Chapter 11
Kapitel 11 Viktors wahre Absichten
Der Raum atmete schwer, als die Konturen des Schattens sich schärften. Viktor Draylen stand dort, die Kälte der Nacht schien sich in seinen Augen zu spiegeln – stumpf, fast unheimlich ruhig. Elias’ Hand umklammerte das Gerät, seine Finger zitterten kaum merklich, doch die Spannung in seiner Brust schnürte ihm die Luft ab.
„Du hörst also meine Warnung,“ sagte Viktor leise. Seine Stimme war glatt, aber darunter lag eine unerwartete Dringlichkeit, als wollte er Elias innigst vor einer unsichtbaren Gefahr schützen – oder vielleicht etwas vor ihm verbergen. „In dieser Schleife... geht es nicht nur um Macht. Nicht nur um Kontrolle.“
Elias spürte, wie der Atem in seinem Hals stecken blieb. „Wenn es nicht darum geht... was dann?“
Viktor trat einen Schritt näher, und das Neonlicht schien um ihn herum zu tanzen, als könnte die Stadt selbst reagieren. Der schwache Geruch von verbranntem Ozon und kaltem Metall kroch in Elias’ Nase.
„Es ist... komplizierter, als du denkst.“ Eine scharfkantige Kante legte sich in Viktors Tonfall. „Diese Schleife ist kein reines Gefängnis. Sie ist ein Spiegel. Ein Spiegel mit einer Funktion, die weit über dein persönliches Leid hinausgeht.“
Elias’ Augen suchten nach irgendeinem Anhaltspunkt in Viktors Gesicht, doch das Rätsel blieb fest verschlossen. „Du willst die Schleife kontrollieren? Dich selbst erheben?“
Viktor lachte leise, trocken – kein Ausdruck von Freude, eher ein kolossaler Abgrund, der sich öffnete. „Kontrolle, ja. Aber nicht einfach zum Selbstzweck. Es ist eine Waffe. Ein Instrument. Und... eine Chance.“
„Eine Chance?“ Elias’ Stimme war scharf, seine Zweifel überschlugen sich wie elektrisches Rauschen im Stillen. „Was für eine Chance willst du haben? Die Zeit umzustürzen? Deine Schuld zu vertuschen?“
Viktor hob die Hand, abrupt, um die aufbrausende Flut zu stoppen. Ein scharfer Schnitt in der Luft. „Du hast keine Ahnung, was ich durchgemacht habe, Elias. Die Last, die ich mit mir trage. Diese Schleife ist nicht nur meine Erfindung – sie ist meine Strafe. Und meine Erlösung.“
Elias ließ das Gerät falten, seine Finger spielten nervös an der Oberfläche. „Dann sag es mir. Sag, warum du mich jetzt hierher gerufen hast.“
Ein Schatten huschte über Viktors Gesicht, kurz wie ein Blinklicht in der Dunkelheit. „Weil du der Einzige bist, der die Wahrheit verstehen kann – oder sie zerstören wird.“
Das Herz hämmerte gegen Elias’ Rippen. Jede Sekunde dehnte sich aus wie Gummi, das unsichtbare Netz der Zeit spannte sich dichter.
„Du willst die Schleife stoppen?“, fragte er halb hoffnungsvoll, halb misstrauisch.
Viktors Lippen verzogen sich zu einem schiefen Lächeln, ein Flackern von Triumph und Schmerz. „Ich werde die Schleife nicht stoppen. Ich werde sie beherrschen. Und damit das Schicksal neu schreiben.“
In diesem Moment — ein böses Rauschen durchbrach die Stille, gleichmäßig, rhythmisch, wie der schneidende Atem einer tickenden Uhr.
Aus einer verborgenen Ecke des Raumes blitzte eine Hologrammprojektion auf, flackernd, zerstückelt. Bilder von verzerrten Gesichtern, eingefrorenen Momenten, wiederkehrenden Katastrophen.
Viktor zeigte mit einer Hand auf das holographische Chaos. „Siehst du? Jede Schleife verbirgt eine Wahrheit, die wir entschlüsseln müssen. Und ich werde die Puzzleteile zusammensetzen – selbst wenn es bedeutet, dass alles, was du glaubst, falsch ist.“
Elias’ Blick verhärtete sich. Sein Herz raste, die Linien seiner eigenen Vergangenheit begannen sich mit Viktors visionären Absichten zu verwirren.
„Also bist du nicht mein Feind?“
Viktor schüttelte langsam den Kopf. „Es geht nicht um Freund oder Feind. Es geht um das Überleben der Zeit selbst. Um die Entscheidung, ob wir ihre Regeln brechen – oder von ihnen gebrochen werden.“
Die Luft knisterte. Der Raum schien sich zu verengen. Plötzlich krachte ein Alarm durch die Stille, rot blinkende Lichter tauchten den Raum in pulsierendes Blutrot.
„Wir haben keine Zeit mehr,“ flüsterte Viktor, seine Stimme jetzt scharf wie ein Skalpell. „Entscheide dich, Elias. Bist du bereit, mit mir zu gehen? Oder wirst du weiter in den Schatten der Zeitschleifen kämpfen?“
Der Bildschirm flackerte, eine letzte Botschaft suchte Elias’ Blick – doch bevor er sie begreifen konnte, schob sich eine Hand an seine Schulter.
Ein Griff, fest und kalt. Elias wirbelte herum – und erkannte in den Augen des Fremden ein Spiegelbild seiner eigenen Angst.
„Diese Schleife,“ flüsterte die Stimme nahe am Ohr, „wird uns alle verschlingen, wenn wir nicht aufpassen.“
Das Herz schlug wild, das Echo der Zeit dröhnte in seinen Ohren. Und während sich die Tür hinter ihm schloss, blieb nur die eine Frage:
Wollte Viktor die Schleife wirklich stoppen — oder sie für seine ganz eigene Macht nutzen?
Der Schatten löste sich in der Neonhölle der Megacity auf, die Antwort verloren in der ewigen Wiederholung…
*
[Ende Kapitel 11 – Fortsetzung folgt...]