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Chapter 14

Tod oder Triumph

Kapitel 14 – Tod oder Triumph

Die Welt schien sich zu zerschneiden, abschnittsweise zerfetzt von einem Knall, der durch Mark und Bein drang. Helena spürte, wie die Vibrationen der Explosion gegen ihren Schädel pochten, ihr Herz stolperte, während schwarze Schwaden aus Staub und Rauch in die Luft krochen. Inmitten des Chaos und des Splittersigs von zerborstenen Glasscherben knirschte fragil ihr Atem – schnell, flach, gehetzt.

Die kaum hörbare Stimme neben ihr forderte ein letztes Mal: „Sie kommen!“

Jedes Wort brannte in ihrem Gehirn wie siedendes Eisen. Niemand kam. Sie? Sie musste handeln – und zwar sofort. Kein Zurück mehr.

Helena kniff die Augen zusammen. Das grelle Flackern der Flammen warf geisterhafte Schatten an die Stahlwände des Parkhauses unter dem Hochhausturm. Der Chrom der Limousinen spiegelte wackelnde Lichtkegel, während die Luft vom Svovelgestank und dem schweren Nachgeschmack verbrannten Metalls triefte.

Zwei Schritte, dann wieder einer. Ihr Puls war ohrenbetäubend laut in ihren Ohren.

Der Chip – eng vergraben an derselben Stelle unter ihrem Mantel – war nun mehr als nur ein Stück funkelnden Kunststoffs. Das kleine Gerät barg Daten, die Friedrich von Albrecht in den Abgrund reißen konnten. Doch jetzt war der Preis gefährlich hoch.

„Wir bewegen uns Richtung Ausgang,“ flüsterte Jonas, die Stimme wie ein windgepeitschtes Flüstern zwischen den zerborstenen Stahlträgern. Die schwarzen Augen seines Gesichtes fixierten Helena mit einer Mischung aus Furcht und kalter Entschlossenheit.

„Zu viele Kameras,“ erwiderte sie knapp, bevor jemand aus dem Schatten heraus einen Schuss abfeuerte. Die Kugel riss einen Streifen Luft an ihrer Schulter entlang, ließ sie zucken.

„Scheiße!“

Helena stolperte, die Hand griff reflexhaft zu der Wunde, das Blut sickerte warm durch ihren Mantel. Laufen, laufen, laufen – das war alles. Weg von diesem Ort, der verseucht war durch Verrat und Blut.

Doch der Ausgang lag weiter als möglich. Die Zeit dagegen unerbittlich. Friedrich’s Männer kamen näher. Die Distanz schrumpfte wie die Zeit vor einem Ertrinken.

„Bleib bei mir!“, brüllte Jonas, während seine Pistole wild umsich schoss.

Jeder Atemzug brannte wie Feuer. Helena musste eine Entscheidung treffen. Einen Sprung ins Dunkel wagen oder dem sicheren Tod ins Auge blicken.

Eine Stimme, kaum vernehmbar, bohrte sich in ihren Geist. Friedrich. Er war hier. So nahe, dass seine Präsenz ein kaltes Eisklirr in ihrem Inneren auslöste. Nicht nur ein Gegner – ein Schatten ihres eigenen Blutes.

„Helena! Hinter dir!“ Jonas riss sie zur Seite, genauer gesagt, vom Abgrund des enttarnten Hinterhofs zurück. Ein Strom von heißen Blei prasselte gegen die Mauer, hinter der sie sich duckten.

Der Chip aktivieren, senden, die Wahrheit ans Licht bringen – oder die Flucht wagen und alles riskieren?

Die Entscheidung fraß sie aus, zerriss sie an ihren Nerven.

Plötzlich ragte eine Gestalt vor dem Nebel hervor. Eine bekannte, doch unerwartete: Daniel Ritter, der Politikberater ihres Vaters. Ruhe in Person, doch heute war es wie ein Malstrom aus kalter Gewissheit.

„Du hast keine Chance, Helena,“ flüsterte er kaum hörbar, doch sein Blick verriet mehr: Angst. Unsicherheit. „Gib auf und verschwende dich nicht länger.“

Ihre Hände umklammerten den Chip, der in ihrer Jackentasche pulsiert zu scheinen schien, als würde ihm eigenes Leben innewohnen.

„Du kein Recht,“ zischte Helena gegen die aufkommende Panik an. „Du weißt nicht, was auf dem Spiel steht.“

In dem Moment erhob sich ein wütender Urknall und der Boden bebte unter ihnen. Schwarze Rauchsäulen schossen gen Himmel, während die Kameraaufnahmen des Kontrollraums in der oberen Etage wie lebendig zu flimmern begannen.

Daniel drehte sich abrupt um — und war plötzlich weg.

Kein Schritt. Kein Geräusch.

Weg. Die Leere, die er hinterließ, spannte sich wie ein unsichtbares Messer durch die Luft.

„Daniel?“ Helens Stimme zitterte, verlor sich im qualmenden Nichts. Keine Antwort.

„Verdammt!“ Jonas warf einen Blick über die Schulter. „Er ist verschwunden. So wie geplant?“

Helena biss die Lippen zusammen, ihre ganze Haut prickelte in der bröckelnden Realität.

Eine finstere Ahnung kroch durch ihr Blut.

Jemand hatte diesen Nachtmahr orchestriert. Jemand Spielfiguren auf dem Brett bewegt, während sie noch in der Falle stand.

Der Chip in ihrer Hand vibrierte. Signale blinkten auf. Ein Bit nach dem anderen. Der Countdown um ihr Überleben hatte begonnen.

Noch immer waren Friedrichs Schatten im Nacken. Noch immer konnte jeder Schritt der falsche sein.

Tod oder Triumph?

Sie stand am Abgrund – und der Sprung würde alles verändern.

Eine letzte Kugel riss nahe an ihrem Ohr vorbei, der knarrende Klang der Gewalt in der Luft schnitt die Sekunden in Stücke.

Helena zog die Klinge ihres Entschlusses aus der Dunkelheit.

Der Bildschirm ihres Handys blinkte auf.

„Meldung eingegangen,“ stand da, ehe eine weitere Botschaft folgte:

„Die Macht wechselt die Seiten. Bereite dich vor.“

Das Flackern erlosch.

Und im Nebel des qualmenden Parkhauses blieb nur eine Wahrheit:

Daniel Ritter war verschwunden.

Ende Kapitel 14