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Chapter 13

Das Schattenprojekt

Kapitel 13 Das Schattenprojekt

Die Tür schwang auf — langsam, als ob sie selbst zögerte, dem Moment zu weichen.

Elias erstarrte mitten im Atem, die Nachricht „Die Schleife blutet“ noch wie ein schmerzender Stich in der Brust.

Ein Schatten zeichnete sich im schmalen Lichtstreif der Neonlaternen unter dem offenen Himmel ab. Seine Stimme war rau, brüchig, aber gespenstisch ruhig: „Du solltest das hier nicht wissen.“

Elias drehte sich langsam um, die Augen blutunterlaufen vom Schlafmangel, die Hände noch immer um das vibrierende Gerät geklammert. Der Fremde trug einen langen Mantel, das Gesicht von einem dünnen Schleier aus Nebel und Kälte verhüllt. Einen Moment lang trommelte das Herz in Elias’ Schädel, wie ein wilder Trommler, der seinen Einsatz nicht mehr hält.

„Wer... bist du?“ Elias’ Stimme bebte trotz aller Anstrengung, nicht doch die Kontrolle zu verlieren. Die Luft schmeckte nach verschmortem Kabel und faulem Versprechen.

Der Mann lächelte, ein kaltes, scharfe Linie, die sich kaum bewegte – und doch bewegte sie alles in Elias: „Ich bin jemand, der die Dinge am Laufen hält – Dinge, die noch keiner verstehen soll.“

Auf einmal hörte Elias Schritte, gedämpft und schnell. Ein vibrierendes Surren legte sich über die Atmosphäre, als hinten im Schatten eine holografische Projektion flackerte. Linien, Datenfragmente, zusammenbrechende Pixel füllten den Raum mit einem leisen, höchst unheimlichen Summen.

„Du suchst den Ursprung der Schleife, richtig?“ Die Stimme schien aus allen Richtungen zugleich zu kommen, scharf wie eine Klinge, die quer durch die Zeit schneidet. „Das Schattenprojekt.“

Elias schluckte. Das war kein Mythos, keine urbane Legende aus den dunklen Ecken der Megacity. Das Projekt war real. Jeder Knotenpunkt in der Zeit war hier — in diesen Daten — zusammengewachsen wie vergiftete Wurzeln.

„Was ist das Schattenprojekt?“ fragte Elias, das Gerät fest an seine Brust gepresst. Die kühle Nachtluft war plötzlich wie ein dichter Nebel, der sämtliche Gedanken erstickte.

„Ein Experiment, das niemals hätte starten dürfen.“ Der Fremde schritt näher, das Licht aus den Fenstern an der anderen Seite des Gebäudes spiegelte sich in seinen Augen. „Sie wollten die Kontrolle. Nicht nur über Zeit, sondern über Wirklichkeit selbst.“

Elias’ Finger krallten sich um das vibrierende Gerät. Sein Herz hämmerte so laut, dass der fremde Mann es hören musste. Und doch machte er keine Anstalten, zu fliehen oder anzugreifen. Stattdessen deutete er auf eine holografische Karte, die langsam ein gigantisches Untergrundlabor zeigte.

„Hier begann alles. Unter der Oberfläche der Stadt. Ein Ort, der nicht registriert wird. Wo sie mit der Zeit spielten — bis sie es zu weit trieben.“

„Wer hat es geleitet?“ Elias’ Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, so dringend, dass sie selbst ihn überraschte.

Der Mann verzog das Gesicht zu einem kaum erkennbaren Grinsen. „Das darf nicht ans Licht. Nicht für die Massen.“

Elias trat einen Schritt vor, die Schatten der Neonreklame zogen sich zusammen wie schwarze Adern. „Aber ich will es wissen. Ich muss es wissen.“

Der Fremde blieb stehen, nur noch wenige Meter entfernt. Seine Augen funkelten, als ob ein Geheimnis in ihnen lodern würde. „Viktor Draylen. Er war es.“

Der Name bohrte sich wie ein Blitz in Elias’ Schädel, setzte Funken frei – Wut, Angst, Zweifel. Viktor Draylen. Der Mann, der über alles verfügte, die Zeit selbst kontrollierte. Und der, dessen Lügen das Herz der Schleife versponn.

„Warum?“ Elias presste die Worte heraus, als wäre das Atemholen schon ein Akt der Gewalt. „Warum hat er das Projekt verborgen? Was hat er zu verbergen?“

Für einen Moment schwiegen sie beide. Das Summen der Projektion vibrierte wie ein leises Herzschlagen. Dann antwortete der Fremde: „Weil er mehr ist als nur ein Mann. Er ist eine Legende, ein Mythos, und ein Monster. Wenn die Wahrheit rauskommt, bricht nicht nur die Schleife zusammen — sondern die ganze Stadt.“

Ein kalter Wind zog über das Dach, riss an Elias’ Jacke und säuselte zwischen den Türscharnieren.

„Ich muss runter zu diesem Ort,“ sagte Elias, sein Blick auf die Karte geheftet, wo leuchtende Punkte wie pulsierende Wunden die dunkle Oberfläche durchbohrten. „Ich muss es stoppen — bevor es noch mehr zerreißt.“

Der Fremde schüttelte den Kopf, ein blitzschnelles Glitzern in seinen Augen. „Pass auf, Elias. Manche Geheimnisse sind dazu da, begraben zu werden.“

Ein unerwartetes Geräusch. Ein leises Knacken, das ihn wie ein Alarmsignal überfuhr.

Hinter ihm, die Tür zum Flur schlug zu — schwer, endgültig.

Elias wirbelte herum. Was war das? War er hier gefangen? Oder war jemand anderes da, jemand, der längst wusste, dass er zu nahe kam?

Der Fremde machte einen Schritt zurück in die Schatten, seine Stimme war kaum mehr als ein Hauch: „Das Schattenprojekt hat viele Wächter. Und keiner vergibt Eindringlinge.“

Die Neonlichter flackerten. Das vibrierende Gerät in Elias’ Hand schrie plötzlich auf, Augenblicke voller drohender Klarheit, doch die Dunkelheit vor ihm verschloss jede Gewissheit.

Mit einem letzten Blick auf die Projektion, auf die verborgenen Daten, blieb Elias die Luft in der Kehle stecken:

Wer hat das Projekt geleitet — und warum? Und was würde passieren, wenn die Schleier der Zeit endgültig fallen?

Die Antwort verbarg sich im Schatten.

Ein Schatten, der alles zu verschlingen drohte.