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Chapter 15

Doppeltes Spiel

Kapitel 15 Doppeltes Spiel

Das Büro wirkte plötzlich kälter, obwohl der Winterwind mit eisigem Griff gegen die Fensterfront schlug. Emilia stand reglos in der Mitte des Raumes, die Finger noch immer um die vergilbten Seiten des Dossiers gekrallt. Ein Flüstern hallte durch ihren Kopf, die Worte, die sie kaum zu fassen wagte: Verrat. Tod. Lügen.

Das Lampenlicht über ihr flackerte einmal, dann verlangsamte sich ihr Atem. Ihre Brust zog sich schmerzhaft zusammen, als eine unsichtbare Schlinge immer enger zog. Der Blick auf das Papier war kaum mehr als ein Vorwand; ihr Geist raste, jeder Gedanke ein Wirbelsturm aus Zweifeln und zerschmetterten Hoffnungen.

„Emilia?“ Die Tür öffnete sich leise, ein vertrauter Schatten trat ein. Jakob. Ihr engster Vertrauter seit Kindheitstagen, der Fels in der Brandung ihres stürmischen Lebens.

Sie sah ihn an, das blasse Mondlicht zeichnete scharfe Konturen in sein Gesicht. Doch statt seiner gewohnten warmen Präsenz lag etwas anderes darin – eine Spur von Unsicherheit? Oder war es das Echo ihres eigenen Misstrauens, das sich auf alles legte?

„Ich finde... die Antworten in diesem Dossier sind nicht das, was wir erwartet haben,“ begann Emilia leise, doch ihre Stimme bebte.

Jakobs Blick verriet nichts. „Was hast du entdeckt?“

Sie zeigte ihm die wichtigsten Seiten, Worte und Beweise, die das Netz des Verrats webten. Während sie sprach, bemerkte sie, wie sein Kiefer sich anspannte, seine Finger zu Fäusten ballten und wieder lösten.

„Maximilian...“, flüsterte sie, „er war... näher an meinem Vater, als ich dachte. Und an dir.“

Jakob schluckte schwer, sein Blick wurde scharf. „Du willst sagen, ich habe dich betrogen?“

Der Raum schien für einen Moment stillzustehen, nur das Ticken der alten Uhr in der Ecke zerschnitt die Stille wie ein Messer. Emilia hob eine Augenbraue. „Das willst du nicht zugeben, oder?“

Er trat näher, seine Stimme war rauer als sonst. „Du musst verstehen, warum ich getan habe, was ich getan habe. Aber ich stehe auf deiner Seite.“

Worte, warm und überzeugend, und doch klang etwas darin hohl, zerbrechlich. Emilia spürte, wie Misstrauen wie kalter Nebel in ihr aufstieg.

„Zeig mir, dass das wahr ist,“ forderte sie leise. „Denn wenn ich noch einem einzigen Menschen in diesem Spiel vertraue und mich irre...“

Abbruch. Ein Aufleuchten in Jakobs Augen. „Vertrau mir!“

Doch ehe weitere Worte fielen, schrillte Emilias Handy auf dem Schreibtisch. Der Bildschirm zeigte nur ein Wort: „Unbekannt.“

Ihr Herz schlug schneller. Mit zitternder Hand nahm sie das Gerät.

Die Stimme am anderen Ende war kaum hörbar, verzerrt, fast geflüstert. „Du bist nicht sicher, Emilia. Weißt du, warum Jakob mich dir geschickt hat?“

Ein kalter Schauer jagte ihren Rücken hinunter. Die Linie wurde unterbrochen.

Jakob stand reglos da, sein Blick kein bisschen entwaffnend mehr, sondern durchbohrend. „Ich wollte nur, dass du es von mir erfährst – bevor Maximilian es tut.“

Emilias Hände ballten das Telefon so fest, dass die Nägel ins Fleisch schnitten. Alle eingestaubten Szenarien entfalteten sich wie schwarzes Tuch vor ihrem inneren Auge.

Die Welt, die sie mühsam aufgebaut hatte, begann zu bröckeln – und was blieb davon übrig, wenn selbst Jakob Teil des Spiels war?

Sie hob den Kopf. „Ist niemand mehr auf meiner Seite?“

Jakob schüttelte den Kopf, und in seinem Lächeln lag keine Wärme, nur ein kaltes Versprechen: „Das Spiel hat gerade erst begonnen, Emilia.“

Die Schatten warfen neue, lange Gestalten an die Wände des Büros – aber keine davon gehörten ihr.

Und draußen erhob sich bereits die Nacht, die alles verschlingen würde.

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Fortsetzung folgt...