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Chapter 7

Nebenwirkungen der Macht

Kapitel 7 – Nebenwirkungen der Macht

Der kalte Nachtwind strich durch das offene Fenster seines Zimmers, aber Lukas spürte keine Erleichterung. Stattdessen zog sich etwas Dunkles und Unbestimmtes in seinem Magen zusammen, als würde ihn ein unsichtbarer Griff immer fester zuschnüren.

Die Worte, die Alaric ihm kurz zuvor zugeraunt hatte, hallten in seinem Kopf nach — jeder Satz ein weiterer Stich: „Geheimnisse lauern hinter jeder Ecke...“. Doch nicht nur die Angst nagte an ihm, auch der schleichende Schmerz, der sich von seiner Brust auszubreiten begann. Zuerst etwas dumpf, fast wie nach einem Schlag. Doch je öfter das System in seinem Inneren reagierte, desto intensiver wurde das Pochen.

Sein Puls raste.

Lukas schloss die Augen, presste die Lippen zusammen, während sich kalter Schweiß auf seiner Stirn bildete. Die Luft schien dichter zu werden, schwer und stickig wie der Schlund einer Höhle. In seinem Becken spürte er ein Ziehen, als würde sich etwas in seinem Körper wehren, etwas Unbekanntes, das sich wehren musste.

Ein leises Summen erklang — kaum hörbar, doch Lukas wusste, es kam aus ihm.

„Nicht jetzt“, flüsterte er, als sich etwas in seiner Brust zusammenzog, ein Stechen, das ihn kurz erstarren ließ. Sein Blick fiel auf die Hand, die unwillkürlich zum Brustkorb glitt. Dort unter der Haut schimmerte, verborgen im Schatten, ein schwaches blaues Blitzen. Das System.

Es pulsierte.

Der Preis.

— So beginnt es also, dachte Lukas, die Angst langsam wie ein bösartiges Frostembrunn in seinem Inneren gesät.

Ein leises Klopfen an der Tür ließ ihn hochschrecken. „Lukas? Bist du wach?“

Die Stimme von Mia, seiner engsten Vertrauten, war sanft, aber durchdringend. Es schien, als spürte sie, dass etwas nicht stimmte.

Er schluckte, zwang sich aufzustehen, doch das Ziehen in seinem Bein ließ ihn stolpern.

„Alles okay,“ stotterte er schief und zwang ein Lächeln, das in seinem Gesicht wie ein Fremdkörper wirkte.

Mia trat ein, ihre Augen blitzten im schwachen Licht der Lampe. „Du siehst blass aus. Hast du gefrühstückt?“

„Ich... nein. Keine Lust.“ Seine Stimme klang leise, zu schwach für den Raum, der plötzlich zu eng schien.

Sie setzte sich neben ihn auf die Pritsche und legte eine Hand auf seine Schulter.

„Lukas, du wirkst verändert. Wie geht es dir wirklich?“ Ihre Stimme war zugleich besorgt und fordernd.

Er schluckte schwer. „Das System... Es —“ Er brach ab. Wie konnte er ihr erklären, was in ihm geschah? Den schmerzhaften Preis, den es forderte?

„Das System tut dir weh?“, fragte Mia leise.

Lukas nickte. „Es fühlt sich an, als würde etwas in mir zerreißen. Wie ein Eissturm, der von innen kommt und alles einfriert. Aber es wird schlimmer, je mehr ich es benutze.“

„Du darfst das nicht ignorieren“, warnte Mia eindringlich. „Vielleicht... müssen wir jemanden fragen. Professor Draven vielleicht? Er kennt sich mit diesen Systemen aus.“

Er schüttelte den Kopf. „Ich will nicht, dass es jemand weiß. Wenn sie es erfahren…“ Seine Stimme versagte.

Mias Blick wurde ernster. „Lukas, du bist nicht allein. Du darfst nicht alles für dich behalten.“

Doch bevor er antworten konnte, vibrierte sein Armband – das Interface des Systems.

Eine Nachricht blinkte auf:

System-Status: Kritische Reaktion erkannt.

Verfügbarer Tribut: 1 Leben.

Sein Herz hämmerte. Er starrte auf das Display. Ein Leben? Das klang wie ein Alptraum.

„Was soll das bedeuten?“ Seine Stimme zitterte.

Mia sah das Leuchten und erstarrte. „Das heißt... Die Macht fordert etwas zurück.“

Ein muffiges Gefühl breitete sich in Lukas‘ Magen aus. Der eiskalte Kloß, der sich schon seit Stunden in ihm wölbte, wurde zu eisiger Panik.

„Ein Leben… Ich habe keines zu geben!“ Er schloss die Augen, rang nach Kontrolle.

In diesem Moment vibrierte die Tür heftig.

Ein Schatten fiel durch den Spalt, dann eine vertraute Stimme:

„Lukas! Wir müssen reden. Sofort.“

Seraphines Stimme schnitt in der Stille wie eine scharfe Klinge.

Lukas‘ Herz verzögerte seinen Schlag, dann raste es wie entfesselt. Er blickte zu Mia, deren Augen weit wurden. „Sie weiß Bescheid,“ flüsterte sie.

Draußen ließ der Wind das alte Gemäuer ächzen. Im Zimmer hing die Luft schwer, erfüllt von drohender Gefahr.

Das System pulsiert. Es fordert seinen Preis. Und der Preis – um den Sieg zu erkaufen – soll eine Freundschaft kosten?

Lukas sprang auf die Füße, der Schmerz in seiner Brust zuckte wie ein Gewitter und zerriss seine Gedanken.

Die Tür öffnete sich einen Spalt.

„Lukas Heller, es ist Zeit, eine Entscheidung zu treffen.“

Mit einem Ruck stand Seraphine im Raum.

Und plötzlich war alles still.

Das System pulsierte.

Der Tribut – unausweichlich.

Wen wird es verlangen?

Und wird Lukas stark genug sein, den Preis zu bezahlen, ohne sich selbst zu verlieren?

Der Schatten der Macht war nicht nur eine Gefahr für ihn – er war ein Urteil.

Und es wartete, vollstreckt zu werden.