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Chapter 10

Verrat durch Vertraute

Kapitel 10: Verrat durch Vertraute

Das monotone Brummen der Serverräume klang wie ein fernes Echo in Emilias Gedanken, drang durch den dicken Nebel aus Adrenalin und Angst, der sich um ihr Herz geschnürt hatte. Ihre Finger krallten sich in die kalte Metallkante des Tisches, bis die Haut weiß anlief. Der Satz schwebte bedrohlich zwischen ihnen: Welche Größenordnung hatte das Ausmaß der kriminellen Aktivitäten? Und vor allem: War sie stark genug, die Wahrheit zu ertragen?

Emilia fühlte, wie sich die Umwelt um sie herum zurechtrückte — eine unsichtbare Drehung, die ihr die Realität in scharfe Bruchstücke zersplittern ließ. Der vertraute Raum des Konferenzzentrums wirkte plötzlich fremd, die Schatten hinter den Glaswänden sprachen in Flüstern, die nur ihr Herz verstand.

„Wir müssen das jetzt abschließen“, presste sie durch die zusammengebissenen Zähne. Ihre Stimme war rau, doch jeder Ton vibrierte voller unverrückbarer Entschlossenheit.

Hinter ihr trat Leonard voreilig näher, sein Gesicht von der blaß-gelben Neonbeleuchtung verzehrt, aufgesetzt freundlich, doch die Nervosität in seinem Blick verriet etwas anderes. „Emilia, warte—ich habe neue Informationen, vielleicht...“

Sie wandte sich abrupt um. Ihr Blick war eisig und spitz wie ein Speer, der ins Fleisch eines Verräters sticht. „Jetzt nicht, Leonard. Wir können uns keine Fehler leisten.“

Doch sein Blick wich nicht. Ein Hauch von Panik blitzte darin auf, dann schob er hastig ein kleines, abgegriffenes Smartphone hervor und zeigte das Display. „Ich hab etwas zwischen den Zeilen gefunden. Unglaubliche Daten. Jemand hat von innen heraus Zugriff — und es kann... es könnte jemand aus unserem engsten Kreis sein.“

Ein feines Zittern zog durch Emilias Finger, nicht nur vom kalten Metall, sondern von einem aufkommenden Sturm innerer Gewissheit. Verrat. Direkt unter ihrem eigenen Dach.

„Zeig mir alles, was du hast“, sagte sie knapp, während ihr Gehirn raste.

Leonard tippte hektisch, öffnete verschlüsselte Mails, Screenshots mit kryptischen Abkürzungen, Frankaturen und Terminen. Alles deutete auf eine heimliche Verbindung zu Maximilian Stahl hin. Ein Informant, der seit Monaten mit dem Feind spielte und Informationen aus der Winter-Gruppe übergab.

„Das...“ Emilia konnte kaum mehr als ein Flüstern herausbringen. „Das kann nicht Leonard sein. Nicht der, der mir seit meiner Rückkehr geholfen hat.“

Aber je länger sie auf die verschlüsselten Nachrichten starrte, desto klarer wurde das Bild: Leonard stand mit einem Bein auf einem Abgrund, der Winter-Konzern war die Plattform seiner Missetat.

Sie blickte ihm in die Augen, durchbohrte ihn mit stummer Anklage. Leonard senkte den Kopf, die Schultern sanken in resignierter Kapitulation.

„Ich wollte es nicht“, gab er endlich zu. Seine Stimme war rau, gebrochen von dem Gewicht seiner Lügen. „Maximilian hat mich unter Druck gesetzt. Du kennst die Geschichte mit meiner Schwester... Ich hatte keine Wahl.“

Die Worte brannten wie Säure in Emilias Brust. Sie wollte schreien, ihm das Herz herausreißen, den Verrat nicht fassen. Doch stattdessen sammelte sie sich zu einem scharfen Schnitt.

„Wie viel hat er schon?“

Leonard schüttelte hastig den Kopf. „Ich weiß es nicht. Aber ich darf nicht—“

„Du wirst mir alles sagen. Jetzt.“ Ihre Stimme war kein Befehl mehr, sondern ein Gerichtsurteil.

Ein kalter Luftzug zog durch den Raum, als die Tür plötzlich aufsprang. Ein Sicherheitsbeamter trat ein, seine Augen blitzten hinter der düsteren Brille. „Dr. Winter, müssen Sie das wissen: Auf den Servern sind ungewöhnliche Zugriffsversuche. Immer wieder, seit gestern Abend. Jemand hat auf sensible Dateien zugegriffen — von extern. Wir konnten nur wenige stoppen.“

Emilias Herz setzte einen Schlag aus. Leonard sah sie an, die Angst und Reue auf seinem Gesicht offen wie ein offenes Buch.

„Wie tief sind deine Informationen schon in fremde Hände gelangt?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein gefährliches Flüstern.

Leonard sah sie an, unfähig zu antworten. Die Wahrheit lag wie ein Dolch in ihrer Brust — und die Jagd nach dem Verräter hatte gerade erst begonnen.