Chapter 9
Kapitel 9 Die Falle zuschnappt
Ein schneidender Schmerz bohrte sich durch Lukas’ Brust wie glühendes Eisen. Die Dunkelheit, die ihn verschluckt hatte, war nicht nur die Abwesenheit von Licht. Sie war schwer, drückte gegen seine Haut, schien in seine Lungen zu kriechen. Die Asche, die in seinen Nasenhöhlen klebte, schmeckte nach verbranntem Holz und Verzweiflung.
Kein Raum. Kein Boden unter den Füßen. Nur das dumpfe Pochen seines Herzschlags, das ihm ohrenbetäubend laut vorkam.
Lukas schloss die Augen, versuchte den Atem zu kontrollieren, doch seine Lungen rebellierten – brannten, als würden tausend Nadeln stechen.
Dann ein Flüstern.
„Lukas“, flüsterte eine Stimme, so nah, als würde sie direkt in sein Ohr sprechen. „Du bist nicht allein.“
Die Stimme war dünn, zitternd, doch unverkennbar: Es war Mira.
Langsam, als tauche er aus einem Nebel, spürte Lukas, wie seine Glieder sich langsam bewegten, erst so, als wären sie aus Blei, dann leicht, federnd. Sein Blick fuhr auf.
Vor ihm formte sich ein schwaches, flimmerndes Licht; es tanzte wie eine Flamme im Wind, pulsierte warm – Miras Silhouette. Sie war schwarz befleckt, ihr Haar zerzaust, und doch war in ihrem Blick die unerschütterliche Entschlossenheit.
„Es ist eine Illusion“, murmelte sie, während ihre Lippen zucken. „Seraphine spielt mit deiner Wahrnehmung. Diese Dunkelheit wollen dich erdrücken, dich zerbrechen.“
Lukas rang nach Luft, der Schmerz linderte nicht, doch das Bild ihrer Stimme gab ihm Halt. Er wollte sich bewegen, doch es war, als zöge ihn eine unsichtbare Kette zurück.
„Komm zu mir“, forderte sie. „Ich kann dich rausziehen.“
Er reckte den Arm aus. Die Fingerspitzen berührten das flimmernde Licht – doch dann zerriss die Stille mit einem verzerrten, schmerzvollen Schrei.
Ein greller Blitz durchzuckte sein Bewusstsein. Die Dunkelheit zerfetzte sich in tausend Spliter. Lukas fiel auf den kalten Steinboden, jeder Muskel zuckte, sein Körper schrie vor Anstrengung. Er hustete, schwankte, während die Schatten um ihn herum wie Wesen aus flüssigem Rauch zu pulsieren begannen.
Mira kniete neben ihm, ihre Hände legten sich auf seine Schultern. „Es ist eine Falle“, hauchte sie. „Wir sind in ihrem Kern gefangen, Lukas. Ihr System. Das verborgene Level – Seraphine kontrolliert es. Alles hier wird von ihr gesteuert.“
Lukas schluckte schwer, die Worte sanken wie schweres Blei in seinen Magen. Kontrolliert. Gefangen. Die einzige Quelle seiner neuen Kräfte – plötzlich fühlte sie sich wie eine Kette an.
„Was... was sollen wir tun?“, fragte er, während sein Blick an den schwach glühenden Runen an den Wänden hängen blieb.
„Wir müssen das System brechen. Die Energiequelle finden. Aber es ist ein Minenfeld. Alles ist eine Falle. Ein falscher Schritt, und…“, Miras Stimme brach.
Ein dumpfes Poltern hallte durch die verfallenen Hallen. Schritte – schwer, unaufhaltsam.
Seraphine.
Lukas erstarrte. Der kalte Hauch der Angst glitt durch seine Adern. Er spürte, wie sein Körper bereit war, in den Kampfmodus zu schalten, doch seine Glieder waren wie gelähmt vor Erschöpfung und Verwundung.
„Du kannst nicht ewig hier bleiben“, flüsterte Mira. „Sie kommt. Sie bringt dich zu Fall.“
„Ich... ich kann nicht fliehen. Nicht jetzt“, erwiderte Lukas, die Stimme rau, aber entschlossen. „Ich muss stärker werden. Ich... ich darf nicht weglaufen, nicht vor ihr.“
„So stolz“, spottete eine Stimme, die aus dem Schatten kroch.
Ein Schleier aus Dunkelheit bewegte sich, enthüllte sich als Seraphine Voss selbst – bleich, mit kalten Augen, die in der Dämmerung funkelten wie ein Raubtier. Ihr Lächeln war kein Ausdruck von Freude, sondern von bloßer Überlegenheit.
„Du bist mutig, Heller. Wahnsinnig mutig. Aber dein Spiel endet hier. Gib auf. Flieh, wenn du kannst. Oder steigere deine Kräfte – wenn du dich traust.“
Sie trat einen Schritt nach vorne, und die Schatten um sie herum schienen lebendig zu werden: Krallen aus Rauch, die nach Lukas griffen, tödlich und doch unsichtbar.
Lukas spürte, wie eine eisige Hand nach seinem Herz griff, immer fester zuzudrücken begann.
„Ich werde nicht aufgeben“, knirschte er.
„Dann verlieren wir beide“, sagte Seraphine mit einem kalten Funkeln.
Die Welt drehte sich rasend schnell. Jeder Moment war eine Welle aus Sturm und Schmerz. Lukas wusste, dass er sich entscheiden musste – fliehen und weiterleben, doch mit der Schande im Nacken, oder tiefer eintauchen, seine Kräfte opfern, den verhängnisvollen Preis bezahlen.
Sein Blick fiel auf das pulsierende System-Interface, das er tief in sich spürte. Es lockte, flüsterte Versprechen von Macht und Kontrolle. Doch jeder nächste Schritt könnte ihn mehr verschlingen als nur seine Energie.
Er hob die Hand, atmete tief ein. In seinen Adern brannte Flammenwut, Zweifel, Hoffnung – ein chaotisches Feuer, das ihn eins werden ließ mit dem System.
„Fliehen oder stärker werden...“, murmelte er.
Ein Schatten huschte näher, die Klinge des Schicksals zog sich hinter ihm zusammen.
Dann ein letztes Flüstern – nicht von Seraphine, nicht von Mira.
Von ihm selbst.
„Jetzt oder nie.“
Lukas schloss die Augen, und mit einem tiefen Riss in seiner Brust erschien die Entscheidung auf seinem Gesicht.
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Die Klinge stieß herab – und der Bildschirm wurde schwarz.
--- Fortsetzung folgt…