Zeit schien zu stocken.
Warum verschwanden diese Erinnerungen immer wieder?
Ein kaltes, leises Summen durchzog den Raum, wie das Flüstern einer verborgenen Maschine, die durch die Adern der Realität pulsierte. Sein Puls raste, während das Display erneut begann zu flimmern.
Noch ehe er reagieren konnte, zerbrach das Bild – wie ein Augenblick, der nie existieren sollte. Die Tür öffnete sich einen Spalt mehr.
Sein Schatten verschmolz mit der Dunkelheit, während ein leiser Hauch von Verrat durch die Neonstrahlen sickerte.
Und irgendwo, hinter der schmalen Öffnung, lauerte die Wahrheit – bereit, das fragile Geflecht seiner Welt endgültig zu zerreißen.